06.11.2016

Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis C16

Lk 20,17-38


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir haben gerade die Gedenktage hinter uns, an denen wir vielleicht mehr als sonst an unsere Verstorbenen denken, Allerheiligen und Allerseelen. Wir stehen im Herbst; die Vergänglichkeit der Natur wird uns sinnfällig vor Augen geführt. Und die Tage werden kürzer; die Dunkelheit besiegt das Licht. Das ruft auch im Menschen, besonders in wetter- und feinfühligen Menschen, Stimmungen hervor. Manche Menschen mögen den November nicht. Aber ausgerechnet da, zu dieser Jahreszeit, muten uns die heutigen Texte zu, an die Auferstehung zu glauben. Ich meine, es ist leichter, nach einer feierlichen Osternacht, unterstützt von der Jahreszeit, die uns das Aufblühen verheißt und das Licht und den Sommer, das Halleluja der Freude über die Auferstehungsgewissheit zu singen als jetzt im Herbst. Aber Sie ahnen schon: Es gehört zusammen, dass uns gerade in den Zeiten des Dunkels und der sinnfälligen Vergänglichkeit die Auferstehungsfrage zugemutet wird. Vielleicht drängt sie sich gerade da besonders auf. Spätestens wenn wir am Grab eines geliebten Menschen stehen, kann doch die Frage in uns emporsteigen: „Wo bist du jetzt?“ Und einher damit geht dann sofort auch die Frage nach Gott, mehr oder weniger bewusst. „Gibt es da eine Wirklichkeit, gibt es da eine Macht, gibt es da einen Gott, der allein die Macht hat, Menschen aus dem Tod in eine wie immer geartete Ewigkeit zu führen?“ Oder vielleicht können wir die Frage noch persönlicher formulieren und sagen: „Was traue ich diesem Gott zu? Was erhoffe ich von meinem Gott, an den ich glaube?“ Und plötzlich wird die Auferstehungsfrage zu einer Frage nach dem, was ich von Gott erhoffe und was ich ihm zutraue. Sie ist dann keine akademische Frage mehr, über die ich - theologisch versiert - informieren kann, sondern sie ist eine Frage der Beziehung zu Gott. „Gott, das erhoffe ich von dir und das traue ich dir zu.“ Hier drückt sich eine Beziehung aus. Hier kommt Gottesbeziehung zum Ausdruck.

 

2. Und genau diesen feinen Unterschied zwischen einer theologischen Auskunft über die Auferstehung und einem Satz, der Gottesbeziehung meint, geht es im heutigen Evangelium.    Da ist die Rede von den Sadduzäer, die zu Jesus kommen. Die Sadduzäer waren zurzeit Jesu eine Gruppe in Israel, die den Kern der Priesterschaft am Jerusalemer Tempel bildeten. Als Tempelaristokratie hatten sie eher eine konservative Einstellung: Sie waren allen Neuerungen gegenüber skeptisch. So lehnten sie mündliche Überlieferungen ab und beriefen sich auf die Fünf Bücher Mose. Und weil darin nichts von der Auferstehung steht, lehnten sie auch die Auferstehung ab. Vielmehr betonten sie, dass Gott schon im irdischen Leben belohnt oder bestraft. Es braucht dafür keine Auferstehung. Sie wollten nun Jesus überzeugen, dass es keine Auferstehung geben kann. Dabei beriefen sich die Sadduzäer auf die sogenannte Leviratsehe. Im Alten Testament heißt es dazu: Dtn 25,5-6: „Wenn zwei Brüder zusammen wohnen und der eine von ihnen stirbt und keinen Sohn hat, soll die Frau des Verstorbenen nicht die Frau eines fremden Mannes außerhalb der Familie werden. Ihr Schwager soll sich ihrer annehmen, sie heiraten und die Schwagerehe mit ihr vollziehen. Der erste Sohn, den sie gebiert, soll den Namen des verstorbenen Bruders weiterführen. So soll dessen Name in Israel nicht erlöschen“. Nun konstruieren die Sadduzäer den Fall von einer Frau, die, da der jeweilige Mann sehr früh starb, jeweils an sieben Brüder weitergegeben wurde. Und am Ende kommt dann die Frage: „Wessen Frau wird sie bei der Auferstehung sein?“ Ja, das ist sauber recherchiert, argumentativ gut hergeleitet, gibt die notwendigen Informationen richtig wieder. Und man möchte den Sadduzäern zurufen: Ihr habt recht. Die so konstruierte Auferstehung gibt es nicht. Wenn ihr glaubt, das Leben nach dem Tod sei nur eine Verlängerung des irdischen Lebens, und könne es deshalb nicht geben, dann habt ihr recht. Dieses ewige Leben gibt es nicht.

   

3. Und Jesus antwortet dann weiter aber nicht auf der Informationsebene, sondern auf der Beziehungsebene. „Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden.“ Gott ist der Gott des Abraham gewesen, weil Abraham ihm vertraute. Gott ist der Gott des Isaak, weil Isaak an ihn glaubte. Und Gott ist der Gott des Jakob, weil Jakob auf ihn hoffte. Und Gott ist mein Gott, und Gott ist je ihr Gott, weil er uns wichtig ist, weil wir auf ihn unsere Hoffnung setzen, weil wir – wie auch immer – in einer Beziehung zu ihm stehen, die geprägt ist durch Hoffnung, Vertrauen, mitunter Liebe. Und dann stellt sich doch die alles entscheidende Frage: Kann Gott unsere Hoffnung und unser Zutrauen enttäuschen? Kann Gott das Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, ja, die Herausforderung, die wir an ihn stellen, doch ewige Rettung zu schaffen, enttäuschen?

 

4. Die Frage nach der Aufestehung ist wohl eher eine Frage, was ich von Gott erhoffe und nicht eine Frage, die akademisch sicher gelöst werden kann. Aber

 wenn ich mich durchringe zu dieser Hoffnung, die Gott alles zutraut, dann prägt sich diese Hoffnung in mein Leben ein und dann drückt sie sich auch durch

 mein Leben aus.

Franz Langstein

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