05.06.2016

Predigt am Fest des hl. Bonifatius 2016



Liebe Schwestern und Brüder!

1.   Bonifatius, ursprünglich Winfrid, um 673 im Königreich Wessex in England geboren, wurde in den Klöstern Exeter und Nursling erzogen. Mit dreißig Jahren wurde er zum Priester geweiht, mit vierzig reiste er zum ersten Mal als Missionar nach Germanien. Dreimal machte er die Reise nach Rom. Von Papst Gregor II. erhielt er 719 den Missionsauftrag und den Namen Bonifatius. 722 die Bischofsweihe. Von Gregor III. wurde er 732 zum Erzbischof ernannt. Er organisierte die Kirche in Bayern, Hessen und Thüringen durch Gründung von Bistümern und versuchte, die fränkische Kirche durch Synoden zu reformieren. Wo er missionierte, errichtete er auch Klöster als Mittelpunkte der Missionsarbeit, Orte des Gebets und Pflanzstätten der Kultur. Seine Lieblingsgründung war das Kloster Fulda (744), wo er auch begraben ist und wo sich seit 1869 die deutschen Bischöfe zu ihren jährlichen Konferenzen versammeln. Am 5. Juni 754 wurde Bonifatius mit 52 Begleitern bei Dokkum von den Friesen erschlagen. Er wird der Apostel Deutschlands und auch der Apostel der abendländischen Kultur genannt.

        Wenn wir uns das Leben des hl. Bonifatius in aller Kürze vor Augen gehalten haben, dann lohnt es sich, auf drei Aspekte einzugehen, die durchaus uns heute etwas zu sagen haben.    

 

2.        Einmal geht es darum, sich zu fragen, was denn die angelsächsischen Missionare motiviert haben könnte, auf das Festland zu kommen und hier zu missionieren? Eine Antwort könnte das sein, was wir heute im Evangelium gehört haben. Da heißt es im Johannes-Evangelium: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.“ Dieser Satz „ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“, ist eine typische Formulierung des Johannes-Evangeliums, die nicht nur einfach meint, dass Jesus in Worten zu den Jüngern gesprochen hat und ihnen Mitteilungen gegeben hat, sondern dieser Satz meint auch die Selbstmitteilung Gottes, die sich in Christus geoffenbart hat. Die Worte Jesu, seine Taten, ja sein ganzes Leben waren eine Offenbarung der Liebe Gottes. So steht Gott zu den Menschen, wie Christus zu ihnen stand. Und somit hat sich Gott als der ganz andere erwiesen, nicht als der, für den viele Menschen ihn hielten: nämlich der Gott, der nur unter Bedingungen die Menschen liebt; als der, dem erst gegeben werden muss, damit er gibt. Missionierung heißt also für Bonifatius: Weil Gott ein in seiner Liebe sich offenbarender Gott ist, braucht er auch Menschen, durch die hindurch er sich offenbaren kann. So kann man bei aller Problematik auch die symbolische Handlung des Bonifatius verstehen, als er die Donareiche bei Fritzlar fällte. Der mächtige und Angst machende Gott Donar wird gefällt. Angstmachende Gottesbilder knechten den Menschen. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“. Das ist wohl das erste, was man sagen kann: Alle Missionierung hat nur einen Sinn, wenn sie den Menschen befreit von Ängsten, von Unsicherheiten, von verkehrten Gottesbildern.

 

3.         Ein zweites  muss gesagt werden: Bonifatius war von Anfang an bedacht, dass sein Missionswerk von Rom abgesegnet, ja von Rom beauftragt ist. Er hat damit etwas getan, was kaum hoch genug gewürdigt werden kann. Das Christentum wurde somit keine Stammesreligion für germanischen Stämme, sondern von Anfang an an das große Weltreich Rom angebunden. Ohne das Bemühen, den neuen Glauben als von Rom her kommend und somit die germanischen Stämme an Rom anzubinden, hätte sich wahrscheinlich der Einheitsgedanke Europas anders  entwickelt. Glaube ist kein Stammesglaube, kein Nationalglaube, kein Landeskirchenglaube; Glaube ist Weltglaube. Dies ist eine ungeheure Öffnung der germanischen Stämme auf die Weltebene gewesen. Es wird auch nicht lange dauern, dann werden genau diese germanischen Stämme führend werden für die Weltkirche.

 

4.         Und noch ein Drittes: Wie hat Bonifatius versucht, diesen einen Glauben in die Herzen der Menschen einzupflanzen? Er errichtete überall dort, wo er missionierte oder reformierte, Klöster. Hier sollten Menschen wohnen, die beispielhaft das vorlebten, was Christentum bedeutet. Diese Klöster entwickelten sich schnell als Zentren, die Ausstrahlung hatten. Sie sollten sich für die Entwicklung Europas als sehr segensreich herausstellen. Aber zur Zeit des hl. Bonifatius war es erst mal nur wichtig, dass es Zentren gibt, die als Orte dienten, an denen man Christentum erfahren konnte.

 

5.        Gerade dieser letzte Punkt scheint mir heute von großer Bedeutung zu sein. Wir leben in einer Situation, in der immer mehr Menschen vom Christentum nicht mehr viel verstehen oder wissen wollen. Das hat mehrere Gründe. Und eine Antwort könnte und müsste sein, dass sich die Kirchengemeinden vor Ort verstehen als solche Zentren, in denen Christentum gelebt und erfahrbar wird. Es ist ein Fehler, wenn man blind fusioniert, und somit Kirchengemeinden, die die Funktion haben, Erfahrungsräume des Glaubens zu sein, ihrer Ausstrahlung beraubt. Es braucht gerade heute solche Zentren der Gotteserfahrung. Das ist natürlich auch für uns ein hoher Anspruch. Und wir müssen in den nächsten Monaten und Jahren diese Gedanken vertiefen. Denn die Methode des hl. Bonifatius, Klöster und damit Zentren des Glaubens zu gründen, ist sehr effektiv. Denn solche Zentren können auch sehr attraktiv werden. Denn Gott ist ein sich offenbarender Gott. Und es braucht Zentren, durch die das geschehen kann. So gesehen kann uns wirklich der hl. Bonifatius nach wie vor einiges sagen.

Franz Langstein

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