04.05.2016

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Was feiern wir eigentlich an Christi Himmelfahrt, was wir nicht auch schon an Ostern gefeiert hätten? Ostern war doch für uns nicht das Fest einer leiblichen Wiederbelebung Jesu, der dann unter den Jüngern wieder gelebt hat und nun, an Himmelfahrt, für immer zum himmlischen Vater heimfährt. Vielmehr haben wir doch auch schon an Ostern bekannt, dass Jesus aufersteht in die Herrlichkeit des Vaters. Und vielleicht ist für Jesus Ostern und Himmelfahrt tatsächlich ein- und dasselbe gewesen. Aber für uns, die wir räumlich und zeitlich denken, ist es nicht so. Himmelfahrt markiert eine deutliche Zäsur, die an Ostern so noch nicht sichtbar war. Nach Ostern ist der Herr den Seinen erschienen, und zwar leibhaft erschienen, wie uns die Evangelien berichten. Sie aßen mit ihm, sie konnten seine Wundmale sehen, sie konnten mit ihm sprechen. Nach Himmelfahrt ist Schluss damit. Jetzt ist er wirklich weg. Zwar erscheint er nochmals dem Apostel Paulus, aber diese Erscheinungen sind anders: sie sind eher visionär, zeichenhaft, nicht so leibhaftig wie vor Himmelfahrt. Nein, Himmelfahrt ist eine Zäsur. Der Herr ist jetzt wirklich weg. Und genau darin liegt eine dreifache Bedeutung für uns, die wir so an Ostern noch nicht wahrgenommen haben.


2. Einmal: Jetzt, wo der Herr weg ist, der Sichtbarkeit entzogen, der Wahrnehmung entzogen, der Sinnen entzogen, der leiblichen Kommunikation entzogen, kurz: Wo nichts mehr von ihm da ist, da wird in uns etwas wachgerufen, was vorher so noch nicht wachgerufen zu werden brauchte: Unser Glaube. Wenn Glaube bedeutet: Festhalten an dem, was man nicht sieht; vertrauen auf jemandem, der nicht greifbar ist, weil er weg ist; bauen auf ein Fundament, von dem man nicht weiß, ob es trägt, weil der, der das Fundament ist, Christus, nicht mehr da ist, wenn also das alles „Glaube“ bedeutet, dann ist Himmelfahrt das Fest dieses Glaubens. Jetzt, wo der Herr weg ist, der Beweisbarkeit entzogen, der Sichtbarkeit entzogen, jetzt schlägt die Stunde des Glaubens, der Hoffnung, des Vertrauens und des Loslassens. Ja, auch des Loslassens: Wir können Christus nicht immer für uns proklamieren, ihn als äußersten Nothelfer dann doch wieder für unsere Interessen einspannen und sozusagen aus der Unsichtbarkeit in die Beweisbarkeit holen. Nein, wir haben in Treue und Glauben unseren Weg zu gehen. Allein der Glaube holt ihn in unser Leben, nicht sein sichtbares Eingreifen. Damit einher geht nun ein zweiter Aspekt:


3. Es ist der Schmerz über den Verlust. Jetzt, wo er weg ist, erfahren die Jünger etwas, was seitdem immer wieder gläubige Menschen erfahren: Herr, wo bist du? Wo bist du in meinem Leben? Wo warst du gewesen, als es uns schlecht ging? Wo bist du im Sterben und im Tod? Wo bist du, wenn ich nicht mehr glauben kann? In diesen Fragen kommt aufs Äußerste das zum Ausdruck, was Himmelfahrt auch meint: Einen wirklichen Verlust. Ein wirkliches Loslassen des Herrn in den Himmel hinein. Wolken verhüllen ihn: Wolken unserer Angst, Wolken unserer Not, Wolken unsere Zweifel. Und wir dürfen die Wolken nicht mehr wegschieben. Eine Wolke hat ihn ihren Blicken entzogen. Christus loslassen. Himmelfahrt ist auch das Fest des uns entzogenen Herrn und das Fest der Erfahrung der Gottesferne. Wir rechnen nicht mehr mit seinem Eingreifen; wir haben die Erfahrung gemacht, dass er nicht mehr da ist und dass die Welt ihren Lauf, auch schrecklichen Lauf nimmt, und dennoch glauben wir und vertrauen wir. Wie kann das möglich sein? Und damit kommen wir zum dritten Aspekt, den Himmelfahrt für uns bedeuten kann:


4. Er ist weg – ja -, aber er ist weg, weil er nicht mehr hier sein braucht. Am Kreuz hat Christus ein Wort gesprochen, das alles aussagt: „Es ist vollbracht“. Gemeint ist damit das Versöhnungwerk Christi. Er ist gekommen, Gott und Mensch zu versöhnen, Himmel und Erde unwiderruflich zu verbinden, die Trennung von „natürlich“ und „übernatürlich“ aufzuheben in ein reines Dasein aus der Gnade, aus dem Beschenktsein mit göttlicher Fülle. Deshalb braucht er nicht mehr hier zu sein. Sein Werk ist vollbracht. Und unser Glaube greift nicht ins Leere, sondern unser Vertrauen bezieht sich genau darauf, dass wir sagen: „Du, Herr, hast das Werk vollbracht – auch wenn ich es manchmal so wenig spüre. Du, Herr, hast die Erde mit dem Himmel unwiderruflich verbunden. Daran glaube ich, auch wenn du weg bist, dass mein Leben und das Leben der Menschen und das Leben der ganzen Schöpfung mit dir versöhnt ist. Du kannst ruhig wegbleiben, denn ich weiß, dass wir mit dir so versöhnt sind, dass du in uns und wir in dir sind. Geheimnisvoll. Doch wirklich.“


5. An diesem Punkt müssen wir nun aufhören. Denn der nächste Punkt, der jetzt käme, der kommt an Pfingsten. Dort werden wir mit Heiligen Geist ausgestattet, d.h. die Kirche darf nicht stehenbleiben, wo sie jetzt steht, beim Glauben an das Erlösungswerk Christi. Sie wird durch Pfingsten aufbrechen müssen, das Erlösungswerk sichtbar zu machen in dieser Welt und die Versöhnung zu verkünden und zu bringen. Der Herr ist weg – ja, aber um Raum und Freiheit zu schaffen für seine Kirche, die jetzt dran ist. Es ist vielleicht wie bei Eltern, die einmal ihre Kinder loslassen müssen, damit sie selbstständig durchs Leben gehen. Der Herr ist weg, er entlässt uns in die Freiheit, damit wir selbstständig nun sein Werk fortsetzen.

Franz Langstein

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