03.01.2016

Predigt am 2. Sonntag der Weihnachtszeit C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Dass war am 2. Sonntag der Weihnachtszeit das gleiche Evangelium hören wie an Weihnachten, also im Festgottesdienst vom 25.12., kann durchaus als eine Art Echo von Weihnachten aufgefasst werden. Nochmal will die weihnachtliche Botschaft in unserem Herzen Widerhall finden. Und ich möchte in diese Predigt einsteigen mit einem Hinweis auf ein Buch, das die Tochter meines Cousins geschrieben hat – ganz unter dem Eindruck stehend, den sie hatte, als sie für ein Jahr nach Peru ging; „Schlaflos in der Regenzeit“ heißt das kleine Büchlein. Von ihren Eindrücken nach nur vier Tagen in Lima schreibt sie: „Alles ist anders: fremd, spannend und herausfordernd; beängstigend, irritierend und bedrückend. Dieses Gefühlsgewirr lässt bereits nach wenigen Tagen Faszination und einen Rausch für die Stadt aufkommen. Wie ein Kleinkind, das die Geschehnisse der Welt zum ersten Mal betrachtet, nehme ich neugierig und gleichermaßen entsetzt jedes Bild in mich auf.“ Und dann schildert sie, wie sie den Daheimgebliebenen von ihren Eindrücken erzählen möchte. Sie will etwas mitteilen von dem, wovon sie selbst erfüllt ist und was zu einem Teil ihrer selbst geworden ist. Und da bemerkt sie eine Schwierigkeit. Sie schreibt: „Wo halten sich all die Bilder und Klänge auf, sobald sie meinen Mund verlassen haben? Ausgesprochene Worte scheinen für diese Art von Erlebnissen zu flüchtig. Kaum habe ich sie artikuliert, möchte ich sie zurückholen, sie bei mir wissen und bewahren, wie einen Schatz… Würde ich von den Ereignissen ausschließlich erzählen, würde die Luft meine ausgesprochenen Laute unsichtbar durch die Welt tragen.“


2. Diese Zeilen aus dem ausgesprochenen spannend und interessant geschriebenen Büchlein beschreiben etwas, was wir immer wieder auch erfahren. Man möchte jemanden etwas mitteilen, ein tiefes Erlebnis, das einen emotional berührt hat, das einen weitergebracht hat, Leben hat tiefer werden lassen, wachsen und reifen lassen, zur neuen Einsichten geführt hat – allein man hat das Gefühl: Worte reichen nicht aus. Worte transportieren das Innigste, das Eigentlichste, das Persönlichste nicht mit rüber. Deshalb zieht man es manchmal vor zu schweigen. „Ich kann es sowieso nicht rüberbringen“. Vielleicht ist das auch Grund, warum nach den Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs so viele geschwiegen haben. Worte reichten nicht aus, um das Erlebte zum Ausdruck zu bringen. Ein schönes Wort: „Ausdruck“. Mein Eindruck will jetzt umgekehrt zum Ausdruck gebracht werden. Und das scheint nicht mehr 1:1 zu funktionieren.


3. Und ich denke, dass Sie ahnen, warum ich diese Einleitung gewählt habe. Könnte denn Gott seine „Eindrücke“ zum Ausdruck bringen? Wir betrachten ja heute genau diesen Satz des Johannes-Prologs: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Es ist für uns Christen unzweifelhaft, dass wir an einen Gott glauben, der sich offenbart, der sich mitteilt, der nicht in metaphysischer Ferne seiend ist, der nicht allein Geheimnis und unaussprechlich und unnahbar ist, sondern dessen innerste Fülle und dessen innerstes Leben unsre Fülle und unser Leben bedeuten. „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen“. Aber wir können nur an dieser Lebensfülle Gottes teilhaben, wenn Gott sie sich selbst schenkend mitteilt. Wie also könnte Gott, dessen Liebe sich ja immer nach Teilhabe am Geliebten sehnt, - wie also könnte Gott dieser innerste Liebe eine Sichtbarkeit verleihen? Wie könnte Gott seiner verborgenen Lebensfülle eine Stimme geben? Und zwar so, dass das von ihm ausgesprochene Wort nicht einfach als Schall im Raum in der Luft verhallt, sondern so, dass es bleibend sichtbar unter uns aufleuchtet. „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das bekennen wir an Weihnachten: dass sich Gott in diesem Kind, ja nicht nur in diesem Kind, sondern im ganzen Leben dieses Kindes, also auch sein späteres Leben, seine Botschaft, seine Liebe gerade zu den Schwachen und Ausgegrenzten, seine Hingabe, sein Kreuzesopfer, seine Auferstehung, dass in allem sich dieses innerste Wesen Gottes selbst 1:1 ausdrückt. Gottes innerstes Liebesbewegungen zu uns und innerste Lebensfülle für uns drückt sich hier aus.


4. Aber damit allein ist es ja nicht getan. Wie hieß es in dem Büchlein? „Wo halten sich all die Bilder und Klänge auf, sobald sie meinen Mund verlassen haben? Ausgesprochene Worte scheinen für diese Art von Erlebnissen zu flüchtig. Kaum habe ich sie artikuliert, möchte ich sie zurückholen, sie bei mir wissen und bewahren, wie einen Schatz…“ Jedes gesprochene Wort als Offenbarung meines Innersten kommt erst dann an sein Ziel, wenn es das Herz des anderen erreicht, wenn es Aufnahme findet. Sonst möchte man doch das intime Wort am liebsten zurückholen. „Du hast meine Worte nicht verdient. Du verstehst mich überhaupt nicht. Ich erreiche dich gar nicht“, so beklagen wir uns dann. Ein ausgesprochenes Wort darf nicht einfach in der Luft hängen, es muss das Herz erreichen. Und wenn Gott sich so ausspricht, dann kommt dieses Wort erst an sein Ziel, wenn es unser Herz erreicht. Vielleicht hat Gott sich deshalb in einem Menschen ausgesprochen, dessen Anfänge ja die Baby- und Kinderjahre sind, weil es uns am leichtesten fällt, Kinder ins Herz zu schließen. Sie kennen den berühmten Spruch von Angelus Silesius: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, aber nicht in Dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren.“


5. Normalerweise geht man jetzt draußen wieder zur Tagesordnung über. Obgleich noch lange kein Weihnachten war, hat man schon alles weihnachtlich geschmückt. Jetzt wäre die Weihnachtszeit; man ist aber schon zum Alltag übergegangen. Das kann es nicht sein. Vielleicht wird gerade deshalb heute nochmals das Evangelium von Weihnachten verlesen. Es will widerhallen in unsren Herzen und unser Leben prägen. Wenn Gott so in einem Wort sein Innerstes ausspricht, dann kann der Mensch nicht so tun, als wäre da nichts gesagt worden. Ein Wort kommt erst zum Ziel, wenn es das Herz erreicht, wenn es aufgenommen wird. „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“. Jetzt erst, wo das Wort uns verwandelt zu neuem Leben, zum Leben der Gotteskindschaft, erreicht es sein Ziel. Das Wort muss uns immer neu berühren, immer neu von uns verinnerlicht werden, zu Herzen gehen.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
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