01.11.2016

Predigt an Allerheiligen 2016

Lk 19,1-10


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute Allerheiligen feiern, wenn wir also, wie es die Gebete der Kirche zum Ausdruck bringen, „das himmlische Jerusalem“ schauen, wenn wir also die Schar der Heiligen betrachten, dann können wir uns durchaus wiederfinden in dem Satz, den wir gerade in der ersten Lesung gehört haben: „Danach sah ich, Johannes: Eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.“ Ja, diese große Schar schauen wir heute. Mit dem inneren Auge. Mit gläubigem Herzen. Und hier in der Kugelkirche schauen wir sie nicht nur mit dem inneren Auge, sondern auch mit unseren äußeren Augen: Hier vorne im Altarschrein. Wir schauen, wie Johannes in der ersten Lesung, eine große Schar der Heiligen. Sie trugen Palmzweige in den Händen.   So z.B. von Ihnen aus gesehen unten rechts die heilige Margarete. Sie trägt einen Palmzweig. Margarete von Antiochien, eine altrömische Märtyrerin. Sie starb unter Kaiser Diokletian, weil sie ganz für Christus leben wollte und nicht bereit war, einen römischen Präfekten zu heiraten. Ganz unten in der Predella finden wir weitere altrömische Märtyrerinnen: von rechts nach links: Die heilige Katharina von Alexandrien, mit einem Buch in der Hand als Zeichen ihrer Gelehrsamkeit und Weisheit (sie passt besonders zur Kugelkirchengemeinde). Sie starb unter Kaiser Maxentius, im 4. Jahrhundert, weil sie sich weigerte, dem Kaiser zu opfern. Maxentius war erstaunt über ihren Mut und ihre Weisheit. Er ließ seine besten Philosophen holen, um Katharina vom Glauben abzubringen. Aber, so wird berichtet, sie vermochten nichts ihrer Weisheit entgegenzusetzen. Neben ihr die heilige Agatha mit Zange, das Werkzeug ihrer Folterung, daneben mal keine Märtyrerin, die hl. Elisabeth, die ganz für die Armen und Kranken lebte, obgleich sie als Königstochter hätte ganz anders leben können. Mit der hl. Cäcilia und der hl. Agnes haben wir weitere Märtyrerinnen. Beide starben unter der Verfolgung durch Kaiser Diokletian. Wir haben einige Jünger Jesu, wie Petrus mit dem Schlüssel, Johannes mit dem Kelch,   Thomas mit der Lanze und Bartholomäus mit dem Messer. Und ganz oben links haben wir noch eine sehr interessante Figur, dunkelhäutig, weil er aus Oberägypten stammt: der hl. Mauritius. Es wird berichtet, dass er Soldat war und der „thebaischen Legion“ angehörte. Unter Kaiser Maximian kam es zu Auseinandersetzungen und kriegerischen Scharmützeln. Einmal standen sich Truppen gegenüber, in denen auf beiden Seiten Christen dienten. Mauritius verweigerte den Kampf, mit ihm einige seiner Gefährten. Daraufhin ließ der Kaiser zunächst jeden zehnten Soldaten hinrichten, um die anderen zum Kampf zu zwingen. Als dies nichts nutzte, ließ er die Truppen weiterhin durch Hinrichtungen dezimieren. Unter ihnen Mauritius und seine Gefährten. Der Ort, an dem das Martyrium stattfand, liegt heute in der Schweiz und trägt seinen Namen. St. Maurice, östlich vom Genfer See. „Danach sah ich, Johannes: Eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.“ Ist das nicht herrlich sinnfällig in unserer Kirche?

 

2. Und man möchte fragen, wie einer der Ältesten, von dem Johannes schreibt: „Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen und woher kommen sie?“ Ja, wer sind sie, diese Heiligen. Ich denke, es ist vollkommen klar, dass wir die Heiligen ohne Gott überhaupt nicht verstehen können. Erst unter der Wirklichkeit Gottes wird ihr Leben verständlich. Wer also sind diese? Womöglich könnten wir so antworten: Die Heiligen sind Menschen, die mehr oder weniger sich der Angst bewusst sind, dass die materielle Welt und die sichtbare Welt und das rein irdische Leben sie nicht glücklich macht, dass sie sozusagen umsonst leben. Sie haben den Geschmack einer anderen Wirklichkeit verkostet, der Wirklichkeit Gottes, und dies Geschmack viel köstlicher ist als der Geschmack dieser Welt. Und sie sind von dieser Wirklichkeit ergriffen. Diese Wirklichkeit ist für die Heiligen eine „überwältigende“ Wirklichkeit des Heiles und der Liebe und des Lichtes. Es ist wohl nicht so, wie bei vielen Menschen, - wohl auch bei mir -, dass Gott meinen Alltag sozusagen „garniert“, ihn verschönert oder sinnvoll macht, sondern bei den Heiligen ist Gott die eigentliche Wirklichkeit. Sie wissen, dass der Mensch in seiner Existenz ausgespannt ist zwischen Himmel und Erde, dass er Kind der Erde und Kind Gottes ist, Kind der Natur und Kind der Gnade. Der Mensch lebt in der Welt und in Gott. Und von dieser göttlichen Seite ihrer Existenz waren sie ergriffen. Daher ihr sonderbares Leben: Die freiwillige Armut, der Hang zum Tod, zum Martyrium, ihr mitunter unverständliches Verhalten, wie z.B. bei Mauritius und seinen Gefährten. Christen kämpfen nun mal nicht gegen ihre Brüder und Schwestern. Wie weit sind wir davon entfernt! Wir können all das nur verstehen, wenn die Wirklichkeit Gottes ganz groß in unser Leben Einzug gehalten hat und wir von dieser Wirklichkeit ergriffen sind. Es geht nicht um ein intellektuelles Fürwahr halten Gottes, sondern um existentielle Ergriffenheit.

 

3. Vielleicht darf ich es wagen, das mit einem Menschen zu vergleichen, der sich auf das Sterben vorbereitet? Von Karl Rahner stammt dieser Gedanke, den ich hier einfach zitieren möchte, weil er besser nicht in Worte zu kleiden ist: „… wenn alles nach tödlichem Schweigen tönt, wenn alles den Geschmack des Todes und des Untergangs erhält, oder wenn alles wie in einer unnennbaren, gleichsam weißen, farblosen und ungreifbaren Seligkeit verschwindet, dann ist in uns faktisch… der Heilige Geist am Werk. Dann ist die Stunde seiner Gnade. Dann ist die scheinbar unheimliche Bodenlosigkeit unserer Existenz, die wir erfahren, die Bodenlosigkeit Gottes, der sich uns mitteilt, das Anheben des Kommens seiner Unendlichkeit. Wenn wir losgelassen haben und uns nicht mehr selbst gehören, wenn wir uns selbst verleugnet haben und   nicht mehr über uns verfügen, wenn alles und wir selbst wie in eine nun endliche Ferne von uns weggerückt sind, dann fangen wir an, in der Welt Gottes selbst, des Gottes der Gnade und des ewigen Lebens zu leben.“ Ich glaube, so könnte es sein. Wenn uns einmal ganz und gar die Wirklichkeit Gottes ergreift, weil uns eine andere nicht mehr trägt. Dass auch für uns die Stunde der Gnade kommt, in der nur noch die Wirklichkeit Gottes zählt. Dann haben wir eine Ahnung, was es heißt, heilig zu sein.

 

4. Solange aber sind uns zumindest die Heiligen für uns wie ein kostbarer Schatz. Sie sind Zeugen. Sie künden uns von dieser anderen Wirklichkeit, von der wir auch ergriffen werden zu unserem Heil und zu unserer Rettung. Deshalb sind uns die Heiligen ein ganz kostbarer Schatz der Kirche. „Danach sah ich, Johannes: Eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.“

Franz Langstein

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