31.05.2015

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute den Dreifaltigkeitssonntag begehen und somit Gott als den Dreifaltigen bekennen, dann mag vielleicht so mancher denken: „Was geht mich das an! Welche Rolle soll das schon für meinen Glauben spielen! Ein Gott, drei Personen und ein Wesen. Verschieden und doch wesensgleich. Das ist was für Theologen. Die müssen das irgendwie wissen und erklären, mich interessiert das nicht so.“ Und dann schlussfolgert man für sich: „Für mich ist der Glaube an Gott wichtig. Ob da nun Gott dreifaltig ist, will ich ja gar nicht abstreiten. Da wird schon was dran sein. Aber für mich ist der Glaube an Gott wichtig; und ich weiß mich von Gott geliebt und will auf diese Liebe durch mein Leben antworten und dieser Liebe entsprechen. Das reicht mir“. Und ich muss sagen: Wenn wirklich jemand so denkt, dann reicht das wirklich! Mehr braucht es nicht. An Gott zu glauben, von ihm sich geliebt und angenommen zu wissen und dieser Liebe und Annahme durch Gott zu entsprechen durch unser Leben. Das genügt. Und warum genügt es?


2. Es genügt deshalb, weil bei genauerer Betrachtung in diesem Glauben schon stillschweigend und unbewusst Gott als der Dreifaltige vorausgesetzt und bekannt wird. Dieser Glaube funktioniert nur, weil Gott dreifaltig ist. Wenn jemand sagt: Mir genügt es an Gott zu glauben, dann glaubt er an ein Wesen, das verborgen, machtvoll, heilig, nicht von der Welt ist. Und wenn da jemand sagt, dass er daran glaubt, dass dieses Wesen liebt, woher kann er das wissen? Das weiß er, weil dieses Wesen sich ganz und gar ausgesprochen hat in Jesus Christus. „Das Wort ist Fleisch geworden.“ Dieses verborgene Wesen hat sich selbst mitgeteilt. In Christus. Am Leben Jesu war wirklich abzulesen, wie Gott ist. Weshalb wenig später es im Johannesbrief heißen kann: „Gott ist die Liebe“. Wenn also jemand sagt, dass Gott liebt, dann setzt er stillschweigend diese Selbstmitteilung Gottes in Christus voraus. Er setzt dieses tief verborgene Wort in Gott, das nach außen getreten ist, voraus. Und wenn er dann noch sagt: „Weil Gott liebt, will ich mit meinem Leben dieser Liebe entsprechen und antworten“, und wenn er das wirklich tun will in realistischer Weise, dass er doch nicht meint, er könne dies aus eigener Kraft, sondern er könne dies nur, wenn Gottes Kraft selbst in ihm das Gute wirkt und vollbringt, dann setzt er die Kraft Gottes, den Heiligen Geist, voraus, der in uns wirkt. Wenn also die Antwort auf Gottes Liebe nicht so sehr seine eigene Leistung ist, auf die er stolz sein könnte, sondern wenn er die Antwort immer im Wissen auf seine Unzulänglichkeit, mit „Furcht und Zittern“, sozusagen lebt, dann weiß er, wie sehr er auf Gnade angewiesen ist, auf die Kraft des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist, der in uns betet und in uns wirkt.


3. Wenn also jemand so ganz schlicht glaubt und sagt: Ich glaube an Gott, von dem ich mich geliebt weiß und dem ich deshalb mit meinem Leben antworten will, hat er schon unbewusst bekannt: Gott ist dreifaltig. Gott ist der, an dem glaube, das unaussprechliche Geheimnis, der ganz andere; Gott ist der, der sich offenbart hat in Christus, weshalb ich sagen kann, dass Gott die Liebe ist; Gott ist der, der in mir das Wollen wirkt und vollbringt, weshalb ich nicht so sehr auf meine eigene Leistung vertrauen muss als vielmehr auf die Gnade. Vater, Sohn, Heiliger Geist. Ein schlichter einfacher Glaube, der nicht viel von Gott als den Dreifaltigen verstehen muss und nachvollziehen muss, aber dennoch, indem er so glaubt, diesen unbewusst bekennt.


4. Und noch etwas muss gesagt werden, wenn jemand so schlicht und doch gleichzeitig so ernsthaft und ehrlich glaubt. Er bekennt damit nicht nur Gott als den Dreifaltigen, er bekennt auch, - und das auch mitunter unbewusst -, dass Gott alles in allem ist und entscheidend für das je eigene Leben. Denn dieser schlichte Glaube sagt nämlich: Gott ist der Urgeheimnis, vor aller Schöpfung und Schöpfer. Alles ist von ihm, dem Urquell des Lebens. Nichts ist ohne ihn. Und dieser Glaube sagt zweitens: Gott hat deshalb die Schöpfung geschaffen, um sich diesem Gegenüber, dieser Schöpfung mitzuteilen und sich als Liebe zu erweisen, und zwar so sehr, dass unser Leben sozusagen heimgeholt ist in Gottes Geheimnis, also unser Leben Rettung und Erlösung erfahren hat durch Christus. Liebe bedeutet immer Totalannahme. Und drittens sagt dieser Glaube: Und dass wir nun zum Ziel gelangen, um dessentwillen wir eigentlich sind und erschaffen wurde, auch das ist noch Gottes Tat im Heiligen Geist. Denn allzu leicht könnten wir das Ziel verfehlen. Somit ist Gott alles in allem: Gott als Schöpfer, Retter und Vollender. Also reicht es in der Tat vollkommen aus, so ganz schlicht und gerade deshalb ganz tief und ernst zu sagen: ich glaube an Gott, und glaube, dass Gott mich liebt, und will durch mein Leben Gottes Liebe Antwort geben. Und die Theologen lassen wir weiterhin über die Dreifaltigkeit nachdenken und spekulieren.

Franz Langstein

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Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe