29.11.2015

Predigt am Christkönigssonntag B15

Joh 18,33b-37


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Da stehen wir also wieder im Advent. Wie immer zu früh waren schon unsre Innenstädte und Geschäfte auf die Vorweihnachtszeit eingestellt, aber was soll’s: jetzt gilt’s. Der Advent ist da. Der Advent, das ist ja eigentlich eine kirchliche Zeit, die deshalb auch in der Kirche liturgisch begangen wird. Deshalb sind wir hier. Auch weil ahnen oder wissen: Hier ist das Original. Hier wird wirklich der Advent gefeiert und in den Mittelpunkt gerückt. Ohne kommerzielle Absichten, ohne Kitsch und Oberflächlichkeit. Hier wird der Adventszeit gedacht, wie sie wirklich ist und was sie bedeuten soll. Und: Was das für das Leben bedeutet! Deshalb sind wir hier.


2. Und der Advent beginnt mit einem Paukenschlag: „Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen, denn die Kräfte des Himmel werden erschüttert.“ Dieser Text des 1. Advents lässt zunächst keine vorweihnachtliche Stimmung aufkommen. Aber in der Tat: Die kirchliche Adventszeit ist ambivalent. Einerseits ist sie sehr wohl Vorbereitung auf Weihnachten, auf die Geburt des göttlichen Kindes; andererseits aber lenkt sie auch unsere Gedanken und Herzen zur Erwartung der zweiten Ankunft des Herrn am Ende der Zeiten. Und beides, erste und zweite Ankunft, entfaltet der Advent in den kommenden vier Wochen. Und beides ist nichts völlig Verschiedenes, sondern gehören zusammen und bedingen einander. Man müsste sagen: Die liturgische Dramaturgie der Adventszeit beruhigt sich nicht einfach damit, dass wir dann am Ende ein liebliches Kind in der Krippe vorfinden, sondern weil wir hier in diesem Kind den Einbruch des Göttlichen in unsere Welt haben, werden wir diese Begegnung mit dem Göttlichen am Ende der Zeiten schauen dürfen.


3. Und genau damit ist etwas sehr Tiefes über den Menschen ausgesagt. Das Tagesgebet hat es formuliert: „Hilf uns, dass wir Christus entgegengehen“. Das ist hier als Bitte formuliert. In den alten lateinischen Messbüchern steht es aber etwas anders: „Christo tuo venienti occurrentes“. Also: „Wir sind deinem kommenden Christus Entgegeneilende.“ Das ist keine Bitte, sondern eine Aussage: die Hauptaussage des Advents über uns Menschen: Wir sind Christus Entgegeneilende. So wie sich Gott gewissermaßen beeilt hat, bei den Menschen anzukommen, und er dies an Weihnachten hat sichtbar hat werden lassen in seinem Sohn Jesus Christus, so eilen wir nun Gott entgegen als dem Ziel unseres Lebens, als dem Ziel am Ende der Zeiten. „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen“. Seit Christus in unser Dasein eingebrochen ist, können wir Gott nicht mehr verfehlen. Wir sind ihm Entgegeneilende.


4. Wobei der Begriff „Entgegeneilende“ keine Übertreibung ist. Kommt’s uns nicht manchmal so vor, wie schnell die Zeit vergeht? Wir sind oft so eingebunden in Familie, Beruf, Aufgaben, Verantwortung und vieles mehr. Vieles ist uns so wichtig und nimmt uns in Beschlag. Und nun heißt es: Sonne, Mond und Sterne werden erschüttert. Diese Fixpunkte des Himmels, das, was als Unerschütterlich gilt, gerät ins Wanken. So ist es doch auch: Wo der Mensch sich begreift als Christus Entgegeneilender, da relativiert sich vieles. Da gibt es keine absoluten Fixpunkte des Lebens. Er weiß um die Vorläufigkeit der Dinge; damit werden sie nicht unwichtig – im Gegenteil, sie erhalten ihre eigentliche Bedeutung: Sie sind nicht das Letzte, das Wichtigste, das Absolute. Wir können gelassener damit umgehen; wir können loslassen lernen. Der Advent ist so gesehen auch ein heilsame Zeit, der die Maßstäbe wieder zurechtrückt.


5. Das ist der kirchliche Advent, das Original. Es führt uns in die tiefe Bedeutung unseres Lebens, wie es im Angesicht Gottes zu sehen ist. Und die Liturgie des Advents will uns dies als festliche memoriam, als Vergegenwärtigung, immer neu ins Bewusstsein rufen. Wir sind Christus Entgegeneilende.

Franz Langstein

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