27.12.2015

Predigt am Fest des Apostels und Evangelisten Johannes



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das Schöne an unserer katholischen Kirche ist ja, dass sie eine enorme Integrationskraft hat. Menschen aus allen Kulturen, Sprachen, Schichten finden Heimat in ihr. Und der Rechtsaußen gehört genau zur katholischen Kirche wie der Linksaußen. Und alle Kulturen und Mentalitäten bringen sich ein und bringen auf je ihre Weise den Glauben zum Ausdruck. Und eine unüberschaubare Fülle an Glaubenszeugnissen prägt diese Kirche. Von großen Theologen mit ihren Schriften, die man kaum versteht, bis hin zum einfachsten Brauchtum. Von der großen Kunst wie das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach oder die großen Brucknermessen bis hin zu einfachsten Liedern, die jeder trällert. Von den Gemälden eines Raffael bis hin zu kleinen Bildern, gemalt von Kindern bei Kindergottesdiensten. Und es sind nicht immer nur die großen Dingen, die großen Kunstwerke, die großen theologischen Schriften, es sind oft auch die kleinen Brauchtümer und die volksnahen Traditionen, die viel zum Ausdruck bringen. So haben sich immer wieder um die Feste Brauchtümer gebildet. Nehmen Sie was sie wollen: Krippe an Weihnachten, Ostereier an Ostern, große Prozessionen an Fronleichnam.


2. Auch das heutige Fest, Johannes der Evangelist, kennt ein schönes Brauchtum. Ein sehr schönes sogar: Die Segnung des Weines, deshalb, weil er am heutigen Fest gesegnet wird, auch Johanniswein genannt. Und – das gehört freilich dazu, ist sozusagen ein Vorgang – dass man den gesegneten Wein auch anschließend trinkt. Die Segnung des Johannisweins lässt sich bereits im Mittelalter nachweisen und geht zurück auf eine Legende. Danach hat ein Götzendiener namens Aristomedus, ein ziemlich übler Typ, dem Evangelisten Johannes einen Becher giftigen Weins gereicht und gesagt, dass er Christ werden würde, wenn Johannes den Giftbecher trinkt und den Trunk überlebt. Johannes wiederum dachte sich: „Wenn das so einfach ist, einen Menschen zum Christen zu machen, dann trinke ich den Wein.“ Johannes machte ein Kreuzzeichen über den Wein und da fuhr das Gift in Gestalt einer Natter aus dem Wein; Johannes trank den Wein und überlebte. Alle Ungläubigen waren entsetzt und erschüttert. Deshalb wird Johannes oft mit dem Kelch darstellt, aus dem eine Schlange hervorgeht.


3. Diese Sage ist ohne Zweifel der Ursprung des Festes. Und damit ist zum einen gesagt: Der Wein auch als eucharistisches Zeichen des Blutes Christi nimmt alles Gift hinweg. Alle Sünde, alles, was Leben vergiftet, was das Miteinander vergiftet. In den eucharistischen Gaben wird die Menschheit zur neuen Gemeinschaft mit Christus und untereinander zusammengefügt. Und zum anderen wird noch etwas deutlich, wenn wir den Trinkspruch hinzufügen, der an diesem Tag Verwendung findet. Kein ordentlicher Schluck Wein ohne Trinkspruch: „Trinke die Liebe des heiligen Johannes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. „Die Liebe des heiligen Johannes“, damit knüpft die Weinsegnung an eine noch viel ältere Tradition an, an das sogenannte Minnetrinken. Es geht ursprünglich sogar auf vorchristliche Zeit zurück. Man trank symbolisch den Wein beim Abschied, bei längerer Abwesenheit durch Verreisen, auch als Abschiedstrank vor dem Tod. Die Weintrinkenden wurden so verbunden. Der Wein als Ausdruck von Verbundenheit. Kann es eine stärkere Verbundenheit geben als die Liebe? „Trinke die Liebe des Johannes“. Damit ist eben auch der Wunsch verbunden, dass wir in Liebe verbunden sind. Deshalb heißt es bei der Weinsegnung: „Segne diesen Wein, den wir zu Ehren des heiligen Apostels Johannes trinken. Lass uns erfahren, dass du der Gott bist, der die Herzen der Menschen froh macht und Gemeinschaft stiftet.“


4. Man braucht also nicht immer die große Theologie, um den Glauben zu vertiefen. Trinken wir heute einen Schluck gesegneten Weins und trinken wir die Liebe des Johannes. Das wird für heute genügen.

Franz Langstein

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