25.10.2015

Predigt am 29. Sonntag B15

Weltmissionssonntag


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich will den heutigen Missionssonntag dazu nutzen, um etwas Wesentliches unseres Glaubens neu in Erinnerung zu rufen und bewusst zu machen. Wir haben vorhin in der ersten Lesung gehört, wie der Prophet Jeremia dem in alle Winde zerstreuten und gefangenen Volk verheißt: „Ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle sie von den Enden der Erde. Als große Gemeinde kehren sie hierher zurück“. Darin drückt sich der feste Glaube aus, dass Gott sein Volk nicht verlässt, dass er es immer neu sammelt und dass am Ende der Zeit alle Menschen unter Gottes Liebe versammelt sind. Diese Überzeugung drückt sich auch in der Inschrift auf der Marburger Synagoge aus: „Mein Haus wird ein Haus des Gebetes sein für alle Völker“. Und auch Jesus ist gekommen, um das Gottesvolk neu zu sammeln. Allein schon, dass er zwölf Jünger auswählte, war eine symbolische Handlung für die zwölf Stämme Israels.


2. Und nun machten die ersten Christen die Erfahrung, dass sich tatsächlich – wie sie glaubten – am Ende der Zeiten die Menschen zu einer neuen Gemeinschaft zusammenfanden. Aus allen Ländern und Völkern, aus allen sozialen Schichten, aus allen Religionen, „Juden und Griechen“, wie Paulus es nannte, kamen sie zusamen; alles, was Menschen trennte und einteilte, zählte nicht mehr. Es wuchs eine Gemeinschaft zusammen als Brüder und Schwestern. Dies war eine so starke Erfahrung, dass man davon überzeugt war, dass genau dieses Zusammenwachsen zu einer neuen Gemeinschaft die Erfüllung der alten Verheißungen war und dass dies somit zum Wesensmerkmal der Kirche gehört. Und man suchte nach einem Begriff, der diese Wesenseigenschaft beschreibt und fand den Begriff „Katholisch“, das, was ein Ganzes bildet; zusammen, in eins. Allumfassend. Und bereits am Ende des zweiten Jahrhunderts findet sich der Begriff „katholisch“ im Zusammenhang mit der Kirche. Und nur wenig später wird es im Glaubensbekenntnis heißen: „Ich glaube an die eine heilige katholische Kirche“. Und ich denke, Sie spüren, dass diese Bezeichnung „katholische Kirche“ keine Konfession meint, denn dann hieße es ja: „römisch katholische Kirche“, sondern „katholisch“ meint hier die Wesenseigenschaft der Kirche. Katholizität ist das Wesen der Kirche, weil sie aus allen Völkern und Nationen, aus allen sozialen Schichten Menschen zusammenführt zu einer neuen Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die an Gott glauben. Katholizität ist also überhaupt nichts Enges, sondern was ganz Weites. Es widerspricht also der Katholizität der Kirche – und das hat das Zweite Vatikanische Konzil deutlich zum Ausdruck gebracht – wenn Menschen, die getauft sind, ausgeschlossen sind. Die Katholizität umfasst also alle Getauften. Und so lange das nicht verwirklicht ist, ist auch die Katholizität in ihrer Fülle nicht verwirklicht.


3. Wenn also die Katholizität der Kirche zu ihrem Wesen gehört, dann ist katholisch sein eine Eigenschaft, die nur in Beziehung und nur in Gemeinschaft gelebt werden kann. Ein Christ, der nur seine Seele retten will und nur für sich christlich sein will und der im Gottesdienst für sich schöne Gefühle haben will, hat von der Katholizität der Kirche nichts verstanden. Katholizität ist ein Begriff, der Gemeinschaft meint.


4. Und jetzt kommen wir endlich zum Missionssonntag. Weil der Begriff „katholisch“ Gemeinschaft meint, sind wir auch nur dann wahrhaft katholisch, wenn wir andere Menschen im Blick haben. Denn in der Katholizität drückt sich ja der Wille Gottes aus, alle Menschen unter die Liebe Gottes zu sammeln als neue Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern in Gerechtigkeit und Frieden. Diese missionarische Bewegung gehört zum Wesen der Katholizität. Wir dürfen das niemals vergessen: Ich bin nicht katholisch für mich, damit ich in den Himmel kommen. Ich bin auch nicht nur katholisch hier für die Leute in der Kugelkirche. Ich bin noch nicht einmal nur katholisch für die Christen Marburgs oder Deutschlands; ich bin katholisch und gehöre einer weltweiten Gemeinschaft an von Brüdern und Schwestern und es darf mich nicht kalt lassen, wie es den anderen am Ende der Welt geht. Genau darauf macht uns jedes Jahr der Weltmissionssonntag aufmerksam und bittet um Hilfe. Diese Sorge um andere, diese Verantwortung für andere ist ein Wesensmerkmal der Katholizität, ja ist Herausforderung und Aufgabe der Katholizität. Und es ist schön und gut, dass sich auch in unserer Gemeinde Menschen finden, die sich diesen Herausforderungen stellen.

Franz Langstein

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
36037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr

 

Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe