24.05.2015

Predigt an Pfingsten B 15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes, das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes. Anschaulich wird es in der Heiligen Schrift geschildert: Feuerzungen und Sturmesbrausen. Wirkmächtigkeit kommt damit zum Ausdruck: Und tatsächlich – die verängstigten Jünger öffnen die Türen und Fenster, hinter denen sie sich verschanzt hatten und beginnen, die Botschaft Jesu zu verkünden. Vor allen Leuten.


2. Sicherlich haben wir hier schon einen Hinweis auf den, den wir Heiligen Geist nennen und dessen Fest wir heute feiern. Wenn wir vorm Heiligen Geist reden, dann sind wir in der Gefahr, dass wir uns etwas Nebulöses, Geisterhaftes, nicht weiter Fassbares vorzustellen hätten. Aber sagen wir doch mal ganz einfach das, was auch unser christlicher Glaube durch die Lehre der Dreifaltigkeit sagt: Der Heilige Geist ist Gott. Nicht etwas neben Gott, auch nicht etwas von Gott, sondern Gott selbst. Dann müsste man doch sagen: Der Heilige Geist ist somit die nach außen tretende Wirkmächtigkeit Gottes; hier in den Bilder von Sturmesbrausen und Feuerzungen geschildert. Und die Wirkungen sind sofort ablesbar an dem, dass die verängstigten Jünger sofort öffentlich verkünden. Der Heilige Geist, so können wir durchaus sagen, ist somit die Wirkmacht Gottes, die nach außen tretende Liebe Gottes, die nicht ohne Wirkung bleibt.


3. Das ist auch schon im Alten Testament durchaus so. Am Schöpfungsmorgen schwebte der Geist Gottes über dem Wasser. Im Buch der Weisheit ist vom „Geist des Herrn“ die Rede, der den ganzen Erdkreis umfasst und das All erfüllt. Und die berühmte Ankündigung eines Sprosses aus dem Stumpf Isais, auf dem der „Geist des Herrn ruht, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“ Oder die Ankündigung Gottes im Buch Ezechiel: „Ich will meinen Geist in euer Inneres geben und bewirke, dass ihr nach meinen Satzungen wandelt.“ Gott erweist sich in seinem Geist und durch seinen Geist als wirkmächtiger Gott. Der Heilige Geist sozusagen als der nach außen tretende und wirkende Gott. Das ist auch deutlich ablesbar an der heutigen Pfingsterzählung: Feuer und Sturm hinterlassen bei den Aposteln doch ganz schöne Wirkungen.


4. Natürlich kommt dann gleich die Frage auf: Ja, wo wirkt Gott denn heute? Wo ist die Wirkmacht des Heiligen Geistes, also die Wirkmacht Gottes heute spürbar, erfahrbar, sichtbar? Ich glaube, es tut in dem Zusammenhang gut, uns tatsächlich immer wieder bewusst zu machen, zu welchen Zweck und Ziel Gottes Geist wirkt und handelt. Und da kann es doch im Gesamtzusammenhang dessen, was menschliches Leben ist und wozu es da ist, nur eine einzige Antwort geben: Das Wirken des Heiligen Geist zielt auf die Heiligung und Vollendung des Lebens, auf das je einzelne Leben wie auch auf die ganze Schöpfung. Und spätestens hier komme ich nun in einen Bereich hinein, - und das kann sehr tröstend sein -, in dem die Grundhaltung des Glaubens und Vertrauens angefragt ist. Es geschieht in den Tiefen meines Lebens ein Wirken des Heiligen Geistes, das mich voranbringt auf dem Weg der Heiligung und Vollendung. „Gott, der unendlich mehr bewirken kann als wir erbitten“, schreibt Paulus an einer Stelle. Ich kann mich eben nun mal nicht selbst heiligen. Auch die sogenannten „Patentasketen“, wie Karl Rahner einmal diejenigen genannt hat, die ein bestimmtes Pensum an religiösen Übungen und Gebeten und Pilgerungen absolvieren, um sich selbst zu heiligen, werden es nicht können. Vielmehr vollzieht sich die Heiligung des Lebens, wenn man sich nicht ausdrücklich gegen Gott wehrt und sich ihm verweigert, durch unser ganzes Leben hindurch, und zwar in unseren Erfahrungen, Schicksalen, Höhen und Tiefen, Gutem und nicht Gutem, auch durch Schuld… Der Mensch wandert durch das Leben und im Glauben an den in ihm und an ihm wirkenden Gott erfährt er auf seinen Lebenswegen mit den vielfältigen Erfahrungen jene Heiligung des Lebens, die Wirken des Heiligen Geistes ist.


5. Mit anderen Worten: Unser Leben mit all seinen Lebenswegen ist nicht nur eine irdische Angelegenheit; nicht nur eine Sache, die rein natürlich sich abspielt, unser Leben und unsere Lebenswege sind immer auch Wege im Geheimnis der Kraft des Heiligen Geistes, der auch an uns wirkmächtig handelt. Und dass all die Dinge, die uns im Leben widerfahren und denen wir vielleicht keinen Sinn abgewinnen können oder die wir sogar als negativ bewerten würden, vielleicht doch eine ganz tiefe Bedeutung haben, um die wir nicht wissen müssen oder wissen können, aber doch vertrauend sagen: „Wer weiß, wozu es gut ist.“, uns dann doch Gott näher bringen. Geheimnisvoll über unserem Leben wirkt der Heilige Geist, wirkmächtig wie Feuer und Sturm, nur nicht so punktuell, sondern aufs ganze Leben verteilt. Darauf dürfen wir vertrauen, wenn wir den Heiligen Geist am heutigen Tag als die Wirkmacht Gottes bekennen. Und deshalb bekennen wir, dass wir in der Taufe den Heiligen Geist empfangen haben, jene Wirkmacht Gottes, die uns von Anfang des Lebens an zum Ziel führt, zur Heiligkeit und Vollendung.

Franz Langstein

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