23.08.2015

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis B15

Joh 6,60-69


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor einigen Wochen hat die katholische Kirche die Kirchenaustrittszahlen für 2014 bekannt gegeben. Die Zahlen waren sehr hoch. Dies veranlasste die Oberhessische Presse, einen Artikel darüber zu bringen mit der Überschrift: „Der Zerfall der katholischen Kirche“. Und in der Tat: Die Zahl der an der Kirche und am Gottesdienst nicht mehr Interessierten steigt; es werden immer weniger, die mit Kirche und Gottesdienst etwas anzufangen wissen. Die Leute wenden sich ab; freilich: Nicht alle die sich abwenden, wollen mit dem Glauben nichts mehr zu tun haben. Dennoch aber ist es in vielen Fällen so. Und vielleicht kennen wir selbst welche, aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis, aus unserer Gemeinde, die sich abgewendet haben und nicht mehr kommen.


2. Diese Situation gleicht in etwa dem, was wir eben gerade im Evangelium gehört haben: Nachdem Jesus das gesagt hatte, „zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.“ Ja, das ist wohl auch die Situation unserer Tage. Leute ziehen sich zurück. Was kann man dagegen machen? Gibt es Rezepte? Man versucht es: Strukturreformen. Oder die Botschaft Christi soll menschenfreundlicher daher kommen, seichter, annehmbarer, Evangelium als Wellness-Programm, oder Kirche soll bessere Angebote machen, also funktionieren wie ein Unternehmen, das eingespannt ist in die Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage und so weiter. Grundsätze des Glaubens wie Erlösungstod am Kreuz und Auferstehung, Dreifaltigkeit, Sündenvergebung werden weich gespült, bis sie kein Anstoß mehr erregen. Angenommen werden sie deshalb aber auch nicht.


3. Was macht Jesus in der Situation? Er sieht, dass viele ihm nicht mehr folgen. Ändert er seine Strategie? Wird seine Botschaft angenehmer? Nein. Jesus stellt einfach eine Frage an seine Jünger. Aber eine entscheidende, eine alles herausfordernde Frage: „Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?“ Diese Frage konfrontiert die Jünger mit ihrer Freiheit und mit ihrer Entscheidungsverantwortung. „Es liegt an euch! Ihr könnt frei entscheiden. Wollt auch ihr gehen? Überlegt es gut, ob auch ihr meiner Botschaft noch zustimmen wollt. Ob auch ihr mir weiterhin nachfolgen wollt. Wenn ihr es nicht könnt, könnt ihr auch gehen. Also: Wollt auch ihr gehen?“ Vielleicht gab es Zeiten, in denen auch in uns diese Frage ganz lebendig war und uns aufgewühlt hat: Will auch ich gehen? So viele sind ja schon gegangen, warum bleibe ich noch? Welche Gründe habe ich noch zu bleiben? Vielleicht haben wir tatsächlich schon mal mit dieser Frage gerungen oder ringen noch mit ihr. Ich muss ihnen gestehen: Auch ich bleibe von solchen Fragen nicht immer verschont. Zu gehen scheint manchmal leichter zu sein als zu bleiben. Es gäbe viele Gründe zu gehen, nur wenige zu bleiben. Aber kommt es auf die Zahl der Gründe an? Oder kommt es nicht auf das Gewicht an, das die Gründe haben? Weniger Gründe zu bleiben können trotzdem schwerer wiegen als viele Gründe zu gehen.


4. Was machen die Jünger, als Jesus sie gefragt hat, ob auch sie gehen wollen. Petrus, wer sonst, ergreift mal wieder als Erster das Wort und sagt: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Das ist die entscheidende Frage: Welche Alternativen gibt es denn? Wo gibt es denn eine Botschaft, die so umfassend „Worte des Lebens“ sind? Die einen glauben fest an die Macht einer sich selbst regulierenden Marktwirtschaft, andere glauben den Glamour, der von Stars und Sternchen ausgeht, andere glauben nur an sich und dienen ihrer vermeintlichen Selbstverwirklichung, wieder andere schließen sich radikalen Gruppen wie den Salafisten an, und wieder andere sind bereits des Lebens müde und lethargisch geworden und haben resigniert. Sie lassen sich treiben von einer partymäßigen Erregung zur nächsten. Dann gibt es Parolen, Werbeslogans, große Worte, Idole und Ideale, oft leere Worthülsen und am Schluss bleibt die Frage: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Gibt es Alternativen? Freilich: Auch die Kirche hat ihre Schattenseite, ihre Runzeln und Schwächen. Sie müssen hier nicht aufgezählt werden. Uns fiele vieles ein. Aber hat das alles so viel Gewicht im Vergleich zu der Frage, um die es geht: Nämlich um Gott, um Lebenssinn, um eine Botschaft, für die Christus selbst mit seinem Leben eingestanden ist und mit dem Tod bezahlt hat? Um Auferstehung geht es, um Liebe zu den Nächsten, um einen Gott, der unser Leben annimmt und führt bis in die Ewigkeit, um letzte Fragen nach Sinn und Leben. Um all da geht es. Um das Ganze unserer Existenz. Kurz: Es geht in der Tat um „Worte des Lebens.“ Deshalb fährt Petrus fort: „Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“


5. Worte, ewigen Lebens: Ich denke, das ist wohl das Entscheidende. Petrus sagt nicht: „Zu wem sollen gehen? Wir kennen gerade mal nichts Besseres. Bei dir zu bleiben, kann ja nichts schaden.“ Also Petrus erklärt sein Bleiben bei Jesus nicht negativ, weil es eben woanders gerade mal nichts Besseres gibt, sondern kennt einen entscheidenden positiven Grund: „Du hast Worte des ewigen Lebens“. Was sind das für Worte: „Selig, die Barmherzigen, ihnen gehört das Himmelreich.“ „Liebt eure Feinde“, „Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.“ „Wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit“. „Gott ist wie ein überaus liebender Vater, der sich selbst vergisst, als er den verlorenen Sohn aufnahm“.Freilich: Nicht immer eine angenehme Botschaft, keine Wellness. Jesus hat seine Botschaft mit dem Kreuz bezahlen müssen. Aber gerade deshalb, wegen dieses hohen Preises, sind sie so kostbar. In der Tat, es gibt vielleicht einen einzigen Grund zu bleiben, der so schwer gewichtig ist, dass er die anderen Gründe zu gehen, bei weitem überwiegt: „Herr, zu wem sollen wir gehen. Du hast Worte des ewigen Lebens“.

Franz Langstein

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Freitag 18.30 h Heilige Messe