22.03.2015

Predigt am 5. Fastensonntag B15

MISEREOR - SONNTAG

Flüchtlingshilfe

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das mit dem Christentum – oder besser – mit dem Christsein ist schon so eine Sache. Einerseits ist es eigentlich ganz einfach. So einfach, dass man es in die Worte des heiligen Don Bosco fassen kann: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ – also ein einfaches Vertrauen zu haben in Gott und deshalb auch in das Leben, andererseits aber ist in der Tiefe unseres Christseins etwas mitgegeben, das uns begegnet als Anspruch, als Aufgabe, als Sendung. Und wie können wir das immer neu erspüren, erkennen und dem gerecht werden? Kurz: eine Antwort auf die Fragen zu finden: Wer bin ich als Christ? Was soll ich tun? Woran erkennt man uns? Warum wir diese innere Herausforderung spüren oder doch zumindest erahnen – er muss ja nicht immer reflexartig präsent sein - hat tiefe Ursachen. Wir müssen schon ganz früh ansetzen.


2. Zu den großen Errungenschaften der Religionen gehört ohne Zweifel die Erkenntnis oder vielleicht sollte man sagen: die geschenkte Erkenntnis, dass es nur e i n e n Gott gibt. Dies hat sich mit allen Konsequenzen ganz besonders bei den Israeliten ausgeprägt. Allmählich zwar, ein Gott unter vielen, sozusagen der Gott der Götter, dann wurden aber die anderen Götter als Götzen entlarvt. Nur ein Gott, und zwar so, dass seine Unverwechselbarkeit darin besteht, dass man sich kein Bild machen darf. Hätte man sich ein Bild machen dürfen, wäre einer unter vielen Gottesbildern, verwechselbar, austauschbar. Daraus folgte dann die Erkenntnis: Wenn es nur einen Gott gibt, dann kann dieser Gott nicht ein Stammesgott sein für die israelitischen Stämme, dann ist er ein Gott für alle Völker und für alle Menschen. Dieses Bewusstsein drückt sich z.B. aus im Vers aus dem Buch Jesaja, der auch über der Marburger Synagoge steht: „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein für alle Völker“. Oder die große Vision im Buch Tobit: „Von weither werden die Völker kommen, um den Namen des Herrn, unseres Gottes, zu preisen“ Wenn es nur einen Gott gibt, dann ist er ein Gott aller Menschen und Völker. Und wieder ein Schritt weiter: Wenn Gott, der einzige, der Gott aller Völker und Menschen ist, dann heißt das, dass dadurch alle Menschen als Brüder und Schwestern zusammengehören. Es heißt, dass dieser Gott der Vater aller ist und dass es dann unter diesem Gott eine Zusammengehörigkeit aller gibt und wir alle seine Geschöpfe sind. Dieses tief innen sitzende Bewusstsein ist bei vielen Religionen, besonders im Judentum und Christentum, verankert. Und ich glaube, dass genau das die Herausforderung des Christentums ist. Wir haben keinen an die Nation gebundenen Gott; keinen Stammesgott, keinen Exklusivgott für bestimmte Menschen. Der Gott, an dem wir glauben, verpflichtet uns aufgrund dieses Glaubens dazu, alle Menschen jenseits von Sprache, sozialen Stand, Herkunft usw. als Brüder und Schwestern zu sehen. Diese tief in uns sitzende Ahnung oder Gewissheit von der Zusammengehörigkeit aller Menschen jenseits aller menschlichen Grenzziehung fordert uns gerade dann immer wieder neu heraus, wenn wir spüren, wie sehr nicht wenige Teile der Menschheitsfamilie in Not sind, in Angst, in Heimatlosigkeit usw. Sofort springt in uns diese christliche Prägung der Geschwisterlichkeit der Menschen an und wir fühlen uns herausfordert.


3. Dies gilt auch besonders in diesen Tage, Wochen und Monaten, in denen vermehrt Menschen bei uns Zuflucht suchen und zu uns flüchten. Manchmal tut sich da ein Graben auf zwischen dem, was wir als Bürger eines Landes empfinden und dem, was wir als Christen empfinden. Manchmal denkt man: Wieviel Fremde können wir aufnehmen? Was verkraftet unser Land? Und manchmal spürt aber tief innerlich: Hier kommen nicht einfach Fremde, hier kommen Brüder und Schwestern, hier kommen Notleidende, für die Gott nach unserem eigenen Glauben ein besonderen Herz hat, hier kommen jene, die nach unvorstellbar langer Odyssee Heimat suchen. Und gerade aufgrund unseres Glaubens an den einen Gott als Vater aller, fühlen wir uns herausgefordert. Hier spüren wir deutlich, was es heißt, nicht an einen Stammesgott oder einen Gott für bestimmte Völker zu glauben, sondern an den einen Gott aller Menschen zu glauben. Ich bin deshalb auch sehr froh, dass in unserer Gemeinde sich Menschen gefunden haben, die sich der Flüchtlingsproblematik annehmen, zusammen mit anderen Gruppierungen unserer Stadt. Als Kirchengemeinde sind wir durch unseren Glauben gefordert. Ja, die Herausforderung zumindest zu spüren, ist sozusagen ein Prüfstein des Glaubens.


4. Was das konkret alles heißen kann, dazu hören wir nachher im Kirchensälchen noch einige Impuls mit …. Eine Hilfe haben wir im Pastoralrat der Kirchengemeinden und Marburgs schon zugesagt: Es geht um die Fahrtkostenbeteiligung von Erwachsenen, die Deutschunterricht nehmen. Hier wird in allen katholischen Gemeinden Marburgs am 26. April eine Sonderkollekte gehalten, um den Betrag von 1300 Euro für die Zeit bis zu den Sommerferien für 25 erwachsene Flüchtlinge aufzubringen. Das nur als kleiner Hinweis vorweg.


5. Aber wichtig am heutigen Tag scheint mir einfach zu sein, dass der MISEREOR-Sonntag uns eben daran erinnert, was in der Tiefe unseres Christseins auch als Anspruch mitgegeben ist. Ja, Christsein ist einfach und gleichzeitig herausfordernd, gerade deshalb nie langweilig.

Franz Langstein

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Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe