22.02.2015

Predigtreihe in der Fastenzeit

Pastorales Konzept der Kugelkirchengemeinde

1. Fastensonntag B15

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich habe mich relativ kurzfristig dazu entschlossen, in der Fastenzeit eine kleine Predigtreihe anzubieten über das Pastorale Konzept, das der Pfarrgemeinderat 2010 für die Kugelkirchengemeinde entwickelt hat und das auf unserer Internetseite auch nachlesbar ist. Den Entschluss, an drei Sonntagen der Fastenzeit darüber zu predigen, habe ich deshalb gefasst, weil in den Zeiten, in denen Fragen wie: „Wie geht es weiter mit der Kirche? Wie geht es weiter mit unserer Gemeinde? Wir werden selbstständig bleiben? Wird es nach meinem Weggang noch einen Pfarrer geben? Werden wir zusammengelegt zu einer großen Stadtgemeinde? usw.“ es wichtig ist, sich auf die Grundlagen und auf das Wesentliche, das jenseits von Strukturen und den Debatten angesiedelt ist, sich auszurichten und sich neu zu vergewissern, wer wir und was überhaupt eine Kirchengemeinde ist. Wie gesagt: 2010 hat der Pfarrgemeinderat sich darüber Gedanken gemacht und diese als Pastorales Konzept zu Papier gebracht. Es war für alle eine sehr gewinnbringende Zeit. Und wenn ich das Pastorale Konzept hin und wieder lese, bin ich immer aufs Neue begeistert.


2. Heute soll es um die ersten beiden Kapitel des Konzepts gehen, die mit „Leitwort“ und „Visionen“ überschrieben sind. Und schon die ersten beiden Kapitel, sozusagen die Einstiegskapitel, sind keine langatmigen Hinführungen, sondern kommen auf kühne Weise gleich zum Wesentlichen.


3. Nach einigen Überlegungen, wie denn das Leitwort eines Pastoralen Konzepts lauten könnte, einigte man sich auf ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium. Man war sich sehr schnell einig, dass für ein Leitwort nur das Johannes-Evangelium in Frage kommen würde, schließlich trägt unsere Kirche den Namen „Johannes der Evangelist“ als Patrozinium. Und so einigten wir uns auf das Leitwort aus dem 1. Kapitel des Johannes-Evangeliums, Vers 39: „Kommt und seht!“ Das ist in der der Tat kühn und gewagt und hat Diskussionen in Gang gesetzt. Dürfen wir so etwas sagen? Darf das eigentlich nur einer sagen, nämlich Jesus? Hat nicht er allein den Anspruch, andere einzuladen, „kommt“, und sie nicht zu enttäuschen „seht!“, weil nur er die Fülle des Heiles bietet, ja weil nur in ihm Gott so präsent ist, dass die Aufforderung „Kommt und seht!“ nur bei Jesus voll und ganz gerechtfertigt ist? Ist das nicht eine Anmaßung, wenn eine Kirchengemeinde mit den gleichen Worten Menschen einlädt, wie dies Jesus getan hat und somit zum Ausdruck bringt, dass sie sich zusagen zum Platzhalter Christi macht? Sind wir das? Dürfen wir das?


4. Ja, wir müssen das sogar. „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch.“ Wenn das tiefste Wesen und Geheinmis der Kirche dasjenige ist, dass wir sagen, wir sind der „Leib Christi“, dann müssen wir wie Christus sagen: „Kommt und seht!“ Wir wagen es also wie Christus eine Einladung auszusprechen „Kommt!“, wie Christus ein Angebot bereit zu stellen „Seht!“ und wir stellen uns diesem Anspuch, der daraus sich ergibt. „Kommt und seht!“ ist also Einladung, Angebot und Anspruch. Wörtlich heißt es im Konzept:

  • “Kommt” ist eine Einladung an alle Menschen, die Lebensfragen stellen und die einen Ort suchen, wo sie mit ihren Fragen ernst genommen werden und  mit anderen ins Gespräch kommen können.
  • “Seht” ist das Angebot der Kirchengemeinde an alle Interessierten, hinzuschauen, wie christlicher Glaube in der Praxis vor Ort konkret gelebt wird.
  • Für die Kirchengemeinde bedeutet dieses Angebot den Anspruch, sich der Frage zu stellen, wie sehr Gottes Liebe durch das eigene Handeln für die Menschen erfahrbar wird.


5. Einladung, Angebot und der daraus resultierende Anspruch: ist der nicht zu hoch gegriffen? Genügen wir dem? Mit dieser Frage berühren wir nun das wesentliche der Kirche und damit jeder Kirchengemeinde: Die Kirche hat nicht irgendeine Idee oder ein Ideal, und sie versucht nun, dem Ideal nachzukommen, und je besser sie das tut, um so mehr ist sie Kirche, also um so mehr ist sie Leib Christi. So geht „Kirche“ nicht. Die Kirche jagt nicht irgendeinem Ideal nach, dessen Umsetzung sie zu ihrer eigenen Verwirklichung braucht. Kirche ist nicht erst dann verwirklicht, wenn sie alle Idale umgesetzt. Kirche Jesu Christi zu sein ist nicht irgendein Ideal, das noch der Verwirklichung harrt, sondern Kirche Jesu Christi ist bereits verwirklicht in jeder Gemeinde. Das ist ganz wesentlich. Wir müssen nicht erst etwas werden, was wir noch nicht sind, sondern wir sind bereits „Leib Christi“ und müssen daraus leben. Das ist ähnlich wie mit dem Menschsein: Ich bin schon voll und ganz Mensch, und muss trotzdem immer mehr Mensch werden. Angelus Silesius stammt der Spruch: „Mensch, werde wesentlich“. Also finde zu dem, der du bist. So ist es mit der Kirche. Sie ist bereits die vom Heiligen Geist geschaffene Wirklichkeit der Gegenwart Gottes in unserer Zeit. Das ist kein Ideal, das ist ihre Wirklichkeit.


6. Deshalb formulieren wir diesen Anspruch „Kommt und seht!“, weil das, was als Anspruch dahinter steht, nicht von uns verwirklicht werden kann, sondern uns geschenkt ist. „Auf diese Weise will das Leitwort auch neugierig machen. Wir sind überzeugt, dass die Kirchengemeinde einen Raum darstellt, in dem Gottes Gegenwart tiefer “gesehen” und erfahren werden kann.“ Die Kirche ist Ort der Gegenwart Gottes, weil Gott selbst sich ihr schenkt und nicht weil wie dies erst machen müssten. Sie ist das in der Geschichte greifbare Heilsangebot. Sie ist – wie Jesus – konkrete Realisierung von Gottes Nähe. Deshalb dürfen wir diesen Anspruch „Kommt und seht“ formulieren und wir dürfen ihn Menschen gegenüber formulieren, die wir ansprechen wollen: Deshalb heißt es dann folgerichtig zum Abschluss der einleitenden Kapitel:
Mit dem Leitwort “Kommt und seht” verbinden sich wesentliche Visionen unseres Handelns:
Das Leitwort fordert uns auf, diese Einladung an ganz neuen und weniger vertrauten Orten auszusprechen. So wird das Evangelium den unterschiedlichsten Menschen angeboten. Dieses Angebot gilt den Menschen unserer Tage als Einladung, in eine Kommunikation und gemeinsame Suchbewegung einzutreten. Wer eine solche Einladung ausspricht, muss die Eingeladenen wertschätzen, sie hören und sich auf sie einlassen. Gleichzeitig aber bringen wir unser unverwechselbares Profil mit ein. So entsteht eine Form von Glaubenskommunikation, in der alle Beteiligten sich gegenseitig bereichern können.
Deshalb sind uns alle interessierten Menschen willkommen. Mit ihren vielfältigen Ideen und Talenten bereichern sie die Gemeinde. Gerade den Menschen mit ihren jeweiligen verschiedenen Lebensentwürfen wollen wir Raum bieten, denn sie tragen zu einer großen Vielfalt bei. Und wir laden dazu ein, sie in der Auseinandersetzung mit der christlichen Botschaft zu bedenken. So bieten wir den christlichen Glauben als Lebensdeutung und Lebenshilfe an. “Kommt und seht”. Wir tun dies, weil wir aus eigener Glaubensüberzeugung heraus die christliche Botschaft als wegweisend und lebensbereichernd erfahren haben.


7. Wenn nun also Kirchengemeinde schon der Raum der Gegenwart Gottes ist – und zwar von Gott her als Gnade – und wir deshalb wie Jesus, der auch der Ort der Gegenwart Gottes war, sagen dürfen: „Kommt und seht!“, dann stellt sich die Frage, wo und wie und wann ist sie Ort der Gegenwart Gottes. Darum geht es dann das nächste Mal. In 14 Tagen.

Franz Langstein

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Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe