20.12.2015

Predigt am 4. Adventssonntag C07



Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Maria machte sich auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.“ Das ist die Szenerie des heutigen Evangeliums. Man möge sich das ruhig vorstellen: im Bergland von Judäa. Und auf diesem Hintergrund kommt es zu einer Begegnung zwischen Maria und ihrer Verwandten Elisabeth. Beide Frauen erwarten ein Kind. Beide sind also aufgrund dieses Umstandes achtsam mit dem Leben, sensibel für das Leben. Und deshalb kommt es nicht nur zu einer Begegnung zweier Frauen, es kommt auch zu einer tieferen Begegnung: „Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind vor Freude in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ In dieser Stille und Abgeschiedenheit und in der Achtsamkeit kommt es zu einer ersten Begegnung des Sohnes Gottes mit den Menschen. In der Stille kommt es zu einem Gewahrwerden eines großen Geheimnisses.


2. Wir haben hier eine Ouvertüre zur „stillen“ Nacht, die wir diese Woche noch besingen. Nicht im Lärm, nicht im Spektakel, nicht im Event, nicht in der Ablenkung und Zerstreuung, sondern auf dem Hintergrund des Berglandes von Judäa, in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit kann auch ich das auf mich zukommende ewige Wort des Vaters, Christus, in meinem Leben empfangen. Und andererseits: Ob nicht genau der Lärm und die Zerstreuung unserer Tage gerade vor Weihnachten und um Weihnachten Flucht ist? Flucht vor einem tieferen Geheimnis meines eigenen Lebens.


3. Denn dieses tiefere Geheimnis meines Lebens bedeutet tatsächlich Begegnung mit dem Göttlichen. Und eine solche Begegnung ließe mich dann fragen wie Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Wer bin ich? Wie ist es um mein Leben bestellt, wenn es gewürdigt ist, Gott zu begegnen? Wenn es so wertvoll ist, dass Gott zu mir kommen will? Aber diese tiefen Schichten unseres Lebens werden nicht im Lärm gewahr, sondern in der Ruhe, vor allen in der inneren Ruhe. Im Bergland von Judäa. Christus wird in der Stille der Nacht der Welt geschenkt. Das ist das Schöne des heutigen Evangeliums: Es spricht von einer Begegnung, die gewahr werden lässt, wer ich eigentlich bin.


4. Wir wissen das: Begegnungen, insofern sie tiefer Natur sind, haben die Eigenart, dass sie etwas auslösen an neuen Gefühlen und Erkenntnissen über einen selbst. Der Mensch, der auf ein Du angelegt ist, braucht dieses Du zur Selbsterfahrung. Das Kind braucht den Blick der Mutter, um noch ganz unbewusst gewahr zu werden, wie es geliebt ist und wertvoll ist. Umso tiefer ist diese Gesetzmäßigkeit, wenn es um die Begegnung mit Gott geht. Da mag sogar das Kind im Mutterleib hüpfen, bildlich gesprochen.


5. Das heutige Evangelium: Eine Ouvertüre von Weihnachten. Begegnung mit dem göttlichen Geheimnis. In aller Stille und Sensibilität. Und wir fragen uns: Wer bin ich, dass Gott mir begegnen will?

Franz Langstein

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