18.02.2015

Predigt am Aschermittwoch B 15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Als ich gestern mit dem Oberstadt-Aufzug fuhr, hatte ich ein kleines Erlebnis. Wegen der Reparatur eines der beiden Oberstadtaufzüge war die Kabine wieder einmal sehr voll. Als schließlich noch jemand in den Fahrstuhl drängte, sagte jemand: „Wir müssen alle die Bäuche einziehen, dann haben wir auch alle Platz“. Und bei dem Stichwort „Bäuche einziehen“ sagte jemand: „Wann beginnt eigentlich die Fastenzeit?“ Und die Antwort kam prompt mehrstimmig: „Am Aschermittwoch“. Ich war erstaunt über so viel religiöses Wissen. Denn das weiß ja in unsrem Land nicht mehr jeder. Also: Beginn der Fastenzeit. Heute. Die Zeit hat eine lange Tradition: In der Ostkirche schon seit dem 4. Jahrhundert, im Westen seit dem 7. Jahrhundert. Die Länge der Fastenzeit orientiert sich an der Zahl 40, die immer wieder in der Bibel vorkommt; vor allem auch durch das 40tägige Fasten Jesu. Und – und das ist nun keine unwesentliche Sache – die Fastenzeit ist angesiedelt 40 Tage vor Ostern. Und genau von daher bekommt sie eine besondere Bedeutung, ja von daher bekommt sie erst ihren Sinn. Wir fasten nicht einfach mal so, sondern wir fasten auf ein Ziel hin, auf Ostern, genauer: auf die österlichen Tage, beginnend am Gründonnerstag und endend in der Osternacht. Kurz: Die Fastenzeit ist angesiedelt als Zeit vor dem Fest der Erlösung. Das Fest der Erlösung ist also das Ziel. Und da, in der Osternacht, erneuern wir alle unser Taufversprechen. Und genau damit haben wir die wesentlichen Punkte angesprochen, wenn wir den tiefen Sinn der Fastenzeit erfassen wollen: Das Ziel ist das Fest der Erlösung. Der Ausdruck dafür ist unser Taufversprechen. Was aber heißt das jetzt?


2. Um das zu verdeutlichen, müssen wir uns vor Augen halten, was sich bei uns im religiösen Bewusstsein seit etwa 50 Jahren geändert hat. Früher war es irgendwie so, dass man klar trennte zwischen „weltlich“ und „geistlich“. Für das Weltliche waren die „normalen“ Leute zuständig, auch Laien genannt, für das Geistliche waren die Geistlichen, wie der Name schon sagt, und die Ordensleute zuständig. Der Stand der Kleriker war klar abgesetzt vom Rest des Gottesvolkes. Damit einher geht ein Denken, das klar trennte zwischen natürlich und übernatürlich, weltlich und geistlich, irdisch und göttlich, säkular und religiös, gottfern und gottnah, normal und begnadet. Und genau diese Trennungen sind verschwommen, ja aus dem Bewusstsein verschwunden. Hier hat sich tatsächlich frömmigkeitsgeschichtlich etwas verändert. Auch der Christ, der keine Priesterweihe hat und kein Ordensmensch ist, weiß sich in unmittelbarer Nähe zu Gott, weiß sich begnadet, weiß darum, dass sein Tun nicht nur weltlich ist, sondern auch sakramental, das heißt segensreich für die Welt. Wir können nicht mehr trennen zwischen natürlich und übernatürlich, gottnah und gottfern. Inmitten des Weltlichen sehen wir so viel Gnade; inmitten des Natürlichen so viel Segen. Wir sehen nicht mehr einzelne Orte exklusiv als geistliche Orte, sondern die ganze Welt ist ein einziger Ort der Gegenwart Gottes. Und weil sich der seines Getauftseins bewusste Christ einfügt in diesen Gnadenstrom Gottes, - und hier will ich ein altes, aber traditionsreiches Wort benutzen -, handelt er auch „verdienstlich.“ „Verdienstlich“ heißt: er macht sich verdient für das Heil der Welt. Sein Handeln bewirkt Segen und Heil. Ja, er ist von Gott her bevollmächtigt, Gottes Gnade und Heil zu wirken. Wenn wir also so uns begreifen als Christen, dass wir uns bewusst in den Gnadenstrom Gottes stellen, dass durch uns Geistliches bewirkt wird, dass unser normales alltäglich Tun weit mehr ist als Gestaltung des Alltags, sondern wirkmächtige Freisetzung göttlichen Segens, Umgestaltung der Welt in das Reich Gottes, Erfahrungsermöglichung göttlicher Liebe, dann bekommt genau von daher die Fastenzeit ihren tiefen theologischen Sinn.


3. Sie ist vor den Heiligen Drei Tagen angesiedelt, weil wir an diesen Tagen von Karfreitag bis Ostern unsere Erlösung feiern, das heißt die Umgestaltung der Welt zu einem Ort göttlicher Gegenwart. Und wir stellen uns bewusst in den Dienst der Umgestaltung der Welt als Getaufte, indem wir gerade in der Osternacht bewusst unser Taufversprechen erneuern. Und die Fastenzeit ist die bewusste Einübung in dieses unser Leben als Christen mitten in der Welt. Wir handeln sakramental, wir handeln „verdienstlich“, unser Tun ist immer mehr als nur Alltagsbewältigung, es ist österliche Verwandlung der Welt zum Ort der Erfahrung göttlicher Gnade, göttlichen Segens, göttlicher Liebe. Die Fastenzeit will uns das neu bewusst machen und dadurch unser Tun prägen.

Franz Langstein

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