17.05.2015

Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit B 15

Thema: Priester


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich möchte heute mit Ihnen über ein bestimmtes Thema nachdenken. Heute deshalb, und das ist der zeitliche Anlass, weil nächste Woche am Samstag in Dom zu Fulda eine Priesterweihe stattfindet und weil da jemand aus Marburg geweiht wird und weil deshalb am Sonntag drauf, am Pfingstsonntag, in Liebfrauen eine Primiz gefeiert wird, d.h. die erste Messe eines Neupriesters in seiner Heimatgemeinde. Das aber ist nur der zeitliche Anlass, warum ich heute das Thema gewählt habe. Es geht um also den Priester.
Der eigentliche Anlass aber ist eine eher flapsige Bemerkung von mir gewesen, die ich einmal hier in einer Predigt gesagt habe: irgendwie kam ich darauf zu sprechen, dass wir heute als Christen ein Bewusstsein der Gottunmittelbarkeit haben. D.h. jeder steht vor Gott und in Gott. Es braucht dazu keine Vermittlung. Und genau deshalb, so sagte ich damals, ist auch der Priesterberuf in eine Krise geraten. Denn früher war der Priester notwendig, ja heilsnotwendig, insofern er die Gnaden und das Heil vor allem über die Spendung der Sakramente vermittelte. Es brauchte ihn dringend, um des Heils willen. Heute hat es sich herum gesprochen, dass man auch ohne einen Priester das Heil erlangen kann. Und dann sagte ich etwas flapsig: „Und genau auf diese Krise des Priesterberufs haben wir keine Antwort; ich hätte eine, aber auf mich hört man ja nicht.“ Ich wurde dann draußen von einigen angesprochen, dass man doch diese Antwort gern gehört hätte. Und genau das ist der eigentliche Anlass, über den Priesterberuf heute mal zu sprechen. Was wäre also meine Antwort auf die Frage, warum wir heute Priester brauchen?


2. Rufen wir uns dazu zwei Grundsätze der Sakramententheologie in Erinnerung. Bevor wir als Christen ein Sakrament feiern, geht dem eine religiöse Grunderfahrung voraus. Nehmen wir als Beispiel das hervorragendste Sakrament: die Eucharistie. Wir machen eine religiöse Grunderfahrung. Die ist: Gott ist durch und in Jesus Christus unter uns. Gott ist nicht fern. Er ist bei uns. Und genau deshalb versammeln wir uns, nehmen Brot, brechen es und sagen dazu: „Leib Christi“. Jener Leib also, durch den Gott in unser Dasein gekommen ist. Hätten wir nicht diesen Glauben und diese Erfahrung, dass Gott in Christus unter uns ist, dann wäre das, was wir hier feiern, ohne Glaubenshintergrund, ohne Erfahrungshintergrund, ohne Sinn. Deshalb lautet der Grundsatz: „Einem Sakrament geht immer der Glaube voraus.“ Ja, ein Sakrament setzt Glauben voraus. Oder noch mal anders formuliert: Ein Sakrament ist die konkrete Gestalt des Glaubens, die Verdichtung des Glaubens, ja die Verleiblichung dessen, was wir glauben. Wenn hier unter uns in Brot die Gegenwart Christi gefeiert, dann ist das die konkrete Gestalt unseres Glaubens, der sowie immer sagt: Gott ist unter uns.
Und nun gehst Du wieder fort. Und Du wirst eine schreckliche Lücke hinterlassen. Es wird nicht lange dauern, und sie werden aus dem liebenden Vater-Gott wieder eine neutrale Macht machen, mit der man Kriege führen wird und Menschen unterdrücken wird. Bald wird Gott, den Du uns als Vater aller Menschen gebracht hast, nur noch der Vater einiger Erwählter sein, die immer schon alles besser wussten. Ja, Du hast uns eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Aber nicht nur eine Lücke. Du hast uns auch Deinen Geist hinterlassen. „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft“, so hast Du uns verheißen. Denselben Geist vom Vater, der Dich beseelt hat, der Dich zum „Sohn Gottes von Ewigkeit vor aller Zeit“ gemacht hat. Denselben Geist, der Dich bewegt hat, Gott Vater zu nennen. Ihn wirst Du uns senden. Nein, wir werden nicht als Waise ohne einen liebenden Vater-Gott zurückgelassen. Du hast uns nicht nur eine Lücke hinterlassen, die manche Menschen schmerzlich spüren, Du hast uns deinen Geist hinterlassen, damit wir mit seiner Kraft diese Lücke schließen.
Deshalb möchte ich hier kritisch anmerken: Es hat sich heute in der Beschreibung des Priesters so ein Modewort etabliert. Ich weiß nicht, wo das her kommt. In der Bibel steht es nicht. Man spricht vom Priester, dass er in „persona Christi“ handelt, also dass er hier vorn die Person Christi verkörpert und als Quasi-Christus der Gemeinde gegenüber steht. Das ist wieder eine Trennung von Priesteramt und Gottesvolk, die ich für schädlich halte. Ich selber empfinde das auch nicht so, dass ich hier vorn stehe und in Persona Christi Ihnen gegenüber Christus verkörpere. Ich verstehe das vielmehr so, dass ich in ihrem Namen und Auftrag mit Ihnen zusammen jene Geheimnisse der Gotteskindschaft feiere, die das erfahrbar und wirksam machen, was wir ohnehin als Würde von uns schon glauben. Wir sollten diese Gerede von „in Persona Christi“ schleunigst beiseitelassen. Der Priester ist also gar nicht so sehr der Vermittler des Heils, er ist der, der das bereits geschenkte Heil mit der Gemeinde feiert und in ihrem Auftrag erfahrbar macht. Das ergibt sich also aus dem ersten Grundsatz der Sakramententheologie: Sakramente setzen Glauben voraus.


3. Ich möchte noch einen zweiten Grundsatz besprechen. Es gibt keine Sakramentalität außerhalb der Sakramentalität der Kirche. Was ist damit gemeint? Die Kirche ist die von Gott geheiligte und durch seinen Geist befähigte Gemeinschaft, in unserer Welt Christus zu bezeugen und erfahrbar zu machen. Deshalb ist die Kirche schlichtweg das Sakrament, wir sagen auch: Das Grundsakrament. D.h. die Kirche ist ein Ort der Gotteserfahrung und Gottesbegegnung. Und diese Gotteserfahrung und Gottesbegegnung verwirklicht sich auch, nicht nur, aber vornehmlich durch die einzelnen Sakramente. Mit anderen Worten: Die Sakramentalität der Kirche kommt in den einzelnen Sakramenten zum Ausdruck. Übertragen wir das nun auf das Priestertum als Sakrament, da geschieht doch hier höchst Merkwürdiges. Schauen Sie sich nur einmal auf der Homepage des Bistums Fulda einen Werbeclip an, der für die Priesterberufe wirbt. Das ist ganz schlimm! Da kommt die Kirche überhaupt nicht vor. Man hat den Eindruck, dass da ein Sakrament ohne Kirche geschaffen worden ist, welches direkt von Gott kommt, also an der Kirche vorbei. Es genügt allein zu behaupten: „Ich bin zum Priester berufen“, gemeint ist in Wahrheit: „Ich fühle mich zum Priester berufen“, (das ist ja ein großer Unterschied), und mit diesem subjektiven Gefühl gehe ich ins Seminar und werde geweiht. Wie viel Priester aber tatsächlich nicht berufen waren, kann man erkennen, was sie dann in den Gemeinden anrichten. Übrigens: Wenn eine Frau sagt, ich bin zum Priestertum berufen, sagen die Männer sofort: Das ist rein subjektiv, du fühlst dich nur berufen, in Wahrheit bist du es aber nicht. Aber die dieselben Männer sagen das gleiche von sich und keiner kommt auf die Idee zu fragen, ob es nur subjektiv ist. Da ist das dann objektiv. Nein, wir kommen so nicht weiter. Es gibt keine Sakramentalität außerhalb der Sakramentalität der Kirche. Keiner kann für sich eine Berufung geltend machen an der Kirche vorbei. Er sollte seinen Wunsch – und das ist ja schon sehr viel und ganz viel – Priester zu werden, nicht ideologisieren mit dem Begriff „von Gott berufen“. Es würde reichen, wenn er schlicht und einfach zugibt: „Ich möchte gern Priester werden“.
Es gibt keine Sakramentalität außerhalb der Sakramentalität der Kirche heißt also: Gott beruft nicht in dem Sinn, dass er außerhalb der Kirche ein Sakrament schafft. Vielmehr ist das Sakrament des Priestertums wiederum eine konkrete Form der Sakramentalität der Kirche. Also: die Kirche als Sakrament hat jene Aufgabe, Christus in unserer Zeit erfahrbar zu machen und zu bezeugen. Und als eine konkrete Verwirklichung ist neben den anderen Sakramenten auch das Sakrament der Priesterweihe in diese Berufung der Kirche gestellt. Weil also die Kirche berufen ist, Ort und Raum der Erfahrung Gottes zu sein, empfängt der Priester aus der Berufung der Kirche seine eigene Berufung. Im Priestertum konkretisiert sich die Berufung der Kirche, soll sie greifbar und erfahrbar werden, wie übrigens in den anderen Sakramenten auch. Also auch hier wieder: Es verbietet sich eine Trennung von Priesteramt und Gottesvolk. Es verbietet sich eine gesonderte Berufung durch Gott außerhalb der Kirche vorweisen zu können. Es verbietet sich eine andere Berufung haben zu wollen als die, die die Gesamtkirche hat.


4. Aus dem Grundsatz, Sakramente setzen Glauben voraus und deshalb sind Sakramente Verleiblichungen des Glaubens, und dem Grundsatz, es gibt keine Sakramentalität außerhalb des Sakramentes Kirche würde nun tatsächlich folgen, dass wir grundsätzlich ganz neue Ansätze bereit liegen haben, wie wir unsere Priester in Zukunft gewinnen wollen. Da also beide Grundsätze der Sakramententheologie ganz klar machen, wie sehr das Priesteramt auf die Gesamtkirche und somit auf die Gemeinde vor Ort bezogen ist, müsste man mal darüber nachdenken, ob wir auf die warten wollen, die da von sich behaupten, berufen zu sein, oder ob wir nicht die Gemeinden befähigen zu sagen: schaut, wer aus eurer Mitte willens und fähig wäre, mit der Gemeinde die Sakramente des Glaubens, die Geheimnisse der Erlösung zu feiern. Und das wäre dann tatsächlich echte Berufung, Berufung nämlich durch die Kirche. Dieses Modell hat es tatsächlich gegeben. Was hindert uns daran, diese Wege wieder zu gehen? Ist es Angst? Mangelndes Vertrauen?

Franz Langstein

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