14.06.2015

Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis B 15

Mk 4,26-34


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Nichts bleibt so, wie es ist“. Das ist eine alte Erfahrungsweisheit. Alles Leben auf Erden wandelt sich. Ja, die ganze Schöpfung, der ganze Kosmos ist im Wandel begriffen. Von den großen kosmischen Strukturen bis hinunter in die Mikrowelt unterliegt alles den Gesetzen von Veränderung und Wandlung. Auch das biologische Leben, das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen, alles wandelt sich, alles ist einem Wachstumsprozess unterworfen. Gott hat nichts Statisches erschaffen. Alles wächst, reift, gelangt und soll zu höherer Vollendung gelangen. Wachstum, Veränderung, Reifung, zur Fülle gelangen: Das scheint der Plan Gottes für die Schöpfung zu sein.


2. Und Jesus greift diese Gesetzmäßigkeit des biologischen Lebens auf als Gleichnis für das geistliche Leben: „Mit dem Reich Gottes ist es wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht wie.. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.“


3. So wie also offensichtlich ein in die Erde gesätes Samenkorn keimt, die Erde durchbricht, aufwächst, reift und zur Fülle gelangt, so ist es auch mit dem geistlichen Leben. Unser ganzer Lebensweg ist nicht nur ein biologisches Wachsen, es ist auch ein geistliches Wachsen und Reifen – und natürlich notwendig auch Veränderung. Wir dürfen unseren Lebensweg auch begreifen als ein Wachsen auf die Ewigkeit hin. Und das ist das so Tröstliche und Vertrauensselige: „Mit dem Reich Gottes ist wie mit einem Mann, der Samen auf seinen Acker sät. Dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.“ Das Wachstum der Gnade in uns, das Wachstum des Glaubens, wir könnte sogar sagen: Das Wachstum Gottes in uns liegt oft gar nicht in unserer Machbarkeit, ja oft nicht mal in unserem Bewusstsein. Es liegt in Wehen des Heiligen Geistes. Es geschieht einfach. „Es wird Nacht und wird Tag, der Mann weiß nicht, wie.“ Wie in unserem Leben: Es wird Nacht und wird Tag: Nicht nur die lichtvollen Stunden sind Stunden der Gnade. Auch die Stunden der Nacht, die Stunden der Finsternis, die schweren Stunden sind Stunden, in denen die Gnade in uns wirksam ist und wächst. Auch Schicksale, auch Schuld sind können Stunden der Gnade sein. Alles, was auf unseren Lebenswegen geschieht, will uns zum Wachstum des Gnade verhelfen.


4. Das ist doch das Tröstliche: Das Wachstum der Gnade liegt nicht in unserer Machbarkeit, es liegt an unserer Offenheit und unserem Vertrauen. Es geht nicht darum, sich selbst zu heiligen, religiöse Pflichten als Last zu stemmen, es geht darum, der Gnade Gottes zu vertrauen. Er hat in seiner Liebe und in seiner Macht doch ein viel größeres Interesse an meiner Vollendung und an meiner Ankunft in der Ewigkeit als ich an mir selbst je haben könnte. Deshalb ist er der in mir machtvoll Wirkende, oft auch gegen mein eigenes Verstehen. Auch und gerade dort, wo ich oft nur Finsternis sehe. „Es wird Nacht und wird Tag. Der Saat wächst, und der Mann, weiß nicht wie.“

Franz Langstein

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