14.05.2015

Predigt an Christi Himmelfahrt B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn man die Berichte von der Himmelfahrt Christi liest, also die Erzählungen von seinem Abschied, dann irritiert, wie nüchtern das Ganze abgeht. Ich meine, schließlich waren ja seine Jünger über Jahre hinweg mit ihm zusammen; sie haben von ihm so viel gelernt, Schönes und Furchtbares mit ihm erlebt. Er hat ihnen Halt und Sinn gegeben. Und da fährt er einfach von dannen und keiner der Jünger sagt „danke“ oder ergreift das Wort zu einem letzten Abschied. Hinterlässt er jetzt keine Leere? Wird sein Platz wohl nicht schmerzlich vermisst? Warum sagt keiner ein paar Sätze einer Würdigung des Lebens? Worte der Wertschätzung? Andererseits: Hätte ich damals etwas gesagt? Ich weiß es nicht. Aber heute will ich es tun. Dieses Mal geht er nicht so einfach von dannen, ohne dass ich ihm einen „Nachruf“? zukommen lasse. Ich werde dies tun in aller Bescheidenheit, weil die von mir gewählten Worte nicht annähernd würdigen können, was es zu würdigen gilt.


2. Lieber Jesus, die Stunde, in der wir Abschied nehmen müssen von dir, ist da. Du wirst gehen und so vieles wird mit der gehen, was uns viel bedeutet hat. Es ist hier nicht der Augenblick, Dein Leben nachzuerzählen. Von den Umständen deiner Geburt, den Jahren der Kindheit bis hin zu Kreuz und Auferstehung ist uns dein Leben in lebendiger Erinnerung; gerade jetzt, wenn wir Abschied nehmen müssen. Und es ist uns ebenso in lebendiger Erinnerung, was Du auf so menschliche, mutige und unkonventionelle Art unter uns gewirkt hast. Auf all die vielen großen und kleinen Zeichen der Liebe und die Stationen deines Wirkens will ich hier nicht eingehen, gleichwohl sie Erwähnung verdienten und zu größerer Würdigung deines Lebens beitragen sollten. Aber all deine Taten sind uns in lebendiger Erinnerung und eingebrannt in unser Gedächtnis und unser Herz.


3. Ich will von dem, was Du mir und uns gebracht hast, nur einen Punkt herausgreifen, der mir wesentlich scheint und von dem her alles andere verständlicher wird. Der Punkt ist die Art und Weise, wie Du von Gott durch Wort, Zeichen, Taten, ja durch Dein ganzes Leben gekündet hast. Als Mensch des 21. Jahrhunderts will ich es so formulieren: Du hast den Gott, den viele ahnen, manche suchen, den wir nicht begreifen, der uns oft abhanden kommt, der oft unbegreifliches Rätsel ist, dunkel und fern, eine Macht, die man ahnt, das Göttliche, wie manche möglichst neutral und gleichzeitig ehrlich sagen, diesen Gott hast du schlicht und einfach „Abba“, „lieber Vater“ genannt. Dein Vater. Und Du hast uns geheißen, ihn ebenso zu nennen. Auch wir dürfen oft im Dunkel unseres Glaubens vertrauensvoll „Vater“ sagen. Aus dem Gott der Philosophen, über den man abstrakt nachdenkt, wurde der Gott der liebenden Beziehung. Und das klang bei Dir nicht rechthaberisch, nicht naiv-dumm, nicht aufgesetzt fromm, nicht komisch, nicht geschmacklos, sondern ganz und gar ernst und ehrlich und überzeugend. Diese Rede von Gott kam durch Dich in unsere Welt wie ein großes Geschenk an die Menschheit. Nein, besser, nicht wie ein Geschenk a n die Menschheit, sondern wie ein Geschenk i n die Menschheit hinein. Du hast diesen liebenden Vater-Gott durch menschliche Gesten nahe gebracht. Dieser ferne Gott wurde so ganz nah, der Unnahbare spürbar, der Unfassbare in Gesten und Worten erfahrbar, der abstrakte Gott der Theologen und Philosophen zum konkreten Gott mitten im Leben. Dein Leben war voll von diesen liebevollen Zeichen eines liebenden Gottes. Und doch, um gleich ein Missverständnis vorzubeugen: Es war nicht der billige liebe Gott. Nein, es war auch der fordernde Gott. Weil jede wahre Liebe aufsteht gegen all Art von Hass, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Gotteszufriedenheit. Und Deine Rede vom liebenden Gott ist wie Gold geläutert worden am Kreuz. Du hattest wohl Zweifel, als Du geschrieen hast: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, aber wir haben soviel schon von Dir gelernt, dass wir das nicht glauben mochten. Der liebende Vater-Gott, den Du uns gekündet hast, war mit Dir in Deinem Leid und in Deinem Schrei in die Finsternis Gottes. Du hast das alles ausgehalten, vertrauend in ein dunkles Geheimnis hinein, dass für Dich immer „Abba“, Vater. war. Das hast Du uns also in aller Tiefe gebracht: Ein neues Denken von Gott, ein neues Bewusstsein von ihm.


4. Und nun gehst Du wieder fort. Und Du wirst eine schreckliche Lücke hinterlassen. Es wird nicht lange dauern, und sie werden aus dem liebenden Vater-Gott wieder eine neutrale Macht machen, mit der man Kriege führen wird und Menschen unterdrücken wird. Bald wird Gott, den Du uns als Vater aller Menschen gebracht hast, nur noch der Vater einiger Erwählter sein, die immer schon alles besser wussten. Ja, Du hast uns eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Aber nicht nur eine Lücke. Du hast uns auch Deinen Geist hinterlassen. „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist getauft“, so hast Du uns verheißen. Denselben Geist vom Vater, der Dich beseelt hat, der Dich zum „Sohn Gottes von Ewigkeit vor aller Zeit“ gemacht hat. Denselben Geist, der Dich bewegt hat, Gott Vater zu nennen. Ihn wirst Du uns senden. Nein, wir werden nicht als Waise ohne einen liebenden Vater-Gott zurückgelassen. Du hast uns nicht nur eine Lücke hinterlassen, die manche Menschen schmerzlich spüren, Du hast uns deinen Geist hinterlassen, damit wir mit seiner Kraft diese Lücke schließen.

Franz Langstein

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