13.12.2015

Predigt am 3. Adventssonntag C16

Lk 3,10-18


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wieder wird uns im heutigen Evangelium, wie auch am letzten Adventssonntag, Johannes der Täufer als eine adventliche Gestalt vor Augen geführt. Er ist wohl d i e adventliche Gestalt, da er wie kein anderer mit seinem ganzen Leben und mit gewaltigen Worten auf das Kommende hingewiesen hat. Er steht förmlich dafür den adventlichen Menschen, d.h. für den Menschen, der ganz im Bewusstsein des Kommen Gottes lebt. Es wird uns ja auch manchmal berichtet von Menschen, die gerade nochmal dem Tod entkommen sind, die ihm also schon ins Angesicht gesehen haben, dass sie dann anders leben. Da, an der Grenze des Todes, kommt etwas auf mich zu, das die Maßstäbe des bisherigen Lebens vollkommen durcheinander wirbelt. Worauf kommt es wirklich an?


2. Johannes also steht mit Leben und Wort dafür gerade, dass der Mensch mit seiner ganzen Existenz vor das Kommen Christi gestellt ist. „Es kommt einer, der ist stärker als ich“. Wenn es so um unser Leben bestellt ist, dass wir am Ende dem kommenden Christus begegnen, dann macht das was mit uns. Wenn der Mensch am Ende wirklich dem kommenden Christus begegnet, dann bringt der Mensch sein ganzes Leben vor Christus. Es geht dann um das Ganze seiner Existenz. Es ist eben dann nicht gleich-gültig, wie er gelebt hat, sondern end-gültig. Seine ganze Existenz hat Gültigkeit bekommen in der Begegnung mit Christus. Aber genau dann, wenn die Existenz Endgültigkeit bekommt, bekommt sie Wert, Sinn, Gewicht, Bedeutung. Unser ganzes Leben und alles, was wir tun, ist eben nicht bedeutungslos, sinnlos, sondern bedeutsam. Es hat Gültigkeit für die Ewigkeit. Genau dafür steht Johannes der Täufer ein. Es kommt zu einer endgültigen Begegnung mit dem kommenden Christus. Wir dürfen zurecht Erwartende sein. Johannes ist die adventliche Gestalt, die seinem Leben und unserem Leben Gestalt gibt.


3. Und wenn es also so ist, dass das menschliche Leben, weil es auf die Begegnung mit Christus unterwegs ist, Bedeutung und Gewicht und Endgültigkeit bekommt, dann muss der Mensch auch selbst seinem Leben Wert beimessen. Da kommen sie plötzlich, die Zöllner, die Soldaten, zutiefst verunsichert, weil sie ahnen, dass, wenn es so ist, dass unser Leben auf Gott zu geht, dass das augenblicklich einen solchen Wert bekommt, dass man sich fragen muss: Wie kann ich dementsprechend leben? Wertvoll leben? Wertvoll sein? „Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun?“ Sie ahnen, dass ihr bisheriges Verhalten dem eigenen Wert des Lebens nicht gerecht wird. Und Johannes gibt ganz einfache, fast schon banale Antworten. Man könnte doch meinen, dass er den Zöllnern sagt, dass ihr Beruf einfach nur verkehrt ist. Denn sie stehen auf der Seite der römischen Besatzungsmacht und helfen denen, die Menschen auszubeuten. Oder dass er den Soldaten sagt, sie sollen ihren Beruf an den Nagel hängen und desertieren, denn schließlich war der römische Soldat Teil der Besatzungsmacht und damit des Unterdrückungsapparates. Aber Johannes verlangt nichts Extremes, nichts Radikales, sondern eher ganz Einfaches, ja Selbstverständliches: Den Zöllner antwortet er: „Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.“ Also hört auf, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Und zu den Soldaten sagt er: „Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold.“ Also ganz einfach gesagt: Seid einfach nur gut. Seid einfach nur menschlich normal. Denn das Gutsein entspricht der Bedeutung euers Lebens. Und das Bösesein, die Ausbeutung, die Unterdrückung, widerspricht dem Wert eures Lebens. Auf diese Unterscheidung macht Johannes auch mit drastischen Worten aufmerksam: „Die Spreu wird vom Weizen getrennt“. Was ist wertvoll im Leben und was nicht? Worauf kommt es an? Es gibt eine Art des Lebens, die der Bedeutung unseres Lebens nicht gerecht wird, ja ihr zuwiderläuft, so dass wir unser Leben verraten. Und es gibt eine Art zu leben, die dem Wert unserer Existenz entspricht und unserm Leben daher jene Bedeutung gibt, die es auch hat. So einfach also ist das: Seid einfach nur gut zu den Menschen. Angesichts dessen, dass unser Leben der sichtbaren Begegnung mit Christus entgegeneilt, ist das die angemessene Haltung. Und sie klingt so einfach.


4. Aber Sie ahnen schon, dass das nicht alles sein kann und dass jetzt noch einmal der Botschaft des Johannes d. T. eine besondere Bedeutung zukommt. Denn so einfach ist das nicht mit dem „Einfach-Gut-Sein“. Wir kommen im Leben immer wieder in Situationen hinein, in denen das einfach Gute, die selbstverständliche Pflicht, die banale Alltagstugend, eine würdevolle Mitmenschlichkeit sich nicht mehr lohnen. Es lohnt sich dann einfach nicht mehr, als Zöllner zur Zeit Jesu auf das Wirtschaften in die eigene Tasche zu verzichten. Der Anständige ist dann plötzlich der Depp. Und der Ehrliche ist der Dumme. Selbstlosigkeit wird schamlos ausgenutzt. Ehrlichkeit wird nicht honoriert. Der Sog, der davon ausgeht, dass man sagt, „das machen ja alle so“, hat am Ende oft mehr Überzeugungskraft als die eigene Einsicht in das, was eigentlich gut wäre. Und dann stellt man sich selbst die Frage: Lohnt es sich? Was habe ich davon, gut zu sein?


5. Und jetzt, an dieser Stelle, bekommt die Botschaft Johannes‘ d. T. noch einmal eine tiefe Bedeutung. Ja, es lohnt sich. Denn Gott ist der Kommende und gibt deinem Leben Endgültigkeit. Es ist eben nicht gleich-gültig, welche Bedeutung du selbst deinem Leben beigemessen hast. Es lohnt sich, auch mal der Dumme zu sein, wenn es um die Ehrlichkeit geht. Es lohnt sich, sich den Einflüsterungen einer abgestumpften Mehrheit nicht zu beugen und ehrlich zu den Überzeugungen von Güte und Gerechtigkeit zu stehen. Es lohnt sich, gut zu sein und zu lieben, auch wenn man irdisch keinen Lohn dafür bekommt, sondern eher Spott. Denn dein Leben bekommt vor Gott Gültigkeit. Und es ist doch auch wichtig für das Zusammenleben der Menschen, wenn simple Alltagstugenden lohnenswert sind. Darauf kommt es wirklich an.


6. Ja, auch das, vielleicht gerade das ist die Botschaft des Advents. Wir sind Christus Entgegeneilende und damit hat unser Leben Gültigkeit, Bedeutung, Sinn, Wert, weit über das Irdische hinaus. Am Ende wird nicht alles gleich-gültig sein, sondern end-gültig. Der Advent will so unseren Leben Gestalt geben, aber auch Sinn und Erfüllung.

Franz Langstein

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