13.09.2015

Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis B15

Mk 8,27-35


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Viele Menschen in der Kirche machen sich heute Sorgen um die Zukunft der Kirche. Angesichts der Zahlen bezüglich des Priesternachwuchses und der Gottesdienstteilnehmer ist diese Sorge durchaus berechtigt. So fehlt es eben auch nicht an Vorschlägen, wie das Schifflein Petri wieder flott zu kriegen ist. Neben vielen anderen Vorschlägen bedient man sich dabei auch gern ganz und gar weltlicher Rezepte. Man holt das Unternehmensberatungsbüro McKinsey ins Boot, um sich von denen sagen zu lassen, wie es weitergehen kann. Andere meinen, man müsse nur gute Angebote machen, die die Menschen ansprechen, dann würde der Kahn schon wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Ich will das hier nicht bewerten, jedoch gibt das heutige Evangelium diesbezüglich doch einiges zu denken.


2. Jesus eröffnete gerade seinen Jüngern, dass er sterben werde. Die Jünger sind vollkommen entsetzt, allen voran Petrus. Sie waren nämlich gerade auf der Erfolgsspur, dort am See Genesareth. Die Scharen waren ihnen zu gelaufen. Alles schien gut zu werden; die Zukunft sah rosig aus. Jesus aber will diese Erfolgsrezept verlassen und nach Jerusalem gehen, wo ihm der Tod gewiss ist. Das ist das Ende einer Erfolgsgeschichte. Und Jesus setzt noch einen oben drauf, indem er den Jüngern sagt: „Nur wer sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann mein Jünger sein. Und wer sein Leben verliert, wird es gewinnen. Und wer sich selbst verleugnet…“ In den Tod gehen, Kreuz tragen, Selbstverleugnung… Das ist wahrhaft keine Botschaft, für die sich Menschen gewinnen lassen. Das ist kein Programm, das Zukunft hat.


3. Das sollten alle Marketing-Strategen der Kirche einmal bedenken. Was heißt hier: Wir müssen Angebote machen, die die Menschen ansprechen? Ist das das so eine Botschaft: „Wer sich selbst verleugnet und sein Kreuz trägt…? Wer sein Leben verliert…?“ Auf der anderer Seite: Ist es aber nicht gerade eine solche Botschaft geeignet, die Aufsehen zu erregen? Ist gerade eine solche Botschaft, die so gegen den Strich dessen geht, was wir mit Erfolg verbinden, geeignet, zu provozieren und nachfragen zu lassen: Was könnte damit allen Ernstes gemeint sein? Was ist für eine Kirche, die selbst am Rande des Untergangs steht, die aber trotzdem so eine Botschaft hat? Wäre das nicht etwas, was zumindest neugierig macht - mehr als alle noch so gut gemeinten Angebote, die heute angeblich die Menschen ansprechen?


4. Inmitten unsrer Gesellschaft kommen wir daher und verkünden: „Wer sich selbst verleugnet und sein Kreuz trägt…, wer sein Leben verliert, wird es gewinnen…“ Wie könnten wir denn allen Ernstes so etwas sagen? Im Lebensverlust liegt Gewinn? Im Kreuztragen zeigt sich die Jüngerschaft Jesu? Ich denke, dass eine solche Botschaft sehr provozierend daherkäme. Vielleicht würde sie mancher verstehen.


5. Und vielleicht ahnt mancher, dass da eine tiefe Wahrheit dahinter steckt. Was meint denn die Rede, dass man sein Leben verlieren müsse, um es zu gewinnen und dass man sich selbst verleugnen müsse und sein Kreuz tragen müsse? Vielleicht ahnt mancher im Blick auf sein Leben, dass da irgendwas nicht stimmt. Da ahnt vielleicht jemand Folgendes: „Ich habe mein ganzes Leben gelernt, dass man Glück nur hat, wenn man erfolgreich ist, wenn man oben mitschwimmt, wenn man dies und jenes besitzt, diese oder jene Karriere macht, sich dieses oder jenes Ansehen erwirbt. Dies hat sich so in meinem Leben verfestigt, dass ich mich regelrecht von daher definiere: Ich bin nur dann richtig Mensch, wenn ich das habe, das mache und dahin strebe. Das hat sich so verinnerlicht, dass das mein Selbstbild ist. So denke ich von mir. So und nur so ist mein Leben gut und sinnvoll.“ Und er ahnt weiter, wie sehr er sein Leben diesem Selbstbild opfert: Wie viel Energie, Freizeit, Beziehungen, ja Gesundheit er dafür opfert, um dem Bild, das er von sich hat, zu genügen. Und weiter ahnt er, dass in der Rede von der Selbstverleugnung des Lebens eine tiefe Wahrheit steckt. „Verliere das Bild, das Du dir von dir selbst machst. Dann wirst du wieder leben und aufatmen. Verliere das Leben, dem du all deine Kräfte opferst, dann wirst du wirklich leben. Denn du dienst nicht dir selbst, sondern du dienst deinem Bild, das du dir von dir machst. Deshalb: Verliere das Bild. Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen. Verleugne dich, verleugne das, was du verinnerlicht hast als das, wovon du dir alles Glück erhoffst. Wirkliches Glück wirst du ganz woanders finden.“


6. Hier sehen wir, dass die christliche Botschaft tatsächlich manchmal quer zu dem steht, wie manche Menschen heute glauben, ihr Glück machen zu müssen. Deshalb ist diese Botschaft nicht attraktiv, eher provozierend. Sie ist keine Erfolgsbotschaft, denn sie hinterfragt die Menschen. Die so erfolgsverwöhnten Jünger mussten sich die Reden vom Tod, vom Kreuz und von der Selbstverleugnung anhören. Sie hatten schon geträumt, die Plätze zur Rechten und Linken Jesu einnehmen zu dürfen, wenn er als König kommt. Dieses Selbstbild hat Jesus ihnen vollkommen ausradiert. Vielleicht sollte auch gerade dieses Evangelium so manchen Kirchenverantwortlichen davor bewahren, von falschen Erfolgsrezepten für die Kirche zu träumen. Und vielleicht sollte auch dieses Evangelium das Selbstbild der Kirche von einer erfolgreichen Institution, die nur etwas mehr den Menschen entgegenkommen müsse mit Angeboten, die sie ansprechen und dann ginge es schon wieder bergauf, zertrümmern. Vielleicht durchlebt die Kirche vielleicht gerade eine Zeit, in der sie das Selbstverleugnen und das Kreuztragen und das „Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen“ wieder ganz neu lernen muss. McKinsey und eine Angebotsmentalität werden uns da nicht viel weiterhelfen.

Franz Langstein

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