12.04.2015

Predigt am 2. Sonntag der Osterzeit B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Der ungläubige Thomas“, so wird der Jünger Jesu genannt, der nicht glauben wollte, dass Jesus den anderen erschienen ist. Und doch ist er, der Thomas, vielen sympathisch, weil er uns doch irgendwie näher steht als die anderen, denen Jesus erschienen ist. Denn wir sind in einer ähnlichen Situation wie Thomas: Auch uns ist Jesus nicht erschienen. Auch wir sind in unserem Glauben angewiesen auf das, was man uns überliefert und erzählt hat. Und auch wir haben da so manchmal unsere Zweifel und möchten wie Thomas sagen: „Wenn ich es nicht selbst sehe, glaube ich nicht.“ Da könnte ja jeder kommen und sagen: Mir ist Jesus erschienen. Leute, die vorgeben, irgendwelche Erscheinungen zu haben, gibt es genug. Und denen glauben wir auch nicht so ohne weiteres.


2. Nein, im Zweifel des Thomas können sich so manche Christen wieder entdecken. Und zwar zu Recht. Denn was ist denn der Zweifel im christlichen Sinn? „Ist nicht der Zweifel die Kehrseite des Glaubens? Gehören Glaube und Zweifel nicht irgendwie zusammen wie zwei Seiten einer Medaille?“ Wer nicht oder kaum an Gott glaubt, wird nicht an ihm zweifeln können, weil nichts zu zweifeln da ist. Umso tiefer aber der Glaube ist, umso stärker kann der Zweifel sich melden. Warum ist das so? Es hängt wohl mit dem alttestamentlichen Bilderverbot zusammen: „Du sollst dir kein Bild von Gott machen“. Das ist doch die Aufforderung zum Zweifel schlechthin: „Zweifle an deinen Bildern von Gott, an deinen Vorstellungen von Gott. Glaube nicht, wenn dir jemand sagt, wie Gott ist. Zweifle daran, wenn jemand kommt und meint, Gott erklären zu können. Sei skeptisch allen gegenüber, die meinen, sie hätten die Wahrheit über Gott. Mach’ dir kein Bild von Gott, keine Vorstellung. Schreibe ihn nicht fest mit deinen kleinen Verstand. Gott ist größer, Gott ist immer anders als du je erfassen kannst.“ Der Zweifel ist die gesunde Korrektur unserer Versuchung, ein Bild von Gott zu machen und dieses Bild als allgemeingültig zu verabsolutieren.


3. So gesehen hatte Thomas ja Recht, wenn er daran zweifelte, dass Jesus erschienen ist. Das wäre zu bildhaft, zu leiblich, zu materiell, zu vorstellbar, zu einfach. Auferstehung ist nicht einfach eine Wiederbelebung eines Toten. Der Zweifel des Thomas will Gott nicht so einfach sich vorstellen, sondern der Zweifel ist ein Ausdruck von der Größe und der Unbeschreibbarkeit der Auferstehung und somit von der Unbeschreibbarkeit des göttlichen Lebens. Der Zweifel fordert genau dies ein. „Mach dir kein Bild; zweifle an den Bildern, die Gott festschreiben wollen.“ Auferstehung als Hineingang in die Gemeinschaft des Dreifaltigen Gottes entzieht sich unseren Bildern, unserer Vorstellung, bleibt im Dunkeln, im Geheimnis des Glaubens. Deswegen feiern wir auch die Osternacht im Dunkeln. Thomas zweifelt an der allzu einfachen Vorstellung von der Erscheinung eines Gekreuzigten.


4. Genau da ist Zweifel angebracht, wo dieses Geheimnis zu leicht erklärbar wird. Es ist Zweifel angebracht, wenn die Wahrheit als Besitz daherkommt, den man haben kann. Es ist Zweifel angebracht, wo Menschen ihre eigenen Vorstellungen und Wahrnehmungen verabsolutieren. Der Zweifel sucht weiter, fragt weiter, hinterfragt das allzu Menschliche, denkt weiter, betet weiter, bildet sich weiter und leidet weiter. Denn Gott ist immer größer und das Auferstehungsgeheimnis als Heimgang in Gottes Herrlichkeit ist immer größer


5. Natürlich hat die Geschichte einen allzu leichten Ausgang. Thomas darf dann schließlich doch den Auferstandenen sehen und seine Hände in seine Wundmale legen. Und aufgrund dessen bekennt er: „Mein Herr und mein Gott“. Aber Jesus korrigiert sofort und sagt: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du; selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Genauso so ist unsere Situation: Wir sehen nicht, für uns ist manches dunkel, Gott oft dunkel, unvorstellbar, manchmal fern, unbeschreiblich. Das provoziert ja förmlich in uns den Zweifel. Oder anders ausgedrückt: Der Zweifel ist das sichere Zeichen, dass unser Glaube echt ist und nicht allzu leichtfertig daher kommt.

Franz Langstein

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
36037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr

 

Gottesdienste

Samstag 18.00 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe