06.12.2015

Predigt am 2. Adventssonntag C 16

Lk 3,1-6


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Advent entfaltet in den liturgischen Texten das Wesentliche des Advents. Es geht dabei um unser Leben. Was heißt es für unser Leben und für unser Dasein, wenn wir – so die Botschaft des ersten Adventssonntags – gewürdigt sind, unser Leben als ein auf Gott entgegeneilendes begreifen. Das heißt, unsere Zeit, unser Tage, Wochen, Monate und Jahre sind zu verstehen als jener Zeitraum, der uns gegeben ist und den wir brauchen, Gott entgegenzueilen. Wir haben es am letzten Sonntag gehört: „Christo tuo venienti occurrentes“, wir sind deinem kommenden Christus Entgegeneilende.


2. So gesehen wird also Zeit nicht rein chronologisch verstanden als eine Abfolge von Ereignissen. Sondern Zeit, die uns gegeben ist, wird zu einer Zeit des Heiles, des Wachsens im Glauben, Zeit als Möglichkeit, Gott entgegenzueilen. So gesehen wird verständlich, warum das heutige Evangelium so viel wert legt auf die Zeitangaben: „Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene, Hohepriester waren Hannas und Kajaphas“. Aufgrund dieser Angaben kommt also die Zeitspanne von Oktober 27 bis August 29 in Frage. „Da (also) erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes“.


3. Das Wort des Heils wird also konkret eingeschrieben in eine Zeit. Egal wie sie ist. Denn die Namen Herodes, Pontius Pilatus, Hannes, Kajaphas stehen nun nicht gerade für Gerechtigkeit, im Gegenteil: Sie stehen für Gewalt, Unrecht, Unterdrückung, Korruption. Aber egal: Alle Zeit drängt auf den kommenden Christus zu. In ihm findet sie Ziel und Vollendung. Und dieses Drängen lässt sich nicht wegmachen und nicht aufhalten; dieses Drängen ist in die Schöpfung eingeschrieben. Und in jedes Leben eingeschrieben.


4. Und was das bedeuten kann, dafür steht heute eine Gestalt. Johannes der Täufer. Wir finden ihn in der Wüste. Und damit haben wir wieder einen wesentlichen Aspekt des Menschen. Die Wüste: Der Ort des Alleinseins; der Ort, an dem die Sinnesreizungen auf Äußerste reduziert sind; der Ort des Ausgeliefertseins und somit des Vertrauens. Wir sollen jetzt nicht alle in die Wüste ziehen (obwohl interessant wäre das schon mal). Es geht ja hier immer nur um Aspekte des Lebens. Und manche Menschen leben gewisse Aspekte ihres Lebens mehr aus als andere. Und Johannes lebte diesen Aspekt der Einsamkeit und des Zurückgezogensein ganz intensiv aus. Aber gerade, in dem sie dies tun, wecken sie Neugierde, mitunter Befremden, weil diese Aspekte uns dann doch fremd vorkommen. Denn wir leben sie nicht so aus. Und doch sind sie uns nicht fremd, sondern gehören zu uns. Die Wüste ist ein solcher Aspekt, der zu uns gehört.


5. Und vielleicht bedeutet das gerade jetzt in der Adventszeit: „Du, Menschenkind, auch in deine Lebenszeit ist eine Zeit, in die hinein Gott sein Wort gesprochen hat, egal, wie du selbst deine Zeit deutest. Auch deine Lebenszeit ist mehr als biologisches Wachstum, mehr als Pflichten und Aufgaben, mehr als Eingebundensein in Familie und Beruf. In all deiner Lebenszeit verwirklicht sich auch ein Wachsen auf Gott hin, so wie eine Blume auf die Sonne zuwächst. Aber um dessen gewahr zu werden, brauchst Du manchmal die Stille, um in die Tiefe deiner Existenz zu hören. Du brauchst die Wüste, wo alle Sinnesreizungen weggenommen sind, wo Du nicht von außen bestimmt wirst, von Pflichten und Verantwortungen, sondern wo Du Deine innere Bestimmung erfährst.“ Wir sollten dieses Vertrauen aufbringen, dass da in uns nicht nur Lebenszeit abläuft, sondern heilsame Zeit auf Gott hin.

Franz Langstein

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