05.07.2015

Predigt am 14. So. B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Was uns hier im Evangelium geschildert ist als ein Ereignis in Nazareth, ist weit mehr als ein Einzelereignis an einem bestimmten Ort; es ist sozusagen exemplarisch als ein Hinweis zu sehen auf eine ganz bestimmte Art des Unglaubens, der auch uns beschleichen kann. „Er wunderte sich über ihren Unglauben“, sagt Jesus über die Leute von Nazareth. Dabei geht es nicht um den großen Unglauben, dass man sagt, es gäbe keinen Gott oder Jesus sei nicht der Sohn Gottes, sondern nur ein gewöhnlicher Mensch. Nein, es geht nicht um diesen Unglauben, der Glaubensoffenbarungen leugnet, sondern es geht um einen Unglauben, dem selbst Gläubige erliegen können, ohne dass sie es eigentlich merken. „Er wunderte sich über ihren Unglauben“. Auf welche Art des Unglaubens will uns also das Evangelium aufmerksam machen?


2. Was passiert da eigentlich in Nazareth? Die Leute staunen über Jesus und sagen: „Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen!“ Weisheit und Wunder Jesu: Ausdruck seiner Gottessohnschaft, Ausdruck der Nähe Gottes in Jesus. Das kann doch gar nicht sein. Das ist doch ein ganz gewöhnlicher Mensch, den kennen wir doch: „Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?“ Das kann also gar nicht sein, dass Gott, der Erhabene, seine Weisheit und Macht in diesem gewöhnlichen Zimmermann zeigt. Jesus wird reduziert auf seine Herkunft und auf seinen Beruf. Nein, wenn schon Gottes Macht sich erweist, dann woanders, bei den Außergewöhnlichen, bei den Großen: Moses, Jesaja, Elija usw. Aber nicht bei dem hier, der hier bei uns aufgewachsen ist, dem Zimmermann, dem Sohn der Maria. Vielleicht ist genau das der Unglaube, dass in Jesus eine Wirklichkeit in den gewöhnlichen Alltag Einzug gehalten hat, die oft gar nicht für geglaubt wird: „Er wunderte sich über ihren Unglauben“. Was ist das für eine Wirklichkeit?


3. Viel später drückt das Johannes-Evangelium diese Wirklichkeit so aus: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Es geht um die Totalannahme des Fleisches, also unseres ganzen Lebens, durch Gott; es geht um die untrennbare Verbundenheit von Gott und Mensch. Es geht um die Nähe Gottes, die näher ist als wir uns selbst sind. Mit anderen Worten: Gottes Nähe erweist sich nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern im Gewöhnlichen. Sie erweist sich nicht nur im Spektakulären, sondern im Banalen. Sie erweist nicht nur durch Stärke, sondern in der Schwäche. Paulus: „Gott aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ Durch die Menschwerdung Gottes ist uns die Wirklichkeit Gottes so nahe gekommen, dass es keine Lebenssituation mehr gibt, von der wir sagen könnten: „Da ist Gott nicht.“ Diese tiefe Nähe Gottes mitten in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit unseres Lebens zu leugnen ist der Unglaube, über den Jesus staunt: „Und er wunderte sich über ihren Unglauben“.


4. Die Leute von Nazareth, die in der Gewöhnlichkeit Jesu (Zimmermann, Sohn der Maria) die Anwesenheit Gottes nicht zu glauben vermochten, gibt es überall: Ich kann nicht glauben, dass Gott in der Schlichtheit und Einfachheit meines Lebens gegenwärtig ist. Ich kann nicht glauben, dass Gott auch mit meinem manchmal verkorksten Leben was zu tun haben will. Ich kann nicht glauben, dass Gott an meinem ganz normalen wenig Aufsehen erregenden Leben, das eigentlich nicht viel bewirkt, Interesse haben könnte. Ich kann nicht glauben, dass sich Gott durch mein Leben ausdrücken will, da ich doch nicht viel kann. Ich kann nicht glauben, dass Gott mich noch liebt, da ich viel Schuld auf mich geladen habe. Ich kann nicht glauben, dass ich für Gott bedeutsam bin, da ich mich sonst kaum für Glaube und Kirche interessiere. Und man könnte die Kette dieser Zweifel beliebig fortsetzen; und am Ende würde Jesus da stehen und staunen: „Und er wunderte sich über ihren Unglauben“.

Franz Langstein

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