04.01.2015

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wie ein Echo wird uns heute am 2. Sonntag der Weihnachtszeit nochmals das Evangelium vom Weihnachtsfest in Erinnerung gerufen, so, als dürfe eben dieses Evangelium nicht einfach verhallen, sondern müsste widerhallen im Raum der Herzen und im Raum unseres Lebens. Und wenn ein Evangelium nicht einfach verhallen darf, dann muss es ein wichtiges Evangelium sein, wirklich Eu-Angelion = Froh-Botschaft. Und wenn es wirklich Frohe Botschaft ist, dann muss diese Botschaft unbedingt etwas mit Gott zu tun haben, aber so, dass sie unmittelbar auch uns berührt und meint, also nicht isoliert von uns.


2. „Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott.“ Es ist also von einem Wort die Rede, das schon immer, im Anfang, bei Gott war, ja selbst Gott war. „Wort“, griechisch Logos, als Möglichkeit, sich selbst zum Ausdruck zu bringen, bedeutet also, dass wir es hier mit Kommunikation zu tun haben. Kommunikation ist nur möglich im Miteinander, in Gemeinschaft, in Beziehung. Das Wesen Gottes ist also Kommunikation, ist Beziehung, ist Gemeinschaft, ist somit Fülle des Lebens und der Lebendigkeit, ist Hingabe. Dieses Wesen Gottes aber bleibt nicht bei sich. Gott ist ein sich hingebender Gott, sich schenkender, sich austauschender, sich offenbarender. Gott also öffnet seine Fülle, seine Lebendigkeit, um den Menschen daran teilhaben zu lassen. Schon in der ersten Lesung klingt das an: „Die Weisheit sagt: Vor der Zeit, am Anfang, hat er mich erschaffen, und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht. Ich tat vor ihm Dienst im heiligen Zelt und wurde dann auf dem Zion eingesetzt.“ Johannes kann fast nahtlos anknüpfen: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das ist der Austausch Gottes mit den Menschen: „Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben“. Wenn wir uns das als weihnachtliche Botschaft vor Augen führen, dass Gott in sich Beziehung, Austausch, Leben, Gemeinschaft ist, und dass Gott diese seine wesensmäßige Beziehung geöffnet hat, dann hat das so etwas mit uns Menschen zu tun, wie es heute zum Ausdruck kam: „Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel“. Oder, wie es das Johannes-Evangelium ausdrückt: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“


3. Wenn also Gott sich auf uns hin öffnet, und uns dadurch annimmt und aufnimmt in seine immer schon bestehende Beziehungsfülle, dann kommt unserem Leben eine Dimension zu, die eben „nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes“, also eben nicht rein biologisch und natürlich gegeben ist, sondern einer Geburt aus Gott entspricht, „sondern aus Gott geboren sind“. Hier sind wir wohl im Zentrum christlicher froher Botschaft: Indem das Wort, das immer schon im Vater war und immer schon im Vater gezeugt ist, heraustritt und uns annimmt, werden auch wir gezeugt durch den Vater. Neues Leben fließt uns zu.


4. Und warum merken wir davon so wenig? Die Welt ist doch die alte geblieben mit ihrem Hass, ihrer Sünde, ihrer Zufälligkeit und Schicksalhaftigkeit. Und wir sind auch die alten geblieben mit unseren Mühen und Sorgen, mit unseren Schmerzen und Nöten. Wundert es uns? War es denn bei Christus, dem Sohn Gottes, anders? Seine Mühen, seine Versuchungen, seine Ängste, sein Leiden am Ende? Nein, das Alte ist nicht weg. Und doch dürfen wir nicht vergessen, dass wir nicht nur aus dieser Erde geboren sind, sondern auch aus Gott. In uns schlummert schon das Ewige, die Herrlichkeit des Vaters, die Gotteskindschaft.


5. Deshalb verdient es dieses Evangelium von Weihnachten, nochmals am 2. Sonntag nach Weihnachten gehört zu werden, als Widerhall des Weihnachtsgeheimnisses und als jenes Wort, das deshalb wie ein Echo immer wieder zu unser dringen soll.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe