03.05.2015

Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit B 15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir als Christen an Gott glauben, dann tun wir dies mitunter mit einer Selbstverständlichkeit. Unsere Gottesbeziehung wird nicht jedes Mal neu reflektiert, durchdacht oder bewusst gemacht. „Gott ist da, ich bin da; Gott liebt mich, ich glaube an ihn.“ Diese Selbstverständlichkeit hat nicht nur einfach etwas Gutes und sehr Schönes, sie ist auch oft das Einzige, was zu sagen möglich ist: so eine Art Zusammenfassung der Gottesbeziehung. Denn in der Tat lässt sich über unsere Gottesbeziehung wenig reflektiert aussagen. Zu tief reicht sie hinab in die Tiefen unserer Existenz.


2. Was man sagen kann, ist oft das, was feststellbar ist. Und das sind dann eher die Handlungen und Taten. Man macht die Gottesbeziehung fest an der Art und Weise des Betens, an der Ernsthaftigkeit unserer Lebensführung, an der Bedeutung von Gottesdiensten. Sehr schnell definiert dann der Mensch die Intensität seiner Gottesbeziehung an seinen Taten, wie Beten, Gutes tun usw. Das ist sicherlich irgendwo auch nicht verkehrt, aber es birgt die Gefahr, dass der Mensch denkt, er müsse erst durch Beten, gute Taten, Gottesdienste die Gottesbeziehung herstellen und sie quasi machen. Was fiele dem kleinen Menschen ein, mit seinem Schöpfer und einem unbegreiflichen und heiligem Wesen, Gott, eine Beziehung durch gute Taten aufnehmen zu wollen? Nein, das, was wir Gottesbeziehung nennen, muss sich von Gott her kommend tief in unsere Existenz eingeschrieben haben. Also nicht: „Du, Mensch, wenn Du entsprechend lebst und betest und Gottesdienste besuchst, dann nehme ich, Gott, eine Beziehung zu dir auf.“, sondern: „Ich, Gott, bin das Leben. Ich bin die Lebensfülle. Und alles Leben, alle Schöpfung ist ein Funkenflug meiner Lebensfülle. Deshalb ist Leben, deshalb ist Schöpfung, deshalb ist Mensch, weil ich bin und ihr ein Teil von mir.“ So, von Gott her gesehen, müsste man sagen: Gottesbeziehung kann nicht vom Menschen durch Taten hergestellt werden, sondern Gottesbeziehung ist ganz tief in unsere Existenz eingeschrieben. Sie ist der Grund unseres Seins. Nur weil Gott ist, bin ich.


3. Und diese Gottesbeziehung ist von Gott her nicht eine ideele, d.h. keine Idee, kein Gedanke Gottes, so nach dem Motto: „Ich, Gott, denke mal an euch, weil ihr mir wichtig seid und weil ich euch liebe.“ Nein, sie ist keine ideele, sie ist eine reale. D.h. Gott teilt in seiner Beziehung zu uns nicht seine Gedanken mit, sondern sich selbst. Er schreibt in unser Herz nicht einfach moralische Vorschriften, sondern er ist mit seiner ganzen Fülle selbst so tief in unsere Existenz eingeschrieben, dass ein Leben ohne ihn schlechterdings nicht denkbar ist. Alles, was lebt, lebt, weil Gott das Leben ist und sich mitteilt und verströmt. Und das ist ablesbar geworfen in Christus.


4. Wenn er bei der Taufe die Stimme des Vaters hört: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“, dann kommt doch genau das zum Ausdruck, dass der Sohn nur ist, weil er auf ewig aus dem Vater hervorgeht und sich ihm verdankt. Und um genau das zu beschreiben, bedarf es eigentlich der Bilder. Und eines der schönsten haben wir im Evangelium gehört:


5. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reihe Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt.“ Man kann das mal übersetzen: „So, wie ich, Jesus, mich dem Vater verdanke und aus ihm hervorgehe und seine Lebensfülle in mir ist, so ist deshalb diese Lebensfülle Gottes durch mich auf euch übergegangen. Der Lebensstrom Gottes fließt in euch, weil ich euer Leben angenommen habe bis in die tiefste Dunkelheit am Kreuz. Ihr seid wie die Reben am Weinstock. Sie erhalten ihren Saft durch den Weinstock. Ihr erhaltet die Lebensfülle durch mich. Durch mich ist die Beziehung Gottes, seine Lebensfülle, tief in euer Leben eingedrungen und nicht mehr lösbar aus eurer Existenz.“


6. Hier ist eine ganz neue Art der Gottesbeziehung in den Blick genommen. Nicht mehr jene, die der Mensch machen und durch Taten und religiöse Anstrengungen herstellen müsste, sondern jene, die uns in Christus geschenkt ist. Eugen Drewermann hat das in die schönen Worte gefasst: „Alles, was Jesus verkörpert und sagt, ist so ganz anders als die Aufrufe fanatischer Propheten und asketischer Heroen. Für Christen wird das Himmelreih nicht erkämpft und erobert, indem man wie die Titanen Berge aufeinanderschichtet, um den Himmel zu stürmen. Wenn Christus so von der Macht Gottes in unserem Leben spricht, sagt er gern: Es geht dabei zu wie mit einem Senfkorn, das winzig klein ist, und man möchte darauf nicht eine Kopeke verwetten. Und trotzdem wächst es heran und wird groß, dass die Vögel des Himmels darin ihre Nester bauen können. Oder es geht zu wie bei einem Landmann, der gesät hat. Er selbst weiß nicht, wie es heranreift, er sieht es nur tagaus, tagein. Ohne sein Zutun wächst die Saat. So einheitlich, so harmonisch verbunden sollten wir unser Verhältnis zu Gott denken. Wir sollten die Angst verlieren, die uns immer wieder zwingt zusagen. „Wir aber packen’s, wir schaffen’s, wir machen’s und wir müssen’s machen.“ Die einzige Aufgabe, die wir hätten, bestünde gerade darin, diese Kraftanstrengungen der Verzweiflung sein zu lassen und ein tieferes Vertrauen zu lernen. Wir sollten uns nicht aus Angst und Enge verschließen, sondern uns öffnen für das, was wirklich in uns leben will. Mehr ist durchaus nicht nötig, als Gott nicht zu hindern, der in uns Gestalt und Reifung nehmen will. .. Wann immer wir dies tun, öffnen wir uns mehr dem Wurzelgrund unseres Daseins, reift die Frucht mehr.“

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


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Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8
Freitag 18.30 h Heilige Messe