03.04.2015

Predigt am Karfreitag B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es ist oft so, wenn jemand stirbt, der einem viel bedeutet hat oder wenn jemand unerwartet – schicksalhaft – stirbt, dass dann die große Frage im Raum steht: „Warum?“ Bei Jesus war es nicht anders. Als er starb, fragten sich seine Jünger: Warum? Und diese Frage hat seine Jünger und hat die Kirche später nicht mehr losgelassen. Wie kann das möglich sein, dass der von Gott gesandte Messias so sterben muss? Wieso musste er so sterben, um die Menschen zu erlösen? Hätte die Menschheit nicht einfacher erlöst werden können? Was ist das für ein Gott, der seinen Sohn in so einen grausamen Tod schickt? „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – Ja, wo war Gott? – So fragen heute auch viele.


2. Und auf solche Fragen gibt es Antworten. Gute und gefährliche. Zu den gefährlichen Antworten gehören die, die so oder so ähnlich klingen: Jesus sei gestorben, um Gott in seinem Zorn ob unserer Sünden zu besänftigen. Oder man sagt: Jesus habe das Opfer gebracht, das nötig war, um Genugtuung vor Gott zu bewirken. „Genugtuung“, kein Mensch kann genug tun, nur Jesus als Gottessohn konnte genug tun. Oder man sagt: Jesus habe an meiner Statt die Strafe erduldet, die eigentlich mir zugedacht war. Diese Gedanken sind insofern sehr gefährlich und nahe dem Heidnischen, weil sie – wie im Heidentum – davon ausgehen, dass man Gott oder gar Gottes Zorn beeinflussen kann durch ein Opfer. Man opferte im Heidentum Tiere, mitunter Menschen, in der Absicht, Gottes Zorn zu dämpfen, oder eine gute Ernte zu haben. Egal: Man glaubte, Gott sei irgendwie beleidigt und müsse nun wieder umgestimmt werden, gnädig gestimmt werden, vom Zorn abgebracht werden. Diese Gedanken haben leider auch im Christentum Einzug gehalten. Sie sind aber nicht evangeliumsgemäß. Das sind ganz schlimme Gedanken: Sie hängen auch zusammen mit dem germanischen Denken über „Ehre“. Wenn jemand beleidigt ist, muss man im germanischen Denken die Ehre des Beleidigten wieder herstellen. Man muss Genugtuung leisten, d.h. man muss genug tun, damit die Ehre des anderen wiederhergestellt ist. Dieses germanische Denken hatte auch Einzug gehalten in das Denken über den Tod Christi. Der Tod Christi geht aber von Liebe und der Treue Gottes aus, nicht von seinem Beleidigtsein oder von seinem Zorn. Der Tod Christi muss deshalb als Zeichen der Liebe und Treue Gottes gesehen werden, nicht als Ausdruck von Strafe und Zorn.


3. Liebe drängt immer auf Versöhnung, auf Gemeinschaft, auf Einheit. Gott ist Mensch geworden. Das ist die höchste Tat Gottes zur Versöhnung, zur Einheit zwischen Gott und Mensch. Zum Menschsein gehört aber auch das Dunkle, der Tod, der Hass, die Gewalt. Wenn Gott alles mit sich versöhnen will, wenn nichts Menschliches ausgeklammert sein darf, wenn also das ganze Menschsein in die Einheit mit Gott kommen soll, dann wird der Weg Christi auch der Weg in dieses Dunkle sein. Die Totalannahme des menschlichen Lebens ist erst dort vollzogen, wo alles, was Menschsein ausmacht, auch von Gott angenommen, getragen und ertragen wird. Er ist herabgestiegen in das Reich des Todes. Hier kommt Menschsein und Gottheit zur Einheit. Nichts mehr ist ausgenommen, alles ist angenommen und damit vergeben. Da ist also nicht ein erzürnter Gott, der oben auf Genugtuung wartet, sondern da ist die Liebe Gottes, die so groß ist, dass er hinabsteigt in unser Menschsein bis zum Äußersten. Nichts mehr soll ausgenommen sein, weder Tod noch Sünden noch Gewalt. Alles ist getragen und angenommen.


4. Deshalb ist das Kreuz für uns Christen das Zeichen der Versöhnung und der Treue und der Liebe Gottes. Wäre Christus nicht am Kreuz gestorben, müssten wir zweifeln, ob wirklich alles Dunkle und Abgründe des Menschen auch angenommen und vergeben wären. Wir müssten zweifeln, ob Gott uns bis ins Letzte und bis zum Äußersten lieben würde. Jetzt aber wissen wir, dass dem Menschen nichts mehr anhaftet, was Christus selbst nicht angenommen hätte und mit Gott versöhnt hätte.

Franz Langstein

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Freitag 18.30 h Heilige Messe