02.04.2015

Predigt am Gründonnerstag B15



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Zweifelsohne feiert Jesus heute Abend mit seinen Jüngern das Abendmahl im Wissen, dass es ein Abschiedsmahl ist. Gerade deshalb ist es uns überliefert als „das Letzte Abendmahl“. Und wenn Jesus im Bewusstsein dessen, dass es das letzte Mal sein wird, dass er mit seinen Jüngern beisammen ist, dann wird er sich auch überlegt haben, was denn an so einem denkwürdigen Abend das unterscheidend andere sein wird. Er wird sich überlegt haben, was gerade an so einem Abend dran sein wird als das, was er den Jüngern sozusagen als Vermächtnis hinterlassen kann.


2. Und natürlich kann dieses Vermächtnis nicht einfach nur darin bestehen, den Jüngern ein paar gute Ratschläge mitzugeben. Es kann auch nicht einfach nur darin bestehen – obgleich das schon viel ist – den Jüngern nicht einfach ein Erinnerungszeichen mitzugeben, also sozusagen eine Art Amulett, das, wann immer die Jünger dies sehen, sich an Jesus erinnert fühlen, an ihn denken, ihn bei sich tragen und ihn nicht vergessen.


3. Nein, ein solches Vermächtnis an einem letzten Abend muss anderer Art sein: Es muss so sein, dass in dem, was Jesus hinterlässt, gleichsam sein ganzes Leben, sein ganzes Werk, seine ganze Sendung beinhaltet ist; und zwar so beinhaltet, dass, wann immer dieses Vermächtnis begangen wird, dieses Leben gleichsam neu gegenwärtig und wirkmächtig wird. Mit anderen Worten: Leben und Sendung Jesu sollen nicht in das Dunkel der Vergangenheit versinken, nicht dem Vergessen anheim gegeben sein, sondern allezeit lebendig und wirkmächtig bleiben, so, dass er selbst noch lebendig und wirksam gegenwärtig ist – durch alle Zeiten, als ob er selbst noch lebendig und wirksam wäre. Ein solches Zeichen sollte Jesus setzen am letzten Abend. Um aber ein solches Zeichen setzen zu können, musste er überlegen, welche Zeichen denn am geeignetsten wären, Leben und Sendung Jesu abzubilden und so wirkmächtig zu vergegenwärtigen. Es musste also etwas sein, das in dem Augenblick, in dem diese Zeichen vollzogen werden, gerade im Vollzug dieser Zeichen etwas geschieht, was Leben und Sendung Jesu entsprechen und somit vergegenwärtigen. Es sind also nicht einfach statische Zeichen, sondern ein ganze tief symbolische Handlung. Er wird da sicherlich auf alttestamentliche Vorbilder zurückgreifen können, wie z.B. das Passahmahl, jetzt mal unabhängig davon, ob das Letzte Abendmahl ein Passahmahl oder nicht. Was als könnte so ein Zeichen sein, das das Leben Jesu re-präsentiert?


4. Es ist daher zunächst einmal gut, sich zu fragen, was ist denn Leben und Sendung Jesu gewesen? Was soll da repräsentiert werden? Man kann das ganz kurz zusammenfassen: Jesus kam, um die Versöhnung zwischen Gott und Mensch so zu stiften, dass Gott und Mensch in einem unverbrüchlichen Bund, ja einem untrennbaren Liebesbund in Einheit versöhnt sind. Indem das Ewige Wort des Vaters menschliche Natur angenommen hat, ist diese menschliche Natur untrennbar mit der göttlichen Natur verbunden. Es darf nichts ausgenommen werden, was zur menschlichen Natur gehört: Also auch nicht die Gewalt, die Sünde, der Hass, die Schuld, das Sterben, der Tod. Deshalb geht Jesus auch in diese dunkle Stunde des Todes am Kreuz. Alles Menschliche sollte angenommen und getragen, vergeben und deshalb versöhnt sein. Und es darf nichts ausgenommen werden, was zur göttlichen Natur gehört: Lebensfülle, Liebeserfüllung, Ewigkeit. Deshalb ist in Christus auch die menschliche Natur auferstanden zur Herrlichkeit Gottes. Diese allumfassende, alles übergreifende Versöhnung zu stiften, ist Christus gesandt. Es muss also ein Zeichen geben, dass Leben, Tod und Auferstehung Jesu am besten abbildet. Und welche Zeichen sind dafür passend, dass diese allumfassende Versöhnung weiterhin so lebendig bleibt, dass im Vollzug dieses Zeichen die Versöhnung neu wirksam wird?


5. Und damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage: Was hat sich wohl Jesus überlegt, was er den Jüngern als Abbild seines Lebens und seiner Sendung hinterlassen kann? Und da nimmt er plötzlich Brot und sagt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“. Dieses Brot, das ist wie mein Leben. Ich war Brot für euch und die Menschen. In diesem Brot bleibe ich mit meinen Leben unter euch lebendig. Ich war Brot für die Kranken, so bin es auch heute. Ich war Brot für die Enttäuschten, so bin ich es heute. Ich war Brot für die Ausgegrenzten, so bin ich es auch heute. Durch mich spürten die Menschen die Fülle des Lebens, auch ihr dürft diese Fülle heute empfangen. Dieses Brot, das ist mein Leib, das ist mein Leben, das ist meine Sendung. Bleibend erfahrbar durch alle Zeiten. Und dann nimmt er Wein, und es wird uns der Satz überliefert: „Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Es ist der Wein, der hindeutet auf das Blut, das am Kreuz vergossen wird. Es ist die Totalannahme der menschlichen Natur, einschließlich der Sünde, des Hasses, der Gewalt. Das Blut Christ, am Kreuz vergossen, ist das Zeichen dieser Totalannahme. „Zur Vergebung der Sünden“. Und es ist die Mahlgemeinschaft als solche, die hindeutet auf die unverbrüchliche Zusammengehörigkeit von Christus und den Menschen. Es ist die Gemeinschaft am Tisch, die hindeutet auf die Ewigkeit, auf die Auferstehung. Wir sitzen schon am Tisch Christi, am Hochzeitsmahl. Nicht umsonst bekennt die Kirche gleich nach der Wandlung: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir“.


6. Brot, Wein, Tischgemeinschaft, Leben, Tod und Auferstehung, – das sind die Zeichen, die Jesus beim Letzten Abendmahl eingesetzt hat, damit – wann immer Menschen zusammenkommen zu diesem Mahl – sie in dem Augenblick, wo sie diese Zeichen setzen, Christus wirkmächtig in ihrer Mitte wissen dürfen.

Franz Langstein

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