01.11.2015

Predigt an Allerheiligen 2015



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn uns am heutigen Festtag Allerheiligen die Liturgie das Evangelium von den Seligpreisungen Jesu vorlegt, dann hat das seinen guten Grund, aber es birgt auch die Gefahr eines Missverständnisses. Den guten Grund deshalb, weil uns in den Seligpreisungen das aufgezeigt wird, was es im Leben umzusetzen gilt, damit der Mensch selig wird, damit er und sein Umfeld im Heil leben, in heilsamen Strukturen, damit er somit heilig ist. „Selig, die keine Gewalt anwenden,… die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit,… die Frieden stiften,… die Barmherzigen,…“ usw. So sinnvoll und gut es ist, dieses Evangelium an Allerheiligen vorzusehen, so birgt es doch die Gefahr, dass somit eine Messlatte angelegt wird, vor der wir nur kapitulieren können. Als ob man sagte wollte: „Ja, die Seligpreisungen Jesu, das ist nur was für Heilige. Die haben das vielleicht geschafft.“ Und dann fallen uns natürlich gleich Beispiele ein: Selig die Barmherzigen – ja, die heilige Elisabeth und die heilige Theresia von Kalkutta; ja die haben das geschafft. Selig, die keine Gewalt anwenden – ja, da fallen uns vielleicht die vielen Märtyrer, die eher sterben wollte als gewalttätig zurückschlagen. Oder: Selig, die Frieden stiften – und dann denke ich an meinen Namenspatron, den heiligen Franz von Assisi, der des Öfteren Frieden zwischen verfeindeten Gruppierungen schließen musste. Und dann liegt plötzlich die Messlatte so hoch, dass man denkt: Die Seligpreisungen, das ist ja nur was für Superchristen, für Heilige. Und dann ist die Gefahr groß, dass man die Seligpreisungen nicht mehr ernst nimmt.


2. Wenn, ja wenn es eben da nicht doch eine Seligpreisung gäbe, die diese Gefahr nimmt und alles in ein neues Licht rückt. Und diese Seligpreisung steht gleich ganz am Anfang, als wäre sie eine Art Korrektiv, das uns vor dem Missverständnis, Superleistungen zu bringen, bewahren will. „Selig, die arm sind vor Gott“. Andere Übersetzungen lauten: „Selig, die Armen im Geiste“. Also die geistlich Armen, die spirituell Armen, die vor Gott nichts verweisen können.


3. Vielleicht darf man das auf dem Hintergrund der Zeit Jesu so verstehen? Auch da gab es die Superfrommen, die sich an alle Gebote hielten, religiöse Leistungen vollbrachten, stolz darauf waren. Vielleicht denken wir da an so manche Pharisäer. Und es gab jene, die eben dieses religiöse Pensum nicht schafften; die Unreinen, die religiös Kleinen und Beladenen. Kurz: Es gab jene, die aufgrund ihrer Leistungen meinten, reich vor Gott zu sein; und jene, die arm waren vor Gott, da sie die religiöse vorgeschriebenen Leistungen nicht erfüllten. Den Armen vor Gott wurde Unreinheit angedroht, die Strafe Gottes, die Wohlgefälligkeit Gottes abgesprochen. Und jetzt sagt Jesus: „Selig, die arm sind vor Gott“. Es werden also genau jene seliggepriesen, die keine Leistungen vor Gott vollbringen können. Es werden also jene seliggepriesen, die vor Gott nichts vorrechnen, die keine Punkte gesammelt haben, die nicht glauben, sie müssten Gott zuerst etwas geben, sondern die vielmehr um ihre Armut vor Gott wissen und genau deshalb sich ganz auf Gott verwiesen wissen: Auf seine Liebe, auf seine Gnade, auf seine Barmherzigkeit. Kurz: es werden jene seliggepriesen, die vor Gott arm sind, also Empfangende sind.


4. Wenn wir das so begreifen, dann ist diese erste Seligpreisung tatsächlich wie eine Überschrift, die uns helfen soll, die weiteren Seligpreisungen zu verstehen. Sie sind nämlich kein Leistungskatalog. Und die Heiligen, die wir heute verehren, waren keine Hochleistungschristen. Das was sie taten, kam nicht aus äußerster Anstrengung, es kam aus dem Herzen. Ihre Barmherzigkeit war keine Anstrengung, sondern selbstverständliche Konsequenz aus dem liebenden Herzen. Ihr Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden war kein Opfer, sondern kam aus dem inneren Leiden, das sie empfanden, wenn es Streit und Unversöhnlichkeit gab. Nicht auf Leistung kommt es an, sondern auf das Herz. Deshalb waren die Heiligen sympathisch und keine verbitterten Hochleistungschristen, denen man ihren Stolz auf ihre religiöse Leistung und ihre Verbitterung ansieht, weil andere, die diese Leistungen nicht vollbringen, vielleicht auch in den Himmel kommen könnten. Nein, das sind keine Heiligen. Wenn aber die christlichen Tugenden aus dem Herzen kommen, dann macht das den Menschen sympathisch, selig.


5. Ich will mit einem Text von Andrea Schwarz schließen:

Lerne schätzen
Was dir geschenkt wird
Und beleidige den Schöpfer nicht
Durch die Zurückweisung seiner Gabe.


Beende die Knechtschaft
Falsch verstandenen Verzichts
Der niemandem zugutekommt
Und nur verdrießlich macht.


Halte ein mit deiner Selbstzerstörung
Und deiner Aufopferung
Wenn sie dich nicht
Zum Leben befreit.


Flüchte nicht vor dir
zu den anderen
Flüchte nicht vor Gott
In Gesetze Riten Vorschriften.


Stell dich dem leben
Und seiner Lebendigkeit
Lerne genießen dort wo dir geschenkt wird
Und lerne verzichten wo es notwendig ist


Ein Opfer
Das niemand will
Niemandem nutzt
Dir selbst nicht gut tut
Nimmt Gott
Nicht an

 

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
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Freitag 18.30 h Heilige Messe