30.11.2014

Predigt am 1. Adventssonntag B15

Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7; Mk 13,24-37


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Advent, liebe Schwestern und Brüder, - und ich meine wirklich den Advent und nicht die Vorweihnachtszeit -, feiert einen Gott, den wir erwarten dürfen, ohne dass wir deshalb schon wüssten, wen wir mit „Gott“ eigentlich erwarten. Da niemand Gott kennt, kann auch niemand sagen, wen wir da zu erwarten haben. Ganz allgemein kann man sagen: wir erwarten die Erfüllung unserer Sehnsucht, unseres Gerechtigkeitsempfindens, unserer Liebe und unseres Glücks. Das von Gott zu erwarten, ist nicht zu viel. Warum dürfen wir das erwarten? Weil Gott treu ist und zu den Menschen steht und sie nicht verlässt. Deshalb ist jede Sehnsucht nach Gott, jedes Hoffen auf Gott, jede Erwartung auf das Kommen Gottes, jedes Vertrauen in Gott gerechtfertigt. Denn Gott ist treu und kann Vertrauen nicht enttäuschen. Genau das steht im Mittelpunkt der Adventszeit. Wir dürfen Gott erwarten, dürfen mit ihm rechnen als die höchste Erfüllung unseres Lebens.


2. Aber – man hört schon förmlich den Einwand – gibt es nicht genügend Menschen, die auch auf Gott gehofft haben, ihn erwartet haben, auf ihn vertraut haben und doch bitter enttäuscht wurden? Gibt es nicht auch dieses unbegreifliche, manchmal gleichgültig erscheinende Schweigen Gottes? Gibt es nicht Katastrophen und Untergänge, die nicht verhindert wurden, sondern den Menschen in seinem Gottvertrauen zutiefst erschüttert haben? Wenn wir diesen Einwand in uns spüren, ist das etwas absolut zutiefst Menschliches – ja wir sind schon mitten drin im heutigen Evangelium.


3. „In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ Die Bibel kennt diese Erschütterungen, diese Not, diese Katastrophen. Unser Leben wird nicht schön geredet. „Dann“, so fährt das heutige Evangelium fort, „wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.“ Was hier in einer großartigen Bildersprache gesagt wird, müssen wir für uns neu übersetzen.


4. Es ist hier die Rede vom Ende. Und wir können dieses Ende ruhig auf verschiedene Weise verstehen: Ende der Zeiten, Ende der Geschichte, Ende der Welt, aber auch Ende des eigenen Lebens, Ende von Beziehungen, Ende von Freundschaften, Ende von schönen Zeiten. Es ist egal: Es geht immer um die Erfahrung dessen, dass nichts Irdisches ewig dauert, sondern einmal endet. Nichts bleibt so, wie es ist. So gern wir all das Schöne und für uns Wichtige und Bedeutsame festhalten wollen, es wird nicht funktionieren. Wir müssen irgendwann loslassen. Das ist keine Drohung, das ist keine Schwarzsehen, sondern Realität unseres Daseins. Die Lichter gehen irgendwann mal aus. Oder in der Sprache des heutigen Evangeliums: „Die Sonne wird sich verfinstern und die Sterne fallen vom Himmel.“ Ein Ende geht einher mit Verfinsterung, Trauer und Schmerz. Loslassen ist nicht immer einfach. Ganz am Ende müssen wir unser Leben lassen. In diese Erfahrung von Ende, von Loslassen, von Abschied, von Hinfälligkeit, steht aber auch dieser Satz: „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit kommen sehen“. Es scheint fast so zu sein, als ob man den Menschensohn nur kommen sehen kann, nachdem sich alles andere verfinstert hat. Vielleicht kann man es vergleichen mit einem Beispiel aus der Astronomie. Die Sterne stehen immer am Himmel, auch tagsüber. Aber man sieht sie nicht, weil ein helleres Gestirn, die Sonne, alles überstrahlt. Erst wenn die Sonne untergegangen ist, tauchen die ersten sehr hellen Sterne auf, dann später die lichtschwächeren und irgendwann erstrahlt der ganze Himmel in seiner Sternenpracht, wenn nicht gerade „Marburg buy Night“ ist.


5. Ich glaube, man kann das durchaus so vergleichen: Unser Leben ist immer ein unterwegs sein. Wir sind Pilgernde. Auf dieser unserer Lebenswanderung machen wir die Erfahrung von Loslassen, vom Ende schöner Zeiten, von Schmerz und Trauer. Aber dieses Loslassen ist jetzt vom Evangelium her neu gedeutet, nicht einfach nur ein Schicksalsschlag, sondern, indem irdische Lichter erlöschen, werden wir des einzig wahren Lichtes, Christus, gewahr, als den, der alles trägt. Wer loslässt, wird gewinnen, wer verliert, wird gewinnen, hat Jesus einmal sinngemäß gesagt. Und am Ende erlischt das eigentliche Lebenslicht, aber doch auch nur, weil dieser unser Leib nicht fähig ist, die Herrlichkeit Gottes zu schauen. Er ist das letzte, was wir loslassen und abstreifen müssen, um so „den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit zu sehen“, von Angesicht zu Angesicht.


6. Ja, der Advent feiert diese Hoffnung auf das Kommen Gottes. Es müssen erst viele Sonnen sich verfinstern und Sterne vom Himmel fallen, - so ist nun mal unser Leben und unsere Welt -, aber nicht schicksalhaft, sondern als ganz realistische Annahme unseres gebrechlichen Lebens, dem aber in der Erfahrung seiner Vergänglichkeit verheißen ist, dem Unvergänglichen zu erwarten und zu begegnen und Erfüllung zu finden.

Franz Langstein

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