29.05.2014

Predigt an Christi Himmelfahrt A14

 


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Christi Himmelfahrt – da geht jemand, der so kostbar und wertvoll war, für immer fort und setzt sich zur Rechten des Vaters, und die Menschen werden seiner verlustig. Da geht jemand, der so viel Hoffnung, Liebe und Glaube, Trost, Zukunft, Verheißung gebracht hat. Die Welt – so pflegt man doch anlässlich eines solchen Verlustes zu sagen – ist ein Stück ärmer geworden. Ist es nicht so?


2. Da blitzte etwas auf in und durch Jesus und ist jetzt wieder weg; fährt weg in den Himmel. Für einen kurzen aber intensiven Moment hat der Himmel die Erde berührt. Für einen Wimpernschlag der Milliardenjahre langen Weltgeschichte blitzte ein göttlicher Funke, ähnlich einer Sternschnuppe in dunkler Nacht. Man durfte sich was wünschen: „Hilf mir Herr, stet mir bei, mach mich heil“, und die Bitte wurde erfüllt. Auf einem paar Quadratkilometer großen Flecken unseres Globus‘ war jemand, durch den in diesem Landstrich ein Licht aufging. „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht“, hörten wir an Weihnachten. Und wer sich in dieses Land begibt, kann dies wie ein Nachbeben noch spüren. Da stehen Menschen auf den Berg der Seligpreisungen und hören die Worte der Bergpredigt: „Selig die Barmherzigen, selig die Trauernden, selig die Frieden stiften, selig die Verfolgten“. Sie hören Worte tiefen Vertrauens gegen die Angst: „Schaut auf die Lilien des Feldes und die Vögel des Himmels.“ Sie hören Worte einer Liebe, die stärker ist als alle Feindschaft: „Ihr aber sollt eure Feinde lieben“. Und manche haben Tränen in den Augen und ahnen, dass ausgerechnet hier der Himmel die Erde berührt hat, in Jesus Christus. Für einen Augenblick, einen Wimpernschlag war alles anders, so leicht, so klar. Und man hört die alten Geschichten, wie Verzweifelte Heilung erfuhren. Aussätzige, Ausgegrenzte finden zurück in die Gemeinschaft. Die Ehebrecherin, die von verhärteten Frommen, die vor lauter Gebote halten die Barmherzigkeit vergessen haben, gesteinigt werden sollte, hört das Wort: „Ich verurteile dich nicht“. Zachäus, der sich in Habsucht und Schuld verrannt hat, wird daraus befreit und öffnet sich den Menschen: „Was ich ihnen zu viel weggenommen habe, will ich ihnen vierfach erstatten“. Herzen verwandelten sich. Da hat jemand gegen allen Zweifel ganz einfach gesagt: Ihr dürft zu Gott sagen Vater unser. Voll Vertrauen. Auch in der Finsternis. Ja, für einen Augenblick hat Gott die Erde geküsst. Hoffnung keimte auf.


3. Und heute geht er fort. Zurück dorthin, woher er kam. Er setzt sich zur Rechten seines Vaters. Ist jemand traurig? - Karl Rahner hat im Zusammenhang mit dem heutigen Fest „Christi Himmelfahrt“ einmal festgestellt: „Er ist von uns gegangen. Es ist erschreckend, dass wir darüber keinen Schmerz empfinden…. Wir müssen uns erst lange besinnen, bis wir – vielleicht – ein Weniges davon begreifen, dass wir über seine Ferne untröstlich sein sollten… Wir müssten ihn eigentlich festhalten. Es müsste uns eine entsetzliche Angst befallen über die Leere, die er bei uns hinterlässt.“ In der Tat: da geht einer, der uns auf einzigartige Weise Gott so nahe gebracht hat, dass Hoffnung die Menschen erfüllte, und niemand ist traurig über diesen Verlust. Und müssten wir nicht erschrecken über seine letzten Worte, die da wie ein Schlussakkord stehen, der uns nun aus dem festlichen Konzertsaal entlässt in den banalen Alltag? „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Übersetzt heißt das: Setzt das fort, was ich begonnen habe! Die Festlichkeit ist vorbei, der Umgang mit Christus ist Vergangenheit. Jetzt sind wir auf uns angewiesen. Der Alltag beginnt wieder.


4. Aber wir gehen in den Alltag neu – mit einer Vision, mit einem Wissen, wie es sein könnte, wenn jemand ganz von Gott erfüllt ist. Und das können wir nicht machen. Da müssten wir erschrecken, wenn uns Christus ein Werk anvertraute ohne Beistand. „In wenigen Tagen schon werdet ihr mit dem Heiligen Geist getauft“, verspricht er vor seiner Himmelfahrt. „Der Beistand, der Heilige Geist“, wie es im Johannes-Evangelium heißt. Es ist Sein Geist, der Geist Jesu Christi, der für einen kurzen Augenblick aufblitzte.


5. Und jetzt soll er durch uns aufblitzen. In uns, mit uns. Und in dem Maß, wie das gelingt, bleibt er bei uns, in diesem Geist erfahrbar. „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Die Welt ist ärmer geworden, weil er weg ist. Die Welt ist reicher geworden, weil er durch uns da ist.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe