26.01.2014

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis A14

Mt 4,12-23


„Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt.“

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Diese eher nebensächlich erscheinende Notiz am Anfang des heutigen Evangeliums hat mich doch ins Grübeln gebracht über eine Sache, die mich schon längere Zeit nachdenklich macht. Wenn Jesus der Sohn Gottes ist, - und davon sind wir als Christen ja überzeugt -, warum lebt der Gottessohn so unscheinbar unter den Menschen. Da ist zunächst die ganz im Verborgenen stattfindende Ankündigung der Geburt durch den Engel. Selbst Josef wusste davon zunächst nichts, wen da Maria empfangen hat. Dann die Geburt des Gotteskindes in irgendeinem Winkel Israels, abseits. Eine Krippe bei Bethlehem war sein Ort. Außer ein paar Hirten und später den rätselhaften Weisen aus dem Morgenland hatte niemand davon Notiz genommen. Und dann die vielen Jahre völlig unscheinbaren Daseins: Als Kind in Nazareth, als Jugendlicher, als junger Erwachsener. Das ewige Wort des Vaters lebte in völliger Zurückgezogenheit, ganz normal, wie vielleicht jeder Mensch in Nazareth oder ähnlichen Kleinstädten. Die Überlieferung – sofern sie ernst zu nehmen ist – schweigt sich hier völlig aus. Das Wort des Vaters hat unter uns gewohnt und niemand hat es erkannt oder davon gewusst, weil es einfach nicht zu erkennen war. So viele Jahre. Und dann folgte die Taufe: Jesus hört die Stimme vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Dann geht er in die Wüste, wieder in die Abgeschiedenheit; und heute hörten wir, dass sich Jesus nach der Gefangennahme des Täufers „nach Galiläa zurückzog, um in Kafarnaum zu wohnen.“ Wieder so ein unbedeutendes Nest. Das ist kein geschichtsträchtiger Ort; hier leben ein paar Fischer mit ihren Familien und einfache Menschen. Warum lebt der Gottessohn, der eine solche Strahlkraft hat, nicht dort, wo sein Licht viel mehr Menschen erfassen kann? Das ist ja ungefähr so als ob sich ein bedeutender Mathematik-Professor auf eine Dorfschule zurückziehen würde.


2. Andererseits aber: Hat Jesus irgendwas falsch gemacht? Die spätere Geschichte hat ihm Recht gegeben. Sein Name ist heute in aller Welt bekannt; in allen Kontinenten glaubt man an ihn. Kaum nach seinem Tod und seiner Auferstehung war sein Name in allen großen Städten bekannt, bis nach Rom. Und nach dreihundert Jahren war die Bewegung, die sich auf ihn berief, - das Christentum –, zur Staatsreligion gemacht worden. Im Basketball sagt man: Wer trifft, hat Recht. Hat Jesus doch Recht gehabt, erst unscheinbar, ganz klein, anzufangen? Aber vielleicht gibt es hinter dieser Haltung Jesu ein Gesetz des Lebens und ein Gesetz des Glaubens.


3. Jesus wird später einmal sagen, dass es sich mit dem Himmelreich so verhalte wie mit einem Senfkorn. Es sei eines der kleinsten Körner. Wenn es aber gesät ist, würde es wie von selbst zu einer großen Staude heranwachsen. So ist in Jesus das Wort des Vaters hinein gesät in diese Erde, unscheinbar, verborgen; und es braucht seine Zeit, bis es aus der Verborgenheit heraustritt und wie von selbst wächst und größer wird. Vielleicht haben wir hier so eine Art göttliches Gesetz?


4. Ich hatte in der letzten Woche seit langer Zeit wieder mal eine gute alte Freundin getroffen. Sie ist heute Mutter von drei Kindern. Und wir hatten uns viel zu erzählen. Sie war als Jugendliche immer in der Kirche und später, im Studium und nach der Hochzeit fiel es ihr schwer, Zugang zur Kirche zu finden. Ja, sie trug sich mit dem Gedanken, aus der Kirche auszutreten. Dann ging ihre erste Tochter zur Erstkommunion. Zum Glück fanden sie Heimat in einer guten Gemeinde. Und da erwachte in ihr wieder das alte religiöse Interesse. Der Tochter gefiel die Kommunionvorbereitung so gut, dass sie gleich danach Ministrantin wurde. Und so fand auch die Mutter wieder zurück in eine religiöse Beheimatung.


5. Es könnte wohl tatsächlich so sein: Ist das Göttliche einmal gesät und legt man ihm keine Steine in den Weg, dann wächst das mächtig heran. Man muss absolut keine Sorge oder Ungeduld haben, wenn es nicht sofort sichtbar wird. Es hat seine Wirkkraft und seine Ausstrahlung. Jesus konnte jahrelang als Kind und Jugendlicher und junger Erwachsener im Verborgenen bleiben. Er konnte harmlose Fischer, einfache Menschen, als seine Jünger berufen; nichts Spektakuläres. Einfach das Vertrauen: Wenn das Wort Gottes gesät ist und wenn es unter uns ist, dann wächst es auch. Jesus hatte wohl ganz offensichtlich dieses Vertrauen. Und das würde ich mir auch für unsre Kirche wünschen: Wenn wir heute nicht mehr so bedeutend sind, wenn wir mehr und mehr zurückgedrängt werden, wenn wir immer weniger werden – vielleicht hat es seinen Grund. Vielleicht sollten wir wieder Mut haben zur Verborgenheit, wissend, dass das Göttliche immer eine Ausstrahlung hat. Und darauf vertrauend, dass nach einer Zeit der Unscheinbarkeit und Verborgenheit wieder eine Zeit kommen kann, in der das Wort Gottes wie ein Senfkorn neu heranwachsen kann wie eine Staude. Ich hätte mir von unserer Kirche gewünscht, dass sie zu dieser Ruhe und Stille gefunden hätte, statt Stress zu machen und einen Pastoralplan und einen Pastoralverbund nach dem anderen aufzustellen und in übereifriger Missionstätigkeit den Leuten die Wahrheit um die Ohren zu schlagen. Jesus hat sich auch zuerst in ein ganz unscheinbares Dorf namens Kafarnaum zurückgezogen. Und was ist dann daraus geworden!

Franz Langstein

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