19.10.2014

Predigt am 29. Sonntag A14

 


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“, so haben wir gerade am Ende des Evangeliums gehört. Ein uns allen geläufiges Wort, fast schon ein Sprichwort, das zum Ausdruck bringen will, was wir dem Staat und was wir Gott gerechtfertigterweise schulden. In der Tat hat man in der christlichen Soziallehre mit diesem Wort ganze Abhandlungen darüber verfasst, was ein Christ einem Staat schuldet, welche Verpflichtungen er dem Staat gegenüber hat; das ganze nochmals modifiziert, wenn es sich um tyrannische Staaten handelt usw. Ich weiß nicht so recht, ob mit diesem Satz im Matthäus-Evangelium Jesus die Absicht verfolgt, ein Nachdenken über die Schuld des Christen gegenüber dem Staat zu veranlassen. Vielleicht liegt doch das Hauptinteresse dieses Evangeliums auf dem, was gleich zu Beginn geschrieben steht: „Die Pharisäer kamen zusammen, um ihn eine Falle zu stellen.“ Es geht also nicht um Christenpflicht, sondern um eine Falle. Und interessant ist, wie Jesus darauf reagiert. Worin besteht die Falle?


2. Kaiser Tiberius hatte im Jahre 7 eine Kopfsteuer eingeführt. Für die Juden war dies nun ein besonderes Problem. Die Zeloten, also die für Gott und jüdischem Gesetz Eifernden, waren strikt dagegen. Sie riefen zur Steuerverweigerung auf. Dem gottgleichen Kaiser habe man nichts zu geben. Allein dem wahren Gott habe man zu opfern. Die Pharisäer dagegen waren anderer Meinung. Man müsse um des Friedens willen eine Fremdherrschaft mit ihren Forderungen auch ertragen. Diese Frage nach der Steuer berührt also nationale und religiöse Interessen der Juden. Diese stehen konträr zueinander. Und genau darin besteht die Falle: Hätte sich Jesus für die Steuerverweigerung ausgesprochen, hätte er einem politischen Aufruhr das Wort gesprochen. Entschiede er sich für die Steuerzahlung, könnte ihm dies als Anerkennung des Kaiserkultes und damit als Verstoß gegen das Gebot der Einzigkeit Gottes ausgelegt werden. Jesus ist also in einem Dilemma. Die Antwort und Reaktion darauf ist nun von Interesse.


3. Jesus verlangt eine Steuermünze zu sehen. „Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Nun müssen sie zugeben, dass auf der Münze das Bild und die Aufschrift des Kaisers sind. Die Aufschrift auf einem Denar lautet: „Tiberius Cäsar, des göttlichen Augustus Sohn“ Das ist doch schon ziemlich peinlich. Darf man sich doch kein Bild von Gott machen, erst nicht Bilder anderer Gottgleicher bei sich tragen. Und somit ist für Jesus klar: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“


4. Und in diesem Zusammenhang von Bild und Aufschrift wird die Antwort klar. Die Münze trägt Bild und Aufschrift des Kaisers. Also gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Was aber Bild und Handschrift Gottes trägt, das gebt Gott. Und das ist der Mensch. Er ist Ebenbild und Geschöpft Gottes. Der Mensch trägt Gottes Bild in sich und das menschliche Leben trägt Gottes Handschrift. Gebt also die Münze dem Kaiser, weil sie sein Bild trägt; aber gebt euch selbst Gott, weil ihr Gottes Bild in euch tragt.


5. Es geht also nicht um einen gesellschaftlichen Diskurs über die Pflichten eines Christen gegenüber dem Staat, es geht um das viel wesentlichere: „Gebt Gott, was Gottes ist.“ Verweigert euch nicht seiner Liebe. Lasst euch von ihm beanspruchen. Ihr tragt sein Bild in euch.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe