17.08.2014

Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis A14

 Mt 15,21-28


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor zwei Wochen war ich mit einigen unserer Ministranten auf der bundesweiten Ministrantenwallfahrt in Rom. Es war eine sehr schöne und erlebnisreiche Woche. Natürlich muss man die vier Hauptkirchen Roms besuchen. Dazu gehört auch die für mich schönste Kirche Roms, Santa Maria Maggiore. Die große Marienkirche. Neben einer legendären Entstehungsgeschichte dieser Kirche vermutet man aber als wahren Grund für den Bau, dass Papst Sixtus III. nach dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 die Kirche hat bauen lassen. Nach heftigen Streitereien über die wahre Natur Christi, wahrer Gott oder nicht, wahrer Mensch oder nicht, und ob man deshalb Maria die „Gottesgebärerin“ nennen dürfe, entschied das Konzil zu Ephesus, dass man Maria als Gottesgebärerin verkünden darf. Dies soll der Anlass gewesen sein, die großartige Kirche Maria Maggiore zu bauen.


2. Ich habe dies versucht, unseren Ministranten in Rom zu erklären. Natürlich drängt sich dabei die Frage auf, - die aber keiner gestellt hat -, wie denn der Begriff „Gottesgebärerin“ zu verstehen sei. Gott könne doch nicht geboren werden – er, der von Ewigkeit her ist. Niemand, erst recht kein Mensch, könne Gott ins Dasein bringen. Für einen strengen philosophischen Gottesbegriff und für viele andere Religionen ist der Begriff „Gottesgebärerin“ etwas vollkommen Unverständliches, ja ein Frevel. Und doch drückt sich in diesem Wort „Gottesgebärerin“ eine ganz tiefe Wahrheit aus.


3. Natürlich in Bezug auf Maria, dass sie das ewige Wort des Vaters, Gottes Sohn, in die Welt hinein geboren hat. Durch Maria konnte Gott selbst als Mensch in die Welt hineinkommen. Deshalb „Gottesgebärerin“. Und genau damit wird ein ganz tiefer Gedanke ausgesprochen, den wir viel allgemeiner fassen müssen: Es geht um besondere Art von Fruchtbarkeit, nämlich einer geistlichen Fruchtbarkeit. Im Johannesevangelium heißt es: „Jesus sagte zu seinen Jüngern: Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ Was meint aber „geistliche Fruchtbarkeit“?


4. Geistliche Fruchtbarkeit hat zur Voraussetzung, dass Gott ein Gott ist, der nicht bei sich selbst bleibt, sondern der sich offenbart, der sich mitteilt, der sich schenkt und hingibt. Diese Selbstmitteilung Gottes ereignet sich aber vornehmlich durch Menschen, vor allem durch das Volk Israel und später durch die Kirche. Aber nicht nur. Indem Gott sich hingibt und sich selbst mitteilt, bringt er sich durch Menschen selbst in die Welt hinein. Menschen, durch die Gott erfahrbar wird, sind „geistlich furchtbar“. Bringen sozusagen Gott hervor, in die Welt hinein.


5. Und ich denke, dass wir auch so einmal das heutige Evangelium verstehen können. Jesus wird in der Gegend von Tyrus und Sidon von einer kanaanäischen Frau angesprochen, also von einer heidnischen Frau. Sie bittet Jesus um Hilfe wegen ihrer kranken Tochter. Jesus verweigert zunächst die Hilfe mit dem Hinweis, er sei zuerst zu den Juden gesandt, nicht zu den Heiden. Doch die Frau widerspricht und sagt: „Aber selbst die Hunde (gemeint sind die Heiden) bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ Jesus ist über diesen Satz so erstaunt, dass er der Frau bescheinigt: „Frau, dein Glaube ist groß.“ Was hat die Frau hier angesprochen, so dass Jesus sofort seine Meinung änderte?


6. Die Heiden bekommen von den Brotresten, die vom Tisch fallen. Die Frau spricht die „geistliche Furchtbarkeit“ des Volkes Israel an. Die Juden haben die Gottesoffenbarung; Gott hat sich im brennenden Dornbusch geoffenbart als Gott, der da ist für das Volk. Die Juden haben die Zehn Gebote als das große Freiheitsdokument. Sie haben den Monotheismus in reinster Form – nicht einmal ein Bild darf man sich von Gott machen. Sie haben die Propheten mit den sozialethischen Impulsen: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“. Religion muss sich an Barmherzigkeit und Gerechtigkeit messen. Die Juden haben ein tiefes Gottvertrauen selbst dann noch, wenn es in der Geschichte der Juden schon lange vor Christus, aber auch nach Christus, immer wieder galt, in die Verbannung, Verfolgung und Unterdrückung zu ziehen. Gott hat sich durch das Volk Israel hindurch in die Welt hinein geoffenbart, so sehr in die Welt hinein geoffenbart, dass im Buch Jesaja schon geschrieben steht: „Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker sein“. Von diesem Haus fällt vieles ab für alle Völker. So sehr wird Israel geistlich furchtbar sein für die Welt. Und genau das bekennt die heidnische Frau: Vom Tisch Israels fällt so viel aber für die Heiden, für die Welt, auch für uns Christen, denken Sie nur an die Psalmengebete, denen wir so viel zu verdanken haben. Es geht also um die überfließende Selbstmitteilung Gottes, die in die Welt hinein geschehen soll, aber nicht einfach so, sondern durch Menschen, durch Gemeinschaften, durch ein Volk. Diese werden dann „geistlich fruchtbar“, sie gebären Gott in die Welt hinein. Israel hat den sich offenbarenden Gott in die Welt hineingeboren, ihn der Welt bekannt gemacht. Vom Tisch Israels ist so viel heruntergefallen für alle.


7. Santa Maria Maggiore. Maria als Gottesgebärerin. Da schließt sich der Kreis wieder. Wenn wir Maria als Urbild der Kirche verehren, dann heißt das für die Kirche, dass auch sie „Gottesgebärerin“ ist. Sie gebiert immer wieder neu Gott in unsere Welt hinein. Und zwar durch die, die zu ihr gehören. „Ich sende euch, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt“. Jede gute Rede von Gott, jede Tat der Liebe, jedes Sakrament, jeder Gottesdienst ist ein fruchtbares Geschehen. Dadurch wird Gott in unsrer Welt nicht vergessen, bleibt er lebendig. Wie schön wäre es, wenn Menschen - wie die heidnische Frau - sagen könnten: „Vom Tisch der Kirche fällt so viel Gutes ab für die, die nicht zur Kirche gehören.“ Kirche ist geistlich fruchtbar, bringt Gott zur Erfahrung.

Franz Langstein

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