17.04.2014

Predigt am Gründonnerstag A14

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir feiern heute Abend zwar die „Messe vom Letzten Abendmahl“, aber ich möchte heute Abend meine Gedanken zum Letzten Abendmahl einbetten in ein größeres Ganzes, das heute Abend auch in den Blick kommt. Es ist die Einsamkeit Jesu, wie sie sich besonders zeigt im Garten Getsemani, in den Jesus nach dem Abendmahl geht, um allein zu beten und seinen Vater zu bitten, dass der bittere Kelch des Leidens an ihm vorübergehen möge. Seine Jünger schlafen dabei und nehmen kein Anteil an seiner Angst. Jesus ist mit seiner Angst ganz allein.


2. Ich kann mir vorstellen, dass Jesus diese Einsamkeit oft erlebt hat. Es ist eine Einsamkeit, die aus dem Unverständnis der Mitmenschen herrührt. Wie sollten die Menschen auch den verstehen, der von Gott kommt, der uns Göttliches kündet? Gott ist den Menschen so oft so fremd. Jesus hat dieses Unverständnis erfahren. Die Massen folgten ihm, weil sie Wunder sehen wollten, weil sie bei der Brotvermehrung satt geworden sind. Die Jünger folgen ihm, weil sie in ihm den Retter Israels sehen. Aber verstanden haben sie ihn nicht. Als Jesus zum ersten Mal von seinem Tod spricht, widerspricht ihm Petrus: „Das darf nicht mit dir geschehen“. Und auch von den andere Jüngern heißt es: „Sie verstanden Jesu Worte nicht“. Auch die Fußwaschung war ihnen völlig fremd. „Niemals sollst du mir die Füße waschen“, ist es wiederum Petrus, der Widerspruch anmeldet. Es gibt eine Einsamkeit, die kommt aus dem Unverständnis der Menschen um einen herum. Dann die furchtbare Einsamkeit im Garten Getsemani, - heute Nacht -. Jesus hat das Gefühl, auch sein Vater verstehe ihn nicht. „Lass den Kelch an mir vorüber gehen“. Jesus war mit seiner Göttlichkeit von den Menschen unverstanden, nun scheint es, dass er sich wegen seiner Menschlichkeit von Gott nicht verstanden fühlt. Es war für mich ganz beeindruckend, als ich bei meiner letzten Israelfahrt in der Nähe der Kirche „St. Peter in Gallicantu“ ein Verließ besuchte, von dem es heißt, dass es das Verließ sei, das im Palast des Hohepriesters Kajaphas war, zu dem Jesus in der Nacht auf Karfreitag gebracht wurde. Man muss natürlich mit solchen historisierenden Ortsangaben vorsichtig sein, aber dennoch vermittelt es ein Gefühl tiefer Einsamkeit, wenn man in dem Verließ steht und sich vorstellt, dass Jesus die Nacht vor seinem schrecklichen Tod ganz allein in so einem Verließ verbracht hat.


3. Die Einsamkeit Jesu – unverstanden von den Menschen, in seiner Todesnot scheinbar noch verlassen von Gott. Blut hat er geschwitzt, so heißt es. Was ist das für eine Einsamkeit. Eine kleine Randnotiz will ich einmal zur Deutung dieser Einsamkeit heranziehen. Jesus begibt sich heute Nacht vom Abendmahlsaal in die Einsamkeit des Gartens Getsemani. Den „Garten“ will ich bildhaft deuten. Wir haben den Garten auch in der zweiten Schöpfungserzählung im Buch Genesis. Adam und Eva leben im Paradiesgarten. Durch ihr Aufbegehren gegen Gott werden sie aus dem Garten vertrieben. Der Garten wurde zum Ort der Vertreibung, zum Ort der Gottferne, zum Ort der ersten Sünde, der Ursünde, zum Ort der Auflehnung gegen Gott. Jesus kehrt zurück in den Garten. Es kann daher nur der Garten der Angst sein, der Garten, in dem er Blut schwitzt, weil er diese Ursünde des Menschen selbst durchleidet und durchleiden wird. Der Garten soll aber wiederhergestellt werden. Er soll wieder zum Ort der Gottesbegegnung, der Versöhnung von Gott und Mensch werden. Ostern ist es Maria von Magdala, die wiederum Jesus in einem Garten begegnet; jetzt ist er der Auferstandene, alle Angst ist aus dem Garten entwichen. Er ist zum Ort der Versöhnung und des österlichen Jubels geworden. Aber soweit sind wir jetzt noch nicht.


4. Wenn ich nun einmal diese Einsamkeit Jesu als Folie nehme für das Abendmahl, dann bekommt von daher dieses Abendmahl eine ganz tiefe Bedeutung. Jesus hat unsre Einsamkeit geteilt, die Adam im Garten Getsemani verschuldet hat. Jesus ist hinabgestiegen in unsere Entfremdung von Gott, unsere Entfremdung zu den Mitmenschen und in unsere Entfremdung zu uns selbst – wir sind uns ja selbst oft genug fremd – und diese unsere Einsamkeit teilt er mit uns, in dem er selbst einsam wird. Und so hält er mit uns ein Mahl der Gemeinschaft, ein Mahl der Versöhnung, ein Mahl der Hoffnung und der Erlösung. Jesus hat zu Lebzeiten immer wieder die Mahlgemeinschaft gesucht. Und beim Letzten Abendmahl unüberbietbar für alle Zeiten deutlich gemacht: Ihr Menschen in all Eurer Entfremdung und Einsamkeit habt Gemeinschaft mit mir, mit Gott, mit den Mitmenschen. Ich habe eure Einsamkeit getragen und mit Gott versöhnt. An diesem einen Tisch. Schon leuchtet der österliche Garten auf. Das Leben ist mit Gott versöhnt.

Franz Langstein

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