15.06.2014

Predigt am Dreifaltigkeitssonntag A14



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Unser neuzeitliches Denken und unser wissenschaftliches Weltbild haben neben vielem sehr guten Errungenschaften die Gefahr mit sich gebracht, dass wir notwendigerweise uns begreifen müssen als der Welt gegenüberstehend, um sie überhaupt als Objekt verstehen und dem naturwissenschaftlichen Zugriff unterwerfen zu können. Es kam zur Trennung zwischen dem forschenden Subjekt, der Mensch, und dem zu unterwerfenden Objekt, die Natur. Dies hat sich tief ins Bewusstsein des neuzeitlichen Menschen eingegraben. „Ich stehe der Natur gegenüber.“ Die Welt, das ist alles außerhalb von mir. Der Mensch ist in der Gefahr, alles außerhalb seiner selbst als Objekt zu begreifen. Dieser Dualismus, die strikte Trennung von Subjekt (Mensch) und Objekt (Natur) hat einerseits viele Errungenschaften hervorgebracht, aber andererseits trägt dieses Bewusstsein auch mit dazu bei, dass wir uns frei an der Natur bedienen, ohne zu spüren, wie sehr wir selbst uns Schaden zufügen, wenn wir der Natur Schaden zufügen. So langsam dämmert es, in geistlichen Zirkeln, Meditationsgruppen, aber auch durch die Quantenphysik, die ja deutlich sagt, dass man zwischen dem Beobachter und dem zu Beobachtenden gar nicht scharf trennen kann, - bei mir persönlich war es die Beschäftigung mit der Astronomie, die mich ahnen ließ, wie sehr ich Teil bin eines Gesamtkunstwerkes – so langsam also dämmert es, dass der Dualismus nicht der Realität entspricht. Dieses Denken in Subjekt und Objekt mag naturwissenschaftlich angemessen, ja notwendig sein, entspricht aber nicht unsrem tiefsten Wesen, unserem existentiellen Eingebettet sein in ein ganz großes Ganzes, aus dem heraus wir uns nicht einfach als Subjekte katapultieren können.


2. Und da feiern wir Christen heute den Dreifaltigkeitssonntag und beleidigen damit den naturwissenschaftlichen Dualismus. Wir sagen: Der Vater ist der Vater, aber er ist auch der Sohn. Ja, er ist sogar der Sohn gleichzeitig. Eine strikte Trennung, ein dualistisches Gegenüberstehen ist nicht möglich. Ja, da kommt sogar noch was hinzu: Diese Einheit verschiedener Personen ist wiederum nur denkbar im Heiligen Geist, der auch Person ist, also drei sind eins und einer sind drei. Und schon hält man uns für total verrückt – oder aber wir sprechen hier eine Wahrheit aus, die doch eigentlich viel näher unserem existentiellem Empfinden ist als das dualistische Denken, dass immer nur in Trennungen denken kann, niemals im Einssein untereinander. In Gott gibt es nicht diese strikten Trennungen des Gegenüber, denn dann hätten wir sehr schnell drei Götter. Es ist der eine Gott, der in sich drei Personen ist, aber nicht getrennt, sondern so, dass der Vater zugleich der Sohn ist und der Sohn der Vater und der Vater der Heilige Geist usw. Eine Einheit in der Verschiedenheit, Verschiedenheit in der Einheit.


3. Dieses trinitarische Denken ist ein anderes als das dualistische. Wenn wir uns das wieder neu vor Augen führen und uns neu davon prägen lassen, besagt das für mich: Ich bin nicht einfach das der Natur gegenüber stehende Subjekt, dass auf das Objekt Natur beliebig zugreifen darf. Sondern trinitarisch gedacht heißt das: Ich bin ich, aber ich bin auch Natur, ja ich bin Natur gleichzeitig. Und die Natur ist Natur, und sie ist auch Mensch, ja sie ist gleichzeitig Mensch. Und dieses Einssein mit der Natur geschieht in einem nicht rationalem Erkenntnisakt, nämlich als dem Menschen inne wohnendes Bewusstsein und das ist wiederum Natur, von der Natur gegeben, und ganz eins mit dem Menschen. Ich habe dieses trinitarische Gefühl durchaus in meinem Inneren. Das trinitarische Denken entspricht viel mehr unserer Existenz als das dualistische, das uns aus der Natur zu einem Gegenüber herausschleudert. Das dualistische Denken, die Trennung von Subjekt und Objekt, mag wissenschaftlich notwendig sein, dem scharfen Verstand geschuldet sein, darf aber nicht unser Bewusstsein so verändern, dass wir unsere Einheit mit dem gesamten Kosmos und unser eingebettet sein in die Natur nicht mehr spüren. Das dualistische Denken sagt: 1 +1 = 2. Klares Gegenüber. 1 Gegenüber und 1 Gegenüber ergibt zwei Gegenüber. Das trinitarische Denken sagt: 1 = 3 und 3 = 1. Es sagt: 1 + 1 + 1 = 1. Das beleidigt unseren Verstand. Aber nicht unser tiefstes Fühlen. Mensch ist 1, Natur ist 1, aber 1 + 1 = 1.


4. Dieses dualistische Denken hat leider auch unser Bewusstsein geprägt bezüglich unserer Gottesbeziehung. Wir haben eine einseitige Schieflage. Es ist nicht verkehrt, sich Gott gegenüber zu denken als Vater, als Beschützer, als Richter, als Hirte usw. Alles Bilder, die ein Gegenüber markieren. Aber Gott, der seine trinitarische Einheit aufgebrochen hat auf uns Menschen hin, dessen Ewiges Wort Fleisch geworden ist, der uns mit seinem innersten Geist der Liebe beschenkt hat, dieser Gott ist nicht mehr nur ein Gegenüber. Wir können auch hier nicht dualistisch denken: Hier Ich und dort Gott. Sondern vielmehr muss ich auch hier von der Einheit her denken, mit Bildern, die Einssein ausdrücken: Gott ist Urgrund, Urquell, lebendiges Wasser, aus dem ich lebe. Hier gilt: 1 + 1 = 1. In Jesus Christus hat sich die Gottheit und Menschheit unwiderruflich zur Einheit, zum Neuen Bund, vermählt. Diesen feiern wir jetzt, wenn wir Mahl halten und zu einem Stück Natur, Brot, sagen: Leib Christi.

Franz Langstein

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