13.07.2014

Predigt am 15. Sonntag im Jahreskreis A14

Mt 13,1-23

Abschied der Gemeindereferentin Silvia Möller

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es gibt in manchen Gemeinden oder bei manchem Christen im Lauf des Jahres einen bestimmten Tag, an dem immer das gleiche Klagelied angesprochen wird und immer dieselbe Frustration „gefeiert“ wird. Es ist der Sonntag nach der Erstkommunion. Da gibt es plötzlich ein schreckliches Erwachen: Wo sind all die Kommunionkinder, die die Woche vorher noch so feierlich zur Kommunion gingen? Diese Klage und Enttäuschung gehört in manchen Gemeinden zum regelmäßigen Repertoire kirchlichen Lebens, wie Ostern oder Weihnachten.


2. Jesus hat da die Sache erheblich realistischer eingeschätzt. Im heutigen Evangelium hören wir, wie selbst Jesus bei weitem nicht alle Menschen gewinnen konnte, zu denen er sprach. Und das, was wir da heute im Evangelium gehört haben, ist sicherlich auch seine Erfahrung gewesen. Da ist die Rede davon, dass das Wort, das Jesus durch seine Lehren ausgeteilt hat, auf den Weg fiel, also gar nicht von den Menschen aufgenommen wurde; dass das Wort auf felsigen Boden fiel, also kurzfristig von Menschen aufgenommen wurde, aber dann doch wieder vergessen wurde, weil es keinen Vorteil bringt; es ist die Rede davon, dass das Wort in die Dornen fiel, zwar aufging, aber erstickte, d.h. von allem möglichen anderen Dingen, die der Mensch für wichtiger hält, überwuchert wird und schließlich vergessen wird. Und selbst bei denen, die das Wort aufnehmen in ihr Herz, trägt es nur bei Wenigen hundertfach Frucht, bei Vielen nur sechzig- oder gar dreißigfach.


3. Es ist verwunderlich, dass selbst Jesus diese Erfahrung des „Sonntags nach der Erstkommunion“ gemacht hat. Denn von seiner Botschaft sagten doch viele Leute, dass er so ganz anders sprach, wie mit einer Vollmacht von oben, ja, so sagen wir heute, Gott hat sich selbst in ihm ausgedrückt hat und zur Sprache gebracht. Trotzdem fiel sein Wort nur in wenigen Fällen auf guten Boden. Es liegt also nicht nur an der Qualität der Botschaft, nicht nur an zu hohen Erwartungen, sondern auch an der Aufnahmefähigkeit der Empfänger. Was also ist zu tun?


4. Wenn wir heute unsere Gemeindereferentin Silvia Möller aus unserer Gemeinschaft verabschieden, dann ist ja dieses Evangelium wie eine Steilvorlage dazu. Denn der Beruf der Gemeindereferentin ist ja einer der Berufe in der Kirche, der mit einer besonderen Missio , Beauftragung und Sendung ausgestattet ist, die Botschaft Christi zu verkünden. Und wir haben uns manchmal unterhalten, wie wir hier die Sache angehen wollen. Und in Bezug auf die Kommunionvorbereitung waren wir uns schnell einig, dass wir nicht die Erwartung pflegen, dass wir nachher alle hier wiedersehen. Wir haben gesagt, wir freuen über fünf, die bleiben; und ärgern uns nicht über zwanzig, die nicht mehr kommen. Und uns ging es deshalb sehr gut damit, weil wir in all den Jahren deshalb viel zur Grund zur Freude hatten, denn diese Erwartungen wurden übertroffen. Aber natürlich wirft das ja alles die viel wichtigere Frage auf: Was ist denn das, was da zu verkünden ist? Was ist der Same, von dem das Evangelium spricht und der auf guten Boden fallen soll und aufgehen soll und Frucht bringen soll?


5. Das Evangelium von heute gibt uns da einen kleinen Hinweis. Bei der Erklärung des Gleichnisses sagt Jesus: „Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört…“ Es ist das Wort vom Reich Gottes. Das Reich Gottes ist kein Ort irgendwo, sondern das Reich Gottes breitet sich dort aus, wo der Mensch von der Liebe Gottes erfüllt und geprägt wird. Nun ist aber die Liebe Gottes nicht irgendwas, nicht Gefühlsduselei, nichts Fernes und Unkonkretes, sondern die Liebe Gottes manifestiert sich immer im Konkreten. Die Liebe Gottes nimmt Form an, Gestalt an, wird erfahrbar. Wir reden dann von den „Heilstaten“ Gottes. Indem jemand etwas für einen anderen tut, wird seine Liebe erfahrbar. Bloße Rede über die Liebe bringt nichts; sie muss sich erweisen in Taten. Das gilt erst recht für Gott. Das Alte Testament wird deshalb nicht müde von den großen Taten Gottes zu reden; sie zu preisen und zu besingen. Und später ist Christus die große Tat Gottes selbst. Damit übertrifft sich Gott selbst sozusagen. Steigt über sich hinaus auf die Welt. In ihm ist Gott aufgeleuchtet, damit wir durch Christus spüren, wie sehr wir geliebt sind. Darauf kommt es also an: Erst durch Taten, die jemand für mich tut, werde ich erleben, wie sehr ich bedeutsam bin für einen anderen. Indem ich höre, was Gott für mich getan hat, erahne ich, warum er das getan hat: Weil ich ihm unendlich kostbar bin. Das ist die Botschaft, das ist der Same, der zu Herzen gehen soll und aufgehen soll. Die Heilstaten Gottes. Und das hast Du, Silvia, in all den Bereichen, in denen Du tätig warst, wunderbar umgesetzt. Dabei kam dir nicht nur deine eigene Spiritualität zur Hilfe, - du lebst ja auch daraus, was Gott für dich getan hat -, sondern auch deine Kompetenzen und Qualitäten als Mensch und Gemeindereferentin. Und uns kommt auch zur Hilfe, dass diese Heilstaten Gottes aufleuchten und weiterleben im sinnlich Wahrnehmbaren, nämlich in den Sakramenten: Wenn Du die Kommunion zu Kranken gebracht hat z.B. Diese Zeichen sind konkrete Gestalt der Liebe, die nie im Unkonkreten bleiben wird. Du hast viel von dem Samen, vom Wort Gottes in den zwölf Jahren, in denen Du hier warst, ausgestreut. Und vieles ist in den Herzen der Menschen aufgegangen. Schön, dass wir dich haben durften!

Franz Langstein

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