13.04.2014

Predigt am Palmsonntag A14

Lesung:Sacharia 9,9 ff

Lesung: Phil 2,6-11 (vom Tag)

Evangelium: Mt 21,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Da jubeln sie noch; als Jesus in Jerusalem einzog. „Hosanna, dem Sohne Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“ Jubelrufe, die Erwartungen zum Ausdruck bringen: Hosanna, „hilf doch“ übersetzt, Sohn Davids. Die Erwartung ist klar benannt. Er, der Nachkomme des mächtigsten Königs David, soll nun helfen, einschreiten, eingreifen, Israel zur alten Größe bringen. Die Erwartungen des Volkes kommen doch hier relativ klar zum Ausdruck. Aber was hatte sich Jesus erhofft vom seinem Kommen nach Jerusalem?


2. Die Evangelien sind hier unmissverständlich. Jesus geht nach Jerusalem, um zu sterben. Im Lukas-Evangelium heißt es beispielsweise: „Jesus nahm die Zwölf zu sich und sprach zu ihnen: „Siehe, wir steigen hinauf nach Jerusalem, alles wird vollendet werden, was durch die Propheten von dem Menschensohn geschrieben ist. Denn er wird den Heiden überliefert, verspottet, misshandelt, und angespien werden, und sie werden ich geißeln und töten, und am dritten Tage wird er auferstehen.“ Kam Jesus in dieser Absicht nicht Jerusalem? Oder in dieser Befürchtung? Oder einfach nur in realistischer Einschätzung der Dinge und Machtverhältnisse? Es fällt jedoch auf, dass Jesus in klarer Erkenntnis des Todes nach Jerusalem kommt, während das Volk ruft „Hosanna, dem Sohne Davids“. Hilf uns, Sohn Davids.


3. Vielleicht ist es mal gut zu schauen, was in den Evangelien zwischen dem Einzug am Palmsonntag und Beginn der Passion berichtet ist. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es bei Markus, Matthäus und Lukas – das Johannes-Evangelium lassen wir erst mal beiseite - große Übereinstimmungen. Nach dem festlichen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag begibt sich Jesus bald in den Tempel und – erfüllt vom heiligen Eifer – vertreibt er die Händler, stürzt ihr Tische um und jagt die Menschen aus dem Tempel.. Ein erster Anschlag auf die religiöse Führungsschicht. Es folgende weitere heftige Auseinandersetzungen verbaler Art mit den Pharisäern, Schriftgelehrten und Hohepriestern. Er spricht in Gleichnissen von ihnen und stellt ihnen darin ein schlechtes Zeugnis aus. Oder er spricht sie direkt an und zwar in heftigen Attacken: So heißt es bei Matthäus: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler“. Insgesamt siebenmal kommt diese Wendung vor. Und dann folgt noch in den Evangelien die Wiederkunftsrede, das Gericht am Ende der Zeiten. Dann kommt der Gründonnerstag. Das alles ereignet sich nach den Evangelien in den fünf Tagen zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag.


4. Man könnte nun tatsächlich meinen: Die Leute haben am Palmsonntag den Messias erwartet, da Hilfe bringt, der Veränderung bewirkt. Und tatsächlich hat Jesus versucht, etwas zu verändern. Er hat den Mächtigen deutlich ins Gewissen geredet und in Wort und Tat Zeichen gesetzt. Aber er ist gescheitert an denen, die die Macht hatten, die keine Veränderung wollten, die um ihre Stellungen fürchteten. Die Erwartung des Volkes war berechtigt, aber Jesus, der alles versucht hat, ist gescheitert. Diese Interpretation drängt sich auf, doch sie ist zu wenig, viel zu wenig. Jesus ist nicht einfach der schicksalhaft gescheiterte Revolutionär. Er ist nicht ein Robin Hood, nur dass diesmal die Sache schlecht für ihn ausgeht. Er ist nicht einfach der Verfechter des Guten, der an der Macht der Bösen gescheitert ist. Das wäre zu wenig.


5. Was wäre nämlich, wenn Jesus nicht schicksalhaft gescheitert ist, sondern wenn er sein Scheitern selbst gewollt hat. Was ist, wenn Jesus heute in Jerusalem einzieht, im festen Wissen und Streben, den Tod zu erleiden? Dann wäre das nur so zu erklären, dass Jesus in seinem Scheitern und im Sterben selbst einen tiefen Sinn erkannt hat. Er wird diesen Weg bewusst ans Kreuz gehen, weil er weiß, dass nur so Veränderung möglich ist. Also kein gescheiteter Revolutionär, kein Robin Hood ohne Happy End, sondern ein sich Hingebender und Hinschenkender. Welchen Sinn aber soll Jesus im absichtlichen Scheitern gesehen haben?


6. Und hier nun können wir das Johannes-Evangelium befragen. Denn die Zeit zwischen Palmsonntag und Gründonnerstag wird hier besonders geschildert, ja gedeutet. Und Johannes lässt überhaupt keinen Zweifel, dass Jesus seinen Tod gewollt hat, und das Johannes-Evangelium begründet das auch: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.“ Der Tod Christi ist gleichzeitig die Stunde seiner Verherrlichung, seines Aufstiegs zum Vater, seine Heimkehr in die Herrlichkeit des Vaters. - In seinem Tod wird Jesus alle Gewalt der Menschen an sich erfahren. Er wird die Lust am Quälen und Töten erfahren, die Angst, die Einsamkeit, die Gottverlassenheit: kurz alle menschlichen Abgründe werden aufgedeckt und von ihm getragen. Aber er bleibt der Liebende und Vergebende. Und deswegen ist sein Tod als Verherrlichung beim Vater bedeutet nämlich: Die Liebe siegt über den Hass, die Vergebung über Gewalt, die Hingabe über den Egoismus. Und mit dieser Gewissheit kommt ein neuer Geist in die Welt. Wieder Johannes-Evangelium: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, wird der Helfer (der Geist) nicht zu euch kommen. Wenn ich aber weggehe, werde ich ihn zu euch senden.“


7. Jesus zieht also nach Jerusalem ein, den Tod fest im Blick und geht also freien Willens ans Kreuz. Sein Tod deckt die Gewalt der Menschen auf, sein Tod offenbart seine Liebe bis zum Letzten, die stärker ist als die Gewalt. Jetzt kommt ein neuer Geist in die Welt, der Geist Gottes. Und jetzt beginnt sozusagen erst die Revolution, die Revolution der Liebe.

Franz Langstein

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