11.05.2014

Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit A14

Joh 10,1-10


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn man mal – bei welcher Gelegenheit auch immer –eine große Kirche oder Kathedrale besucht, dann wird man schon im Eingangsbereich durch ein wunderbares Tympanon empfangen. Die Eingangsportale, meist verziert mit vielen Heiligengestalten, wollen den Besuchenden einstimmen auf die Gemeinschaft der Heiligen, auf den heiligen Raum, den er zu betreten gerade im Begriff ist. Man betritt eben nicht ganz unvermittelt eine Kirche, sondern wird durch das große Eingangsportal eingestimmt. Man kann sagen: Der Eingangsbereich schafft den Übergang von draußen und drinnen, von weltlichen und göttlichen Raum, von Profanen und Heiligen. Die großen Eingangsportale verbinden also verschiedene Räume, in denen Menschen sich aufhalten. Die Alten wussten schon, wie sie Kircheneingänge gestalten.


2. Aber was für die großen Portale der Kathedralen gilt, gilt im Prinzip ja für jede Tür. Sie verbinden Räume miteinander. Sie schaffen Durchgänge von einem Raum zum anderen, die sonst getrennt wären. Sie machen eine Wohnung durchlässig. Sie können aber auch Räume abschließen, allerdings nicht auf Dauer. Auf Dauer trennen nur Wände voneinander. Türen haben eben die Aufgabe, nicht zu trennen, sondern zu verbinden, zu öffnen, hereinzulassen.


3. Nach dieser kleinen Betrachtung über Kirchenportale und Wohnungstüren können wir nun gut verstehen, was wir heute im Johannes-Evangelium gehört haben: „Weiter sagte Jesus zu ihnen: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und aus gehen und Weide finden.“ Jesus ist also diese Tür, durch die eine grundsätzliche Öffnung verschlossener Räume möglich ist, nämlich der Raum unseres kleinen irdischen, menschlichen Lebens - oft verbunden mit dem Gefühl, getrennt zu sein vom eigentlichen Leben, getrennt zu sein von göttlicher Fülle -, und der Raum des großen, weiten, ewigen göttlichen Lebens. Jesus ist die Tür, die diese Räume miteinander verbindet. In Christus ist die Fülle Gottes zu uns Menschen herabgestiegen, in unsere Leben, in unsere Welt bis zum Tod am Kreuz; und in Christus ist unsere kleine Welt aufgestiegen in die Herrlichkeit Gottes. „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und aus gehen und Weide finden. Denn ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“.


4. Und nun kommen wir wieder zurück zu den großen Eingangsportalen der Kirche. Oft finden wir in den Tympana der Eingangsportale eine Christusdarstellung, die Majestas Christi. Christus ist eben die Tür, durch die der Mensch gewürdigt ist, Zutritt zu haben zum göttlichen Leben, zum Leben in Fülle. So gesehen bilden unsre Kirchen etwas ganz Wertvolles ab: Sie sind Hinweise, Erinnerungen, Denkmäler (denk-mal), dass unser Leben aus zwei Bereichen besteht. Wir sind in der Welt, wir sind behaftet mit den Spuren des Irdischen, Weltlichen; und doch sind wir auch durch Christus im Raum Gottes, berührt von seiner Herrlichkeit und Ewigkeit. Die beiden Räume sind nicht mehr getrennt; sie sind in Christus verbunden, in Christus versöhnt. Er ist der Übergang, durch den unsere kleine Welt hinübergeht in die große göttliche Welt. Es wäre ein großer Verlust des Menschlichen, würden wir in einem Land leben, wo diese Denkmäler und Erinnerungszeichen fehlen.


5. Wie ist aber Jesus die Tür? Wo spüren wir die Trennung, die nach Verbindung sich sehnt? Die Trennung der beiden Räume, weltlich und heilig, menschlich und göttlich, macht sich auf dreifache Weise bemerkbar, so hat einmal Hans Urs von Balthasar angemerkt. Und er nannte diese dreifache Trennung, die der Mensch erfährt: In seiner Natur, in seinem Sündigsein, in seinem Tod. In diesen drei existentiellen Bereichen fühlt der Mensch sich am meisten von Gott getrennt. Und Gott hat in Christus diese Trennung aufgehoben: Die Trennung durch unsere Natur, in dem er selbst Mensch wurde, unsere Natur angenommen hat. Die Trennung durch die Sünde, in dem er selbst die Sünde bis ans Kreuz zu spüren bekam, annahm und trug. Die Trennung durch den Tod, indem er auferstanden ist und den Tod besiegt hat. In Christus ist jede Trennung von Gott aufgehoben. Er ist die Tür. Wer durch ihn hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein und aus gehen und Weide finden. Denn er ist gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Franz Langstein

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