09.03.2014

Predigt am 1. Fastensonntag A14

Mt 4,1-11


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wie jedes Jahr, so haben wir auch heute am ersten Fastensonntag das Evangelium von der Versuchung Jesu in der Wüste gehört. Nicht umsonst steht es am Beginn der Fastenzeit. Jesus wird versucht, Steine in Brot zu verwandeln, also seinem Hunger nachzugeben, also dem Lustprinzip zu folgen; er wird versucht, vom Tempel zu springen, eine Luftnummer abzuziehen, um sich Anerkennung der Massen und den Erfolg zu sichern, also sich vom Geltungsbedürfnis leiten zu lassen; und schließlich alle Reiche der Erde sich anzueignen, vorausgesetzt, man betet den Teufel an, also mit dem Bösen zu paktieren, um Profit und Gewinnmaximierung zu steigern, also sich von der Habsucht leiten zu lassen. So gesehen liegt den Versuchungen Jesu eine einzige Frage zugrunde: Wie soll der Mensch leben, damit er selbst und mit seinem Umfeld gut und heil lebt? Nach was richtet er sich aus? Von was lässt er sich leiten? Was ist ihm wichtig? Oder: Was sollte ihm wichtig sein, um ganz Mensch zu sein? Von was sollte er sich leiten lassen, um menschlich zu bleiben? Wie soll er sein Leben gestalten, damit er und seine Mitmenschen, ja die Gesellschaft, gut und „gesund“ bleiben? Diese grundlegenden Fragen werden vom heutigen Evangelium von der Versuchung Jesu angesprochen. Jesus muss sich entscheiden, wie er leben will. Und wir müssen uns immer wieder mal auf unser Leben schauen und Korrekturen anbringen. Wie wollen wir leben? Wie sollten wir leben?


2. Das heutige Evangelium steht somit zu Recht am Anfang der Fastenzeit. Denn es liegen ihm Fragen zugrunde, mit denen wir uns in der Fastenzeit intensiver beschäftigen sollten. Was ist in meinem Leben wichtig? Von was lass ich mich leiten? Von Lustprinzipien, ich kann machen, was ich will? Vom Geltungsbedürfnis? Streben nach Applaus, ich tue nur das, was man von mir erwartet und was den größten Erfolg bringt? Von der Habsucht? Von Streben nach Gewinn und Reichtum, auch wenn ich dabei mit Bösem und Schlimmen paktiere. Es ist klar, dass, wenn man die Versuchungsgeschichte unter diesem Gesichtspunkt zusammenfassen will, hier tatsächlich Fragen gestellt werden, denen sich nicht nur jeder einzelne, sondern auch eine ganze Gesellschaft stellen müsste. Denn von der Beantwortung der Frage hängt die Menschlichkeit des Einzelnen ab wie das Wohlergehen der Gesellschaft; ja gerade im globalen Zusammenhängen muss man sagen, auch das Wohlergehen der Völker.


3. Zur ersten Versuchung: Steine in Brot zu verwandeln: Es sollte sich eigentlich schon längst rumgesprochen haben, dass der Mensch nicht alles tun darf, was er tun kann. Schon die Erzählung vom Sündenfall, die wir in der ersten Lesung hörten, drückt dies eindrücklich aus. Eine so verstandene Freiheit, nach der ich tun und lassen kann, was ich will, kann nicht gut gehen. Ich bin eingebunden in größere Zusammenhänge und trage Verantwortung. Die zweite Versuchung: Vom Tempel springen, um sich als Sohn Gottes zu erweisen, um sich Anhang, Anerkennung und Applaus zu sichern. Im Leben sollte sich nicht die Frage stellen, was muss ich tun, um Erfolg zu haben, sondern was muss ich tun, um Mensch zu sein und Mensch zu werden? Sich nur vom Geltungsbedürfnis leiten zu lassen, führt zur Selbstüberschätzung. Und die dritte Versuchung: Nun ja, mit dem Bösen paktieren, um Reichtum zu erlangen. Das ist ja globale Realität. Was kümmern uns die ausgebeuteten Näherinnen in Bangladesch, was kümmern uns die um ihre Löhne betrogenen Arbeiter auf den Kaffeeplantagen Afrikas oder Obstplantagen Südspaniens, Hauptsache ich kriege hier meine Klamotten, meinen Kaffee und mein Obst möglichst preiswert. Wie viel Kompromisse müssen wir mit unserer Wahrhaftigkeit noch eingehen, bis wir unsere Menschlichkeit verloren haben? Bei dieser Gelegenheit werde will ich gern auf unseren Eine-Welt-Kugel-Kreis hinweisen, der genau diese Problematiken näher in den Blick nimmt. Das Schlimme ist: Lustprinzip, Geltungsbedürfnis und Habsucht haben etwas Unersättliches, sind maßlos.


4. So steht also das Evangelium am Beginn der Fastenzeit und wirft eine Menge Fragen auf nach unserem Lebensstil. Die nun folgenden Sonntagen – so scheint es – sind so, als wollten sie Antworten geben und auf das Eigentliche verweisen. Am nächsten Sonntag hören wir das Evangelium von der Verklärung Jesu und die Stimme vom Himmel: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ – Auf ihn sollt ihr hören. Sein Leben und seine Botschaft sind Maßstab. Am darauffolgenden Sonntag hören wir das Evangelium von der Samariterin am Brunnen: Jesus zeigt sich als der, der lebendiges Wasser gibt. Menschliches Leben kommt zur Erfüllung, wo es aus den Tiefen Gottes schöpft. Dann kommt die schöne Erzählung von der Blindenheilung. Jesus erweist sich als das Licht, in dem wir uns und die Welt neu sehen. Heilsam, wohltuend. Und schließlich kommt noch das Evangelium von der Totenerweckung des Lazarus. Jesus sagt von sich: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit“.


5. So gesehen ist das heutige Evangelium wie ein Ouvertüre der Fastenzeit. Es wirft Fragen auf, warnt vor oberflächlicher und vordergründiger Existenzweise. Und die folgenden Sonntage führen uns in die Tiefe Christi. So gesehen stimmt es, was der Theologe Ulrich Lücke einmal sagte: „Die Fastenzeit ist das Trainingslager der Menschlichkeit.“

Franz Langstein

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