09.02.2014

Predigt am 5.Sonntag im Jahreskreis A14



Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus und meint damit seine um ihn herum stehenden Jünger. Meine Güte – das ist doch mal ein Kompliment an seine Jünger. „Ihr seid das Licht der Welt“. Könnte es sein, dass ein solcher Satz nicht nur für seine Jünger damals gegolten haben mag, sondern durch alle Zeiten jene meint, die an ihn glauben, also damit auch uns meint? „Ihr, die ihr heute an mich glaubt, seid das Licht der Welt“. Kann es also sein, dass wir, die wir hier versammelt sind, gemeint sein könnten? Wenn dem so ist, dann müssen wir jetzt darüber nachdenken, was genau damit gemeint sein soll.


2. Nun man könnte den Satz erst mal so verstehen, wie wenn man zu jemanden sagt: „Du bist eine Leuchte“, d.h. jemand überstrahlt durch eine bestimmte Fähigkeit und Kompetenz die Durchschnittlichkeit seiner Mitmenschen. Das kann sein im sportlichen Bereich, im schulischen Bereich, im beruflichen usw. Da überragt jemand die anderen. Die großen Komponisten waren solche Leuchten. Ihr Strahlen war so hell, dass selbst jene, die ebenfalls überdurchschnittlich waren, dennoch im Schatten der Großen waren; so gab es z.B. zurzeit Beethovens viele gute und sehr gute Musiker und Komponisten in Wien, aber gegen das alles überstrahlende Licht eines Beethovens geriet ihr Schaffen schnell in Vergessenheit. Wenn wir den Satz so verstehen wollten, dass wir im Sinne eines alle anderen überstrahlenden Lebens Leuchten sind, gerieten wir doch schnell in den Ruf völliger Selbstüberschätzung. Die Jünger Jesu waren gewiss nicht die alles überstrahlenden Helden.


3. „Ihr seid das Licht der Welt“ kann auch im Sinn besonderer Tugendhaftigkeit und moralischer Vorbildlichkeit gesehen werden. „Der da tut viel Gutes“. „Der da lebt besonders gut und wahrhaftig“. Es fielen uns wohl gleich unsere Heiligen ein: Elisabeth, Mutter Teresa, Franz von Assisi usw. Sie alle sind große Vorbilder der Tugendhaftigkeit und eines besonderen Lebens. „Ihr seid das Licht der Welt“, - ja, das waren sie sicherlich. Und dennoch würde man diese Heiligen missverstehen, wollte man sie deshalb „Licht der Welt“ nennen, weil sie besonders tugendhaft waren. Das griffe zu kurz. Hier wäre nämlich das „Licht der Welt sein“ eine Frage der eigenen Leistung, des eisenern Willens. Wenn das auch schon sehr viel ist, ist es dennoch missverstanden und somit zu wenig.


4. Nein, „Licht der Welt“ müsse wir nochmals tiefer verstehen. Eine Hilfe kann uns sein, was wir am letzten Sonntag im Evangelium gehört haben: „Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen“. Oder wie es im Johannes-Prolog heißt: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“. Das Licht, von dem in beiden eben zitierten Texten die Rede ist, ist göttlichen Ursprungs. Ja, Christus, ist selbst das vom Himmel kommende, von Gott her kommende Licht. Noch einmal tiefer: Gott selbst ist das Licht, das durch Christus auf die Erde kam und die Menschen erleuchtete, also innerlich erfüllte. „Ihr seid das Licht der Welt“ heißt also nicht zuerst, durch überragende Kompetenzen alles überstrahlen oder durch besondere Leistungen besonders vorbildlich und tugendhaft zu sein, sondern „ihr seid das Licht der Welt“ heißt zuerst: „Ihr seid von Gott angesteckt.“ Der Funke ist übergesprungen. Das Licht, das Christus ist, hat es euch angetan, so dass ihr jetzt selbst leuchtet. Der erste Johannesbrief drückt das sehr schön aus: „Wenn wir aber im Licht leben, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander“.


5. Wie entsteht aber dieses Leuchten? Man kann sagen: Durch den Glauben. „Ihr, die ihr glaubt, tragt aufgrund eures Glaubens einen Schatz in euch, ein Vertrauen in euch, eine Hoffnung und Liebe in euch, die Licht ist für die Welt.“ Der glaubende Mensch ist aufgrund seines Glaubens „Licht“, weil er in sich etwas trägt, das Gott präsent setzt, durch sein Leben, durch seine Taten, durch seien Worte. Der Glaube ist der übergesprungene Funke Gottes. Deshalb, so sagt Jesus, darf dieser Glaube nicht „unter einem Eimer gestellt werden“.


6. Und damit sind wir beim anderen Bild, beim Bild vom „Salz der Erde“. Weil der Glaube die Gottesfrage offen hält, weil er Gott präsent setzt in diese Welt hinein, deshalb wirkt er wie Salz. Salz für sich ist sinnlos. Salz, das irgendwo rumsteht, würzt nichts. Das Wertvolle am Salz ist seine Wirkung. Um diese Wirkung geht es. Wenn es keine Wirkkung mehr hat, wird es weggeworfen, sagt Jesus.


7. Wir können also abschließend sagen: Der vom Glauben erfüllte Mensch ist deshalb Licht, weil durch seinen Glauben Gott selbst zur Sprache kommt und anwesend ist in der Welt. Dieses hat seine Wirkung in dieser Welt wie Salz die Speisen würzt und schmackhaft macht. Es geht also um die Würze für die Welt, die Gesellschaft. Diese Würze ist Got selbst. Es geht um die Selbstmitteilung Gottes durch den Menschen; deshalb sagt Jesus zu seinen Jüngern aller Zeiten: „Ihr, die ihr heute an mich glaubt, seid das Licht der Welt“, weil Gott sich durch euch mitteilt.

Franz Langstein

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