07.09.2014

Predigt am 23. Sonntag im Jahreskreis A14

Mt 18,15-20


Liebe Schwestern und Brüder!

1. das heutige Evangelium ist Anlass über eine Gefährdung oder Versuchung des Christentums nachzudenken. Dazu muss man zunächst wissen, dass die Evangelium keine historischen Berichte oder Dokumentationen über das Leben Jesu darstellen. Sie sind vielmehr Antworten auf die Fragen der jeweiligen Generation oder der jeweiligen christlichen Gemeinde.


2. So ist das Matthäus-Evangelium etwa um das Jahr 80 bis 85 anzusiedeln. Und ganz offensichtlich, so entnehmen wir dem heutigen Evangelium, gab es zu dieser Zeit in den christlichen Gemeinden Anlass darüber nachzudenken, wie andere, die nicht dem Christlichen entsprechen, zu behandeln und notfalls auszuschließen sind. Ein solches Ausschlussverfahren mag berechtigt sein, wenn es um wichtige und wesentliche Fragen des christlichen Lebens geht. Aber genau das wird hier nicht erwähnt.


3. Was aber ist, wenn es nicht um Fragen des christlichen Lebens geht, sondern um den Wahrheitsanspruch einer Lehre? Ist es also bereits so, dass in der dritten Generation der christlichen Gemeinden nicht mehr das Leben im Mittelpunkt steht, sondern die reine Lehre? Oder anders gefragt: hat Jesus eine Lehre über Gott gebracht oder nicht viel mehr die Liebe Gottes aufgezeigt, die ein Leben verändern kann und unter der das Leben wohltuend anders wird? So anders wird, dass Menschen unter dieser Liebe zusammenfinden als Bruder und Schwestern?


4. Und das ist schon der große Unterschied, auf den uns heute das Evangelium aufmerksam macht: eine Lehre spaltet immer auf in jene, die dieser Lehre glauben und in jene, die ihr nicht glauben. Letztere gelten dann als Häretiker, Irrlehrer,  Abtrünnige oder wie es im Evangelium heißt "Heiden und Zöllner", also Unreine. Die Liebe führt Menschen zusammen, die Wahrheitsbehauptung einer Lehre dagegen spaltet. Am deutlichsten wird dies ja mit dem Satz: "Dann sei er für dich wie ein Heide und Zöllner", also unrein. Für Jesus waren diese Unreinen Anlass, sie zu suchen. Denken wir an Zöllner Zachäus oder Matthäus oder denken wir den Satz Jesu, nachdem er gekommen sei, das Verlorene zu suchen und sogar 99 Gerechte zurück zu lassen, um das eine verlorene Schaf wieder zu finden. Das ist die Botschaft der Liebe Gottes, die Menschen zusammen führt. Die Lehre dagegen spaltet, trennt,  behauptet Richtigkeit und Falschheit, wahr und irrig usw. Wenn man also bedenkt, wer die Zöllner und Sünder für Jesus waren, dann fällt hier gleich der große Unterschied auf, wenn im einem christlichen Text um das Jahr 80 herum, der Satz steht: "dann seien sie für dich wie Sünder und Zöllner".


5. Und genau das ist die Gefährdung und das Problem der Religionen, wenn es nur noch um die angebliche Wahrheit der eigenen Lehre geht, die sie sich dann um die Ohren schlagen. Das ist auch die Gefährdung des Christentums. Wie oft geht es um die Bewahrung des Kirchenrechts auch auf Kosten von Menschen? Wie oft werden Menschen verletzt, nur damit das Kirchenrecht nicht verletzt wird? Es muss uns aber immer zuerst um den Menschen gehen, um das Leben, um die Liebe, um Gott.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe