04.05.2014

Predigt am 3.Ostersonntag A11

Lk 24,13-35


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Immer wieder kann es im Leben vorkommen, dass Gewissheiten, auf die wir bauen, auf die wir uns verlassen, plötzlich wegbrechen. Und zwar gilt das für alle Bereichen. In den Naturwissenschaften sind die Dinge nur solange gewiss, bis andere Erkenntnisse zum Umdenken zwingen. Manchmal geht das nicht ohne Erschütterung. Im persönlichen Bereich können Freundschaften, Beziehungen, Partnerschaften, deren Verlässlichkeit gewiss war, plötzlich unsicher werden. Man bekommt Zweifel: „Kann ich mich noch auf dich verlassen?“ Nichts scheint so gewiss wie die Ungewissheit. Sie kennen den Spruch von Joachim Ringelnatz: „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“ Hier wird eine grundsätzliche, existentielle Unsicherheit menschlicher Existenz angesprochen. Eine letzte Sicherheit gibt es nicht.


2. Und dass Gewissheiten wegbrechen können, das gilt auch für den religiösen Bereich; das gilt auch für unseren Glauben. Ein schönes Beispiel haben wir gerade im Evangelium gehört. Die Jünger Jesu und viele Menschen hatten gehofft, dass Jesus der Messias sei, d.h. der von Gott gesandte Retter Israels. Sie haben sich darauf verlassen. Ihre Gewissheit war so groß, dass sie um seinetwegen alles verließen und ihm nachfolgten. Sie vertrauten Gott. Dann kam die Katastrophe vom Karfreitag. Jetzt war nichts mehr gewiss. Vertrauen war bitter enttäuscht worden. Die Grundlage ihrer Hoffnung war zerstört. Und so gehen zwei seiner Jünger, von denen im Evangelium berichtet wird, traurig und niedergeschlagen nach Emmaus, ihrem Zuhause. „Wir hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde“, so erzählen sie einem Unbekannten, der sich zu ihnen gesellt hatte. Alle ihre Hoffnungen sind dahin. Ihre – auch religiöse Gewissheit – ist gewichen, enttäuscht, vom Zweifel weggefegt. Sie mögen gefragt haben: „Wann endlich steht Gott zu seiner Verheißung, den Messias zu senden, wenn es dieser Jesus nicht war? Kann man überhaupt noch Gott vertrauen? Wie lange müssen wir noch warten?“ „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten“, hatte seinerzeit schon Johannes der Täufer gefragt, als er im Gefängnis saß und die Todesstrafe befürchtete. Es können auch sichere religiöse Gewissheiten wegbrechen und vom Zweifel übermannt werden. Plötzlich sind die tragenden Fundamente des Glaubens weggebrochen; das Leben verliert seinen festen Bezugspunkt und treibt frei schwebend im Kosmos der Zufälligkeiten und Sinnlosigkeiten dahin. Das, was den Emmausjüngern passiert ist, kann jedem passieren. Auch unverschuldet.


3. Was braucht der Mensch dann in solchen Situationen. Das heutige Evangelium spricht auch davon. Wie kann geholfen werden? Mehrere Punkte werden genannt. Nur auf einem will ich später eingehen. Einmal wird genannt, dass da jemand sich zu den Enttäuschten gesellt, ein Stück des Weges mitgeht und zuhört. Das ist so wohltuend, so hilfreich. Nicht allein zu sein mit seinen Enttäuschungen. Es wird weiter genannt, dass der Unbekannte ihnen den Sinn der Schrift aufschließt. Hier versteht es jemand, den engen Raum der Enttäuschungen wieder zu öffnen auf jenen Horizont hin, von dem her Licht und Sinn neu aufgehen kann, von Gott her. Und drittens – auf diesen Punkt will ich noch eingehen – erkennen sie ihn schließlich beim Brechen des Brotes. „Da gingen ihnen die Augen auf“. Und zwar nicht einfach die Augen des Leibes, denn sie sahen ihn in dem Augenblick nicht mehr. Es gingen ihnen vor allen die Augen des Herzens auf. Plötzlich durchflutete sie wieder die Hoffnung, das Vertrauen, eine neue Gewissheit, eine neue Sicht - weil sie ihn erkannten beim Brechen des Brotes.


4. Was will das heißen? Wir Menschen sind auf Zeichen angewiesen. Zeichen können uns viel sagen und bedeuten. Nehmen sie nur einmal die Fülle der Zeichen, die Menschen einander geben können, um ihre Liebe zueinander zu zeigen. Ohne diese Zeichen der Liebeserweise kämen Zweifel, ob man sich überhaupt liebt. „Du sagst, du liebst mich, ich merke davon aber nichts.“ Es ist ähnlich mit unseren Glauben. Wenn Gewissheiten wegbrechen, wenn Zweifel kommen, sind uns Zeichen geschenkt, die nicht Lug und Trug sind, sondern verlässlich sind, weil es göttliche Zeichen sind, deshalb so verlässlich, dass sie Gewissheiten schaffen. Ein solches Zeichen hat Jesus im Haus der Emmausjünger gesetzt. Er hat – wie damals im Abendmahlsaal Brot genommen und es gebrochen und ausgeteilt – und da gingen ihnen die Augen auf. Das ist es! Sie erinnerten sich. So wollte er über alle Zeiten hinweg bei ihnen bleiben als der Auferstandene. Nur er kann das so. So zart und so bestimmt gleichzeitig. „Das Brot, das bin ich, das ist mein Leib, das ist mein Leben.“ Ja, wir Menschen sind in all unseren Unsicherheiten und Ungewissheiten auf verlässliche Zeichen angewiesen. Das Abendmahl ist ein solches verlässliches Zeichen, dass Gott uns nicht verlässt.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe