02.02.2014

Predigt am Fest Darstellung des Herrn A14

Lk 2,22-40


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Der Journalist und Asienkorrespondent Tiziano Terzani hat am Ende seines Lebens mit seinem Sohn Falco lange Gespräche geführt über sein Leben und über sein Sterben. Diese Gespräche sind aufgezeichnet in dem Buch „Das Ende ist mein Anfang“. Das Buch wurde auch verfilmt und war im Kino zu sehen. Und das Buch beginnt mit persönlichen Betrachtungen über den Tod: „Ich bin so froh, Sohn. Ich bin jetzt sechsundsechzig und mein Leben, diese große Reise, geht dem Ende zu. Ja, ich bin an der Endstation angelangt. Aber ohne Trauer, im Gegenteil, fast mit einem Schmunzeln. Vor ein paar Tagen hat deine Mutter mich gefragt: „Hör mal, wenn jemand anriefe und uns von einem Mittel erzählte, mit dem du noch zehn Jahre weiterleben könntest, würdest du es nehmen?“ Und ich habe ganz spontan gesagt: „‘Nein!“. Ich würde es nicht nehmen, ich will nicht noch zehn Jahre leben. Wozu denn? Um all das zu tun, was ich bereits getan habe?“ – Dann zählt er auf, was ihm im Leben wichtig war, womit er sich identifiziert hat: er nennt zuerst seinen Körper, auf den er stolz war, den er durch Sport, Jogging und Fitnesstrainig geformt hatte. Er zählt seine Berufe und Lebensstationen auf, mit denen er sich identifiziert hat; sein Besitz, der ihm Prestige und Ansehen brachte, und die Liebe zu seiner Frau. All das, so beschreibt er weiter, muss er jetzt zurücklassen. Es war gut und schön, ist aber jetzt nicht mehr wichtig. Es war wichtig in seinem Leben, hatte Bedeutung, aber jetzt hat er all diese Identitäten nicht mehr. Und dann schreibt er weiter: „Das ist der Grund, weshalb ich keine Lust mehr habe, in diesem Leben zu verweilen. Weil dieses Leben meine Neugier nicht mehr weckt. … Der Tod ist wirklich das einzig Neue, was mir noch passieren kann, denn er ist etwas, was ich noch nie gesehen, noch nie erlebt habe.“ Diese Gedanken haben mich sehr beeindruckt. Vielleicht erreicht man diese Gelassenheit tatsächlich erst im Alter oder gar erst im Bewusstsein des baldigen Sterbens, wenn es gilt, loszulassen und sich auszustrecken nach dem, was vor einem liegt.


2. Auch das heutige Evangelium berichtet uns von zwei älteren Menschen, die ganz offenbar ihr Leben gelebt haben und alles hinter sich gelassen haben, losgelassen habe. Von Simeon wird berichtet: „Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels“ Und als er in dem Jesuskind den verheißenen Retter erblickt, kann er sagen: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“ Und von Hanna wird ebenfalls berichtet, was sie alles loslassen musste: „Sie war hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie ein Witwe von vierundachtzig Jahren.“ Und von ihr heißt es: „Sie diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.“ Fasten und Beten sind ja sozusagen die Kehrseiten oder die Protesthaltungen gegen Konsum und Materialismus und Lärm und Zerstreuung. Das alles hat Hanna hinter sich gelassen. Fasten und Beten als Vorbereitung auf das Kommende sind ihr Lebensinhalte geworden. Man könnte jetzt die Predigt beschließen mit dem Wunsch: Es wäre schön, wenn ich auch die Fähigkeit im Alter besäße, loszulassen, wirklich das Wichtige zu erkennen, neugierig zu werden auf das Kommende. Nicht zu resignieren, wenn ein Leben gelebt und nichts mehr zu erwarten ist, sondern sich auszustrecken mit Neugier und Sehnsucht auf das Kommende. So wie Simeon oder wie Hanna.


3. Und dieser Wunsch wäre schon etwas Großes, dennoch muss man aufpassen, dass es nicht ein allzu frommer Wunsch wird, der Wunsch bleibt und nicht zur Realität wird. Deshalb muss diese Geschichte von Simeon und Hanna eingeordnet werden in den Kontext: Da wird nämlich Jesus in den Tempel gebracht, wie das nach dem Gestz üblich ist. Und dabei kommt es zu dieser Begegnung von Simeon bzw. Hanna und Jesus. Erst in dieser Begegnung bekommen der Wunsch und die Sehnsucht ihre Berechtigung. Da, wo Gott und Mensch sich begegnen, hat der Mensch die berechtigte Hoffnung, dass dieser so auf mich zukommende Gott am Ende auch der ist, der dafür sorgt, dass all mein Zugehen auf Gott, all meine Hoffnung auf ihn, all meine Sehnsucht nach ihm, Erfüllung findet. Meine Hoffnung auf Gottesbegegnung ist erfüllt, weil er in Christus auf mich zugekommen ist und den Menschen begegnet, wo immer sie stehen. Der Wunsch nach letzeter Begegnung von Gott und Mensch ist in Jesus und durch ihn schon Wirklichkeit. Auch für mein Leben.


4. Und diese Gottesbegegnung feiern wir jetzt in Wort und Sakrament.

Franz Langstein

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