01.01.2014

Predigt an Neujahr 2014



Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“, so hörten wir vor einer Woche in der Weihnachtsbotschaft. Genau eine Woche später wird uns diese Verheißung in Erinnerung gerufen, wenn wir heute am Oktavtag von Weihnachten den Weltfriedenstag feiern. Seit 1968 begeht die katholische Kirche weltweit diesen Friedenstag. Somit liegt er bewusst auf dem Oktavtag von Weihnachten, also genau am achten Tag nach Weihnachten. Es wird also bewusst das Anliegens eines Weltfriedens an die Weihnachtsbotschaft gekoppelt.


2. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“. Natürlich muss man nicht lange fragen, ob diese Verheißung in Erfüllung gegangen ist. Der Weltfrieden lässt weiterhin auf sich warten. Ja, selbst diejenigen, von denen es hier heißt, „die Menschen seiner Gnade“, haben oft für Unfrieden gesorgt. Die Kirche war oft in kriegerische Auseinandersetzungen, in Gewalt und Folter verstrickt. Also doch alles nur Illusion?


3. Wieso ist der Weltfriedenstag am Tag der Weihnachtsoktav und damit fest an die weihnachtliche Botschaft gekoppelt? Es ist vielleicht gut, uns darüber klar zu werden, was nicht der Frieden ist. Im Konzilsdokument „Gaudium et spes “ heißt es: „Der Friede besteht nicht darin, dass kein Krieg ist; er lässt sich auch nicht bloß durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern; er entspringt ferner nicht dem Machtgebot eines Starken.“ Der Frieden also kommt nicht durch etwas dem Menschen Äußerliches, wie das Gleichgewicht der Waffenarsenale oder durch ein Machtdiktat eines Stärkeren. Vielmehr ist der Friede etwas, was aus dem Inneren des Menschen hervorgeht. Ähnlich wie Gewalt und Mord aus dem Inneren des Menschen, nämlich aus Hass und Egoismus kommen, so kommt auch der Friede aus dem Inneren des Menschen. Was aber vermag den Menschen innerlich zu verwandeln, ihn also des Friedens fähig zu machen?


4. Und da sind wir wieder bei der Weihnachtsbotschaft. Eine der mächtigsten auf den Menschen wirksamen Kräfte ist die Liebe. Die Erfahrung, geliebt zu sein, angenommen zu sein, geborgen zu sein, aufgehoben zu sein, wertgeschätzt zu sein, bejaht zu sein, ist nicht nur grundlegend für das gesunde Heranwachsen eines Menschenkindes, sondern ist auch später noch so wirksam, dass es einen Menschen verändern kann zum Guten. Lieben kann nur der, der geliebt wird, weil Liebe zu anderen immer auch Selbstliebe voraussetzt. Ich kann nur dann jemanden anderen annehmen, wenn ich mich selbst angenommen habe. Aber um mich selbst lieben und annehmen zu können, brauche ich die Erfahrung, dass ich selbst geliebt und angenommen bin. Und hier greift die Weihnachtsbotschaft. Gibt es eine größere Annahme des Menschen als die, wenn Gott selbst Mensch wird? Ist das nicht die höchste Form den Menschen anzunehmen, indem sich die „göttliche Natur mit unserer menschlichen verbindet“, wie es die Liturgie nicht müde wird zu sagen? „Gibt es eine größere Liebe als wenn jemand sein Leben gibt für seine Freunde“, wie Jesus einmal sagen wird, also eine größere Liebe als die, dass Gott sich „seiner Herrlichkeit entäußert und Knechtsgestalt annimmt?“, wie es im Philipperbrief heißt. Die Menschwerdung Gottes ist die höchste Form der Annahme des Menschen und der Wertschätzung des Menschen und der Bejahung des Menschen.


5. Und jetzt beginnen wir zu ahnen, warum die weihnachtliche Botschaft mit dem Weltfriedenstag gekoppelt ist. Nicht, dass jetzt ab der Geburt Christi Friede herrsche auf der Erde, sondern weil uns in der Geburt Christi ein Handeln Gottes aufleuchtet, das uns Menschen eine Liebe und Geborgenheit von Gott her erfahren lässt, so dass der Mensch in der Versenkung dieses Geheimnisses sich verwandelt. Er erfährt sich von Gott total geliebt und angenommen und weiß seine Existenz zutiefst mit Gott verbunden. So wird er befähigt, auch andere genauso zu lieben und anzunehmen. Er wird zu einem Menschen des Friedens, weil er selbst einen inneren Frieden hat; nicht mehr Angst um sich selbst, nicht mehr Egoismus als Ausdruck dieser Angst, nicht mehr Selbstbehauptung als Folge eines Verlorenheitsgefühls, nicht mehr Hass als Kehrseite mangelnder Liebe, nicht mehr Gewalt als Demonstration eigener Stärke, die doch nur eigene Schwäche verrät, sondern tiefen inneren Frieden in der Erfahrung der Menschwerdung Gottes. „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“.


6. Und seit 1970, also zwei Jahre nach der Einführung des Weltfriedenstages, wurde der Festtag der heiligen Gottesmutter Maria ebenfalls auf den 1. Januar gelegt, so dass wir heute Oktavtag von Weihnachten, Weltfriedenstag und Hochfest der Gottesmutter Maria haben. Und in Maria wird uns genau dieser Mensch vor Augen geführt, in dem Gott selbst fruchtbar wird. Genau das meint ja der Begriff „Gottesmutter“. Nicht dass Gott ins Leben gerufen werden müsste, sondern dass der Mensch, der Gott selbst empfangen hat, nun auch fähig wird, Gott hervorzubringen und damit jenen Frieden hervorzubringen, der erst in der Erfahrung Gottes möglich wird. Wo immer also diese Liebe Gottes zu den Menschen aufleuchtet, kann der Mensch innerlich verwandelt werden zum Frieden hin. Maria wird somit zum Urbild des Friedens.

Franz Langstein

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