Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder . . .
Liebe Leserinnen und Leser,
Als unsere beiden Söhne Nico und Jona 1986 bzw.1988 geboren wurden, waren das jeweils Tage großer Freude in unserer Familie. Mit ihrem Dasein hat sich das Leben meiner Frau und auch das von mir grundlegend verändert. Faszinierend fand ich, wie sie, jeder auf seine Art, mit uns als Eltern in Beziehung getreten sind, mit uns Kontakt aufgenommen haben: mit ihrem ersten Augenaufschlag, mit ihrem gewinnenden Lächeln und auch mit ihrem durchdringenden Schreien, wenn ihnen etwas nicht passte oder wenn sie Hunger hatten. Im gegenseitigen Erleben entwickelten beide im Lauf der Zeit ein schier unerschütterliches Vertrauen zu meiner Frau als Mutter und zu mir als Vater. Grundlage für ihr Vertrauen war nicht zuletzt, dass sie erfahren haben: ich werde bedingungslos geliebt, ich bin erwünscht und angenommen, meine Umgebung vermittelt mir Wärme und Geborgenheit, hier ist Gut-Sein für mich.
Sicherlich haben viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ähnliches erlebt oder kennen andere Beispiele vom Erzählen aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: Vertrauen auf der Basis einer von Liebe getragenen Beziehung. Dieses Vertrauen macht Mut und eröffnet Räume, sich selbst ohne Angst frei zu entwickeln und die eigenen Fähigkeiten zu entfalten.
Schade nur, dass der Mensch oft in den Erschütterungen seiner Existenz diese Fragen in sich spürt.
Wenn ich in die Heilige Schrift schaue und lese, finde ich eine Fülle von Erzählungen, die überliefern, wie Gott mit Menschen in Beziehung tritt, sich ihnen werbend und durchdrungen von Liebe zuwendet, im Alten Bund sowie im Neuen Testament. Zwei Beispiele möchte ich nennen: Jahwe, der Gott Abrahams Isaaks und Jakobs, offenbart sich Moses im Zeichen des brennenden Dornbuschs und nennt seinen Namen:JAHWE- ICH BIN, DER ICH BIN DA; nicht nur ein Name, sondern gleichzeitig ein Programm: Ich wende mich Dir, dem Volk Israel, den Menschen zu. Im Neuen Testament wird Jesus „IMMANUEL“ – „GOTT MIT UNS“ genannt; auch dies ein Zeugnis dafür: Gott wendet sich in Jesus den Menschen zu. Diese Wirklichkeit ist Geschenk und Einladung zugleich: Gott tritt mit uns Menschen in Beziehung; wir dürfen IHM vertrauen, in allem, in unserer ganzen Existenz, ganz gleich, was in unserem Leben geschieht; vielleicht damit vergleichbar, wie sich Kinder, angekommen in dieser Welt, auf ihre Eltern einlassen. Vielleicht meint Jesus auch das, wenn er zu seinen Jüngern sagt:
Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder . . .
Ich wünsche Ihnen eine gute, gesegnete Zeit
Ihr Pastoralreferent Günter Tucher